3.45 Körting, Leipzig 

 

 

1889 gründeten die Herren Max Körting und Wilhelm Mathiesen in Leipzig eine OHG und produzierten Lichtbogenlampen mit dem Markennamen „Kandem“. Sonstige Leuchten, Elektrizitätszähler und Kleintrafos ergänzten das Lieferprogramm.

 

radiotechnik körting burosch

 

Als in Berlin der Rundfunk begann, fertigte die inzwischen in eine AG umgewandelte Firma für den neuen Radiomarkt auch schon die noch heute in großer Zahl vorhandenen „Körting“-NF-Transformatoren.

 

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Inserat aus: „Der Deutsche Rundfunk“, Oktober 1924

 

1925 wollten sich die Herren Dr. Wilhelm Dietz und Oswald Ritter selbständig machen und so wurde mit zwanzigprozentiger Beteiligung der Körting & Mathiesen AG in Leipzig die „Dr. Dietz & Ritter GmbH“ gegründet. Weil aber der Name „Körting“ als Markenbegriff schon einen guten Ruf genoss, sollte er auch in der neuen Firma beibehalten werden. Neben Drosseln und Trafos aller Art – wer kennt nicht den Körting push­pull – zählten Netzanoden und Ladegeräte zum Fertigungsprogramm.

 

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1928 kamen auch der elektrodynamische „Magnavox“-Lautsprecher in die Verkaufslisten – den importierten Dr. Dietz & Ritter aus Amerika.

 

Im eigenen Hause wurden dann Modelle dieser Art mit den Markennamen „Excello“ und „Domo“ produziert. Namhafte Radioproduzenten bestückten ihre Geräte mit den hochwertigen Körting-Bauteilen. Sicher waren dem Entschluss, komplette Radiogeräte zu bauen, ernsthafte Erwägungen vorausgegangen, musste man doch damit rechnen, dass potente Einzelteilkäufer auf andere Fabrikate oder Eigenfertigung umsteigen würden. Auch schien es fraglich, ob der Handel in den herrschenden Krisenzeiten noch eine weitere Radio­Marke in sein Sortiment aufnehmen würde. Und es fehlte der Konstrukteur. Dr. Dietz, der selbst Techniker war, wollte für diese Position einen erfahrenen Fachmann und engagierte für die Entwicklung der ersten Körting-Radios den bekannten Dr. Lertes von der Frankfurter Firma Schneider ­Opel AG, welche gerade liquidiert worden war.

 

 radiotechnik körting burosch 

 

radiotechnik körting burosch

 

1932 debütierten die Körting­ Radiowerke mit den von Dr. P. Lertes konstruierten Ein- Zwei- und Dreikreis-Geradeausempfängern. Zum meist verkauften wurde dieser Einkreiser R 100 WL – die größeren sind äußerst selten. Man konnte sie ohne oder mit eingebautem Lautsprecher haben, und das war Körtings Stärke – dieser Excello-Lautsprecher mit dem „strahlenden Körting-Klang“.

 

Das Wagnis führte zum Erfolg: 1932 noch mit Geradeausempfängern, kam Körting schon 1933 mit Hochleistungs-­Superhets auf den Markt. Bereits im Jahr ihres Erscheinens und auch in den Folgejahren wurden sie stets zu den Besten gezählt.

 

radiotechnik koerting06 burosch

 

1933 stießen die Leipziger in höhere Klassen vor, wollten sich aber vom Einkreiser nicht trennen und brachten ihn – jetzt mit Kurzwellenbereich – als R 110 WL auf den Markt. Zwei Pento­den sorgten für die entsprechende Empfangsleistung und der dynamische Lautsprecher wieder für den guten Ton. 1934 war dieser R 110 letztmals im Katalog – zum Ausverkaufspreis.

1933 war das Jahr, in dem die Leipziger zügig in die Oberklasse einstiegen. Dipl.-Ing. H. Goldberg war zu Körting gestoßen. Unter seiner Leitung erschienen 1933 – konstruiert von den Entwicklungsingenieuren H. Beugel, Dr. Hensel und H. Sorge – die hochwertigen Empfänger: Cyclo­ und Hexoden-super.

