3.44 Koch & Sterzel, Dresden

Koch & Sterzel, Dresden

Das Dresdener Transformatoren- und Röntgenwerk „Koch & Sterzel" war 1923, auf der Leipziger Herbstmesse, noch nicht mit Rundfunkartikeln vertreten. Im Heft 2 vom September 1923 berichtete „Der Radio-Amateur": „Ausgestellt waren Hochspannungs-Transformatoren verschiedener Größen und Ausführungen. Besondere Transformatoren für Radiotelegraphie waren jedoch nicht vorhanden". Die RTV-Zulassung erhielten die Dresdener im April 1924, danach kam Koch & Sterzel mit den ersten Radiogeräten auf den Markt. Dipl.-Ing. Ulrich Günther (der spätere „Mende-Mann") zeichnete für die Konstruktionen verantwortlich. In der Fachpresse erschienen längere Besprechungen über die von K & S entwickelten Geräte. Vom Detektor bis zum Neunröhren Superheterodyne-Gerät reichte die Angebotspalette; auch das Einröhren-Reise-Gerät war darunter.

 

1924 begann auch das Lieferprogramm der Dresdener Koch & Sterzel AG mit dem Detektorapparat. Dass das hier abgebildete Gerät die „Nr. 1" war, ist eher unwahrscheinlich. Es hat kein Typenschild, als Fertigungsjahr wird 1925 vermutet. Der Aufsteck-Detektor ist nicht von K & S. (Sammlung H.J. Liesenfeld).

 

Die Typenreihe begann mit der Nr. 1. Bei den abgebildeten, mit Röhren bestückten Geräten müsste es sich, dem Nummerierungs-Schlüssel entsprechend, um das 36. bzw. 42. Modell handeln (der Typ-Nr. wurde ab 1927 die Anzahl der Röhren vorausgestellt). Es ist nicht verbürgt, ob alle Typen schließlich auf den Markt kamen (auch von der Seibt'schen Zahlenreihe erschienen zahlreiche Modelle nicht). Bei Koch & Sterzel wären es allein im Jahr 1927 zehn Typen gewesen; beginnend beim Zweiröhren-Einkreisgerät bis zum Neunröhren Superhet mit HF-Vorstufe.

 

 

Ausführlich berichtete der „Radio-Händler" 1925 über das Koch & Sterzel-Geräteprogramm auf den Seiten 312-14, und 1927 schrieb Dr. A. Mandel im Journal „Deutscher Hausschatz" über die Typen ER 640, ER 941 und ER 442; diese Truhengeräte sind auch im nachfolgenden Inserat abgebildet. 

 

Das „Einröhren-Reise-Gerät" ER 27, Baujahr 1925 empfängt Mittelwellen, ca. 200 - 700 m. Es ist mit der Raumladegitteröhre RE 82 bestückt. (DRM 25KS00 H) 

Koch & Sterzel war — wie der ETZ vom 12.3.1908 zu entnehmen ist— schon damals eine Fabrik, die sich auf die Fertigung „moderner Wechselstrom-Apparate" spezialisiert hatte. Inhaber waren: der Ing. F. J. Koch und der Dipl.-Ing. K. A. Sterzel.

 

Die im Herbst 1927 erschienenen K & S - Geräteserie in Truhen, vorgestellt in einem Inserat in: „Radio" vom Februar 1928.

 

"Achtung Neuheiten! Äußerst Preiswert!" stand im Koch & Sterzel-Inserat von 1927. Es enthielt den Detektorapparat ED038 (RM 10.-), den Zweiröhren-Empfänger ER 239 (RM 65.-), den Dreiröhrenempfänger ER 337 (RM 85.-) und den hier abgebildeten Vierröhren-Sekundär-Empfänger ER 436 (RM 110.-). In der Tat, diese Preise waren günstig, zumal im Preis eingeschlossen die Spulensätze für die Wellenbereiche 180 bis 2300 m mitgeliefert wurden. Der etwa gleich gestaltete Seibt EA437 kostete 120.- RM. (Sammlung F.W. Klapdor)

 

1927 brachte das Dresdener Röntgen- und Radiowerk auch das hier abgebildeten Truhenmodell, den Batterie-Zweikreiser ER 442 auf den Markt. In dieser Bauart gab es (siehe Inserat letzte Seite) noch größere Empfänger. Hinter dem Gerät steht leider kein „Waldhorn"- sondern nur ein Merz-Trichterlautsprecher.

 

Das kleinere Gerät im Bild: der Hermes ER 355, Baujahr1929, hat einen Kreis und zwei Empfängerröhren. Eigentlich sind es (die Netzgleichrichterröhre ausgenommen) deren drei; es enthält nämlich die äußerst seltene Telefunken-Zweifachröhre RENZ 2104. Diese indirekt geheizte Doppelröhre ist der Grund dafür, dass der im übrigen bedeutungslose Einkreiser im schlichten Stahlblechgehäuse zu den Sammlerraritäten zählt. Pollux WA heißt das größere 4-Röhren-Zweikreis-Netzanschlußgerät von 1930.

1929 und 30 ließen sich K & S bei der Wahl ihrer Gerätenamen im Geiste der griechischen Götter inspirieren. Hermes (der Götterbote) und die Dioskuren Kastor und Pollux sollten den Stahlblechkästen Glanz verleihen. Bis zum Modelljahr 1931/32 lief die Radioproduktion; 1932 wurde sie dann eingestellt — Reste gingen an Mende.Die Dresdener Koch & Sterzel existierte weiterhin und nach dem Krieg begann auch ein „Westableger" mit der Produktion medizinisch technischer Geräte.

Nicht nur die K & S-Radiogeräte sind beim Sammler beliebt. Interessant sind auch Trichterlautsprecher dieses Fabrikats. Ob sie soviel besser waren als andere dieser Art? Vielleicht war es weniger eine objektive als eine eher persönliche Referenz, wenn Dr. A. Mandel in einem Bericht von 1927 schreibt: „Dazu gehört freilich auch ein guter Lautsprecher; ich weiß zur Zeit keinen besseren als den wundervoll klangreichen Waldhorn Lautsprecher von Prof Koch, dessen Fülle und Reinheit mir unübertrefflich dünkt". Notabene: Prof. Koch stellte hohe Ansprüche, er war nicht nur Fabrikant, sondern auch Musikliebhaber und Violinvirtuose.

 

Inserat aus: „Der Deutsche Rundfunk", März 1930