Huth, Berlin

 

 

Dr. Erich Franz Huthwar 1905 bei Telefunken als Patentingenieur tätig. Der ruhelose Geist hielt es dort nicht lange aus, nahm selbst Patente auf seine Erfindungen und wurde auch unternehmerisch aktiv. 1906 gründete Huth die eigene Firma und erwarb 1908 Kunsch & Jaeger, Rixdorf / Berlin, deren technische Leitung er Siegmund Loewe übertrug. Im Ersten Weltkrieg zählte die „Dr.Erich F. Huth-Gesellschaft für Funkentelegrafie mbH" zu den bedeutenden Produzenten der Funktechnik und baute danach auch drei Sender für den Rundfunk. Huth war unter den ersten Anbietern von Detektor- und Röhrenapparaten für Radioamateure. Im Organ des deutschen Radio-Clubs „Der Radio-Amateur" beschrieb Dr. Nesper im Rahmen eines Berichtes von der Leipziger Herbstmesse 1923 die dort von Huth ausgestellten Apparate und Einzelteile — so auch den Lautsprecher nach dem „Johnson-Rabeck-Prinzip".

 

 

 

 Diesem Detektorempfänger E 136 a ist der Zweiröhren-NF Vestärker LW 72 nachgeschaltet.

 

Bestückt ist dieser RC-gekoppelte Verstärker mit zwei Original-„Huth"- Kugelröhren (eine dritte liegt vor dem Gerät). Es sind die Huth-Spezialfassungen eingebaut, welche auch die Verwendung genormter Röhren ermöglichen.

 

 

Eine„Huth-Kombination" Baujahr 1924/25, bestehend aus dem Empfänger ELH 133 und dem NF Verstärker LN 64. Der Empfangsteil enthält eine HF-Stufe (Primärkreis) und eine rückgekoppelte Audionstufe (Sekundärkreis). Auf dem Zweiröhren-NF Verstärker steckten ursprünglich zwei Eisenwasserstoffwiderstände (wie beim Afra R.E.20); erst später ersetzte der Besitzer diese Festwiderstände durch einen Schaub-Regelwiderstand mit Ausschalter. Die (hier durch Repliken ersetzten) Röhren stammten einst aus eigener Produktion. Huth-Röhren hatten Spezialsockel mit größeren Stiftabständen und 4 mm Stiftdurchmesser. Ab August 1924 waren folgende Oxydfadenröhren verfügbar:LE241, LE244 und LE245.

 

 

 

 

 

Noch ein alter Hut(h) — der große Fünfröhren-Fernempfänger ELL144 mit RTV-Stempel vom 5.11.1924. Auf ihm stecken die Original-Huth Röhren LE229. Sein Eingangskreis ist variabel als umschaltbarer Serienresonanzkreis ausgebildet, zwischen der HF- und Audionstufe befindet sich ein weiterer Kreis. Huth baute auch hier Röhrenfassungen ein, in welche sowohl die mit Spezialsockeln versehenen Huth Röhren als auch solche mit Europasockel eingesteckt werden konnten. 

 

 

Sie zählen zu den außergewöhnlichen Sammler-Raritäten — die Superhuth-Empfänger von 1925 und 1926. 1925 erschien der unten abgebildete Superhuth II, von dem wahrscheinlich nur noch ein Exemplar in Sammlerhand ist. Aus 1926 stammt der abgebildete Superhuth IV; über die (geplanten?) Modelle I und III ist auch in der Fachliteratur nichts zu finden.

 

 

Die Superhuth-Type IV wurde 1926 im „Radio-Händler" (auf S. 514) ausführlich besprochen. Seine Röhrenbestückung: fünf „Superhuth-Sparröhren" und eine Lautsprecherröhre. Das Gerät arbeitete mit einer Rahmenantenne zum Empfang der Sender im Wellenbereich 200 bis 600 m. Langwellen (bis 2500 m) konnte man mit einer zweiten Rahmenantenne und dem entsprechenden Oszillator Wechselspulensatz empfangen und in den Beschreibungen findet man sogar einen Kurzwellen-Spulensatz, beginnend bei 50 m Wellenlänge. Die Fertigung dieser hochwertigen Superhets endete schon 1926/27. 

 

 

Im September 1925, nach Freigabe der Wellenbereiche, wollte Dr.Erich F. Huthauch für den kleinen Geldbeutel eine Geräteserie anbieten. Drei Modelle kamen auf den Markt: der Detektorapparat EL 169, das Audion EL 170 und der NF-Verstärker LN 81, alle im gleichen Flachpultgehäuse. Hier abgebildet ist das Audion EL 170. Ungewöhnlich ist bei diesem Einröhrenempfänger die Anordnung der beiden Spulen. Es sind nur Verlängerungs-lnduktivitäten — im Gerät befindet sich ein Variokoppler, mit dem ohne aufgesteckte Spulen die kürzeren Wellenlängen empfangen werden können. In diesem Fall sind die 2 Buchsenpaare durch einen Federkontakt überbrückt. 

Schon Mitte der Zwanziger war die Firma in finanzielle Schwierigkeiten geraten. 1926 vermerkte „Der Radio-Händler" unter „Firmen-Nachrichten" auf S. 486: „Die Telephonfabrik A.-G. vorm. J. Berliner beabsichtigt, die bekannte Gesellschaft für Funkentelegraphie, Dr. Erich F. Huth, Gesellschaft für Funkentelegraphie m.b.H., zu übernehmen. Durch die Übernahme der Huth GmbH. wird die Telephonfabrik in der Lage sein, ihre Produktion auf das Gebiet von Sendeapparaten für die Funkentelegraphie zu erstrecken.

Tefag war aber nicht der einzige Anwärter. Auch Telefunken und Lorenz waren an den Huth'schen Schutzrechten außerordentlich interessiert, z.B. an der„Huth-Kühn-Schaltung" und nicht zuletzt an dem „Honigwabenspulen"-Patent, das Huth von seinem amerikanischen Erfinder erworben hatte. Und schon kurz nach der Übernahme durch die Tefag konnte man im „Radio-Händler" (auf S. 725) lesen: „Die Telephonfabrik Akt.-Ges. vorm. J. Berliner und die C. Lorenz Akt.-Ges. sind im Interesse der Rationalisierung ihrer drahtlosen Abteilungen freundschaftlich dahin übereingekommen, daß die kürzlich von Berliner erworbenen Anteile der Dr. Erich F. Huth GmbH., Berlin, an die C. Lorenz  Akt.- Ges. übergehen. Telephon Berliner wie Lorenz hoffen von dem Übereinkommen eine Verbilligung ihrer Fabrikation und die Möglichkeit besseren Ausbaues des Radio-Geschäftes". Telefunken beteiligte sich zunächst intern mittels inoffizieller Vereinbarungen.

Unter verschiedenen Huth-Firmenkonstellationen war die 1923 gegründete „Signalbau AG, Dr.Erich F.Huth" (kurz: „Signalbau Huth") die bekannteste. In ihr entstanden die noch heute in zahlreichen Sammlungen anzutreffenden Huth-Netzanschluss-Radios. Während sich die Superhuth-Modelle von 1925/26 noch durch ihren präzisen Aufbau auszeichneten, handelte es sich bei den ab 1926 angebotenen Signalbau Huth-Geradeausempfängern um Geräte Große Deutsche Funk in Billigbauweise. Bis 1931 waren sie in Ausstellung: Stand 92 den Katalogen; die Weltwirtschaftskrise überstand die Signalbau AG nicht — im April 1932 meldete sie den Konkurs an.

 

 

Die abgebildeten Netzanschlussempfänger erschienen schon 1927. Warum sie nicht erfolgreich wurden, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Vielleicht lag es an der schlechten Wiedergabequalität des Trichterlautsprechers. Die Modelle des Folgejahres enthielten keine Lautsprecher mehr.

 

 

Die „Signalbau Huth"-Radios in Billigbauweise. Das im Vordergrund stehende Modell E 72 W (1928) lag mit RM 89.- auf dem Preisniveau von Emud. Mitte: das Nachfolgemodell E 82 W, bei dem die Röhren ins Innere verlegt wurden. 1929 hatte es noch die alten Skalenknöpfe und normale Beschriftungen; am 1930er E 82 W (im Bild rechts — mit den moderneren Drehknöpfen) findet man nur noch Zahlenmarkierungen.

Vergleiche mit DeTeWe bieten sich an; auch sie zählten, wie Huth,zu den Weltkriegs-Lieferanten, fertigten für den Rundfunkempfang Superhets und verschwanden Anfang der Dreißiger aus den Katalogen. DeTeWe jedoch — nur vorübergehend — mit unzeitgemäßen Neutrohets, während Huth sich mit den billig aufgebauten Geradeausempfängern verabschiedete.

 

 

Inserat aus „Kompendium der Funktechnik", 1931. Ein Zweiröhrengerät mit einer Schirmgitterröhre im Audion und eingebautem Lautsprecher zum Preis unter 100.- Mark — das war außerordentlich preisgünstig — hätte eigentlich ein großer Geschäftserfolg werden müssen. Vielleicht hatte sich die Händlerschaft schon von Huth abgewandt, vielleicht waren es schon Ausverkaufsmodelle...

Der Name„Huth" war auch nach dem Konkurs der Signalbau AG noch nicht aus der Welt. Die Patentholding geisterte weiterhin durch die Branche und 1934 mieteten Lorenz und Telefunken in Hannover Räume zur Fabrikation von„Huth"-Geräten für militärische Zwecke.

 

 

1929 wurden nur die billigen Empfänger in Blechkästen eingebaut — im vierten Quartal des 20. Jahrhunderts findet man auch unter den teuersten kaum einen Receiver, der nicht in einem Blechkasten steckt. Das Gerät im Bild ist der Signalbau-Huth-Zweikreisempfänger E 83 W mit den Röhren RENS 1204, REN 904, RE 134 und RGN 354. Der Bakelit-Lautsprecher im Hintergrund: ein Tefag-Secundus, ebenfalls Baujahr 1929.

 

 

Der letzte „Signalbau Huth"erschien 1931 als Typ E 104 W. Es war ein Dreikreis-Fernempfänger mit drei Schirmgitterröhren und einer Endtriode. Mit Röhren wurde also nicht gespart, aber überall sonst. Sicher war es nicht der Weltwirtschaftskrise allein anzulasten, dass die Signalbau Huth zahlungsunfähig wurde.

Der Name„Huth" war auch nach dem Konkurs der Signalbau AG noch nicht aus der Welt. Die Patentholding geisterte weiterhin durch die Branche und 1934 mieteten Lorenz und Telefunken in Hannover Räume zur Fabrikation von„Huth"-Geräten für militärische Zwecke.

 

 

Inserat aus: „Der Radio-Händler", Nov. 1932. Nach dem Konkurs der Signalbau Huth AG machten sich einige Techniker selbständig und gründeten eine Reparaturwerkstatt für Huth-Radios.

Die Geschichte des Unternehmens ab 1945 wird im Kapitel 9 — Chroniken westdeutscher Nachkriegs-Radiofirmen — unter„Huth" fortgesetzt.