 

radiotechnik cyclo super s 2400 wl burosch

 

Cyclo-Super S 2400 WL nannte Körting dieses im klassischen „Kathedral-Stil“ gestaltete Gerät der gehobenen Mittelklasse. Nur drei Röhren hatte der Sechskreis-Superhet für Kurz- Mittel- und Langwellenempfang, die Fading-Hexode RENS 1234, eine Binode/Tetrode RENS 1254 in Reflexschaltung und die Kraftpentode RENS 1374 d, aber 50 Mikrovolt Empfangsempfindlichkeit. Dipl.-Ing. H. Goldberg, der 1933 anstelle des ausgeschiedenen Dr. Lertes die Körting-Entwicklung leitete, bzw. seine Entwicklungsingenieure H. Beugel und Dr. Hensel konnten mit diesem Empfänger eines ihrer Meisterstücke präsentieren.

 

radiotechnik koerting r 220 wl von 1933

 

Die üppigen Maße von 49 x 44 x 25 cm ließen auf größeres schließen – der Körting R 220 WL von 1933 war aber nur ein Zweikreiser. Mit drei Pentoden zählte er freilich zu den leistungsfähigsten seiner Klasse. Noch heute ist der Radiosammler von der Empfangsleistung dieses Gerätes überrascht.

 Das Körting-Labor-Team durfte sich schon 1933 über die Erfolge freuen, welche es bereits mit den ersten Superhets verbuchen konnte. Es folgten weitere Höhepunkte: 1934 der Cyclo­Selektor und der Supramar, 1935-36 der Supra­Selektor und der Ultramar, 1937-39 der Dominus und schließlich der Transmare. Jedes dieser hochwertigen Geräte ist heute ein begehrtes Sammlerstück.

 

 koerting spitzenempfaenger von 1933 der hexodensuper 3410 wl

 

Ein Körting-Spitzenempfänger von 1933, der Hexodensuper 3410 WL, im Eingang mit den neuen Hexoden RENS 1234 / 1224 bestückt. Mit diesem Fünfröhren-Vorstufensuper, welcher sich mit einem schlichteren Gewand begnügen musste, gelang den Leipzigern schon im zweiten Jahr ihrer Radioproduktion der große Wurf. Dr. Dietz nahm – das erzählte Herr Ritter 1953 noch aus alten Zeiten – die Körting-Entwicklungen zuhause in seinem Privatlabor kritisch unter die Lupe.

 

 frau ritter pflegte bei der gehaeuse gestaltung unix r 2100

 

Ganz verzichten wollten die Leipziger 1934 auf das bewährte Einkreisgerät R 110 noch nicht, aber in der bisherigen Form gefiel er nicht mehr. Frau Ritter pflegte bei der Gehäuse-Gestaltung ein Wörtchen mitzureden. Sie veränderte das triste Äußere des Vorgängers. Der hier abgebildete Unix R 2100 war fast schon ein „Privat-Modell“, in den üblichen Katalogen findet man ihn nicht.

 

zweikreis reflexgeraet trixor r 2200 wl

 

1934 wurden die Körting-Radios weiterentwickelt, sowohl das Äußere, wie auch die Technik betreffend. Die Reihe begann mit dem beliebten Zweikreis-Reflexgerät Trixor R 2200 WL. Außer den Gleichrich­tern enthält es nur zwei Röhren (RENS 1234 / RES 964), aber zehn Skalenlämpchen: zweimal drei für die seitlich einstrahlende Beleuchtung der drei getrennten Skalengläser, drei im Skalenzeiger-Lichtkasten und eines – das zehnte – für die Tonabnehmeranzeige.

 

vierroehrensuper cycloselector s 4340 wl

 

Über den Vierröhrensuper Cyclo­Selector S 4340 WL liest man im Radio-Katalog 1934: „Der vorjährige Cyclo-Super war eine Sensation der Funkausstellung, der diesjährige übertrifft den vorjährigen durch organische Weiterentwicklung zum 4 -Röhrengerät. Ein prachtvoller Empfänger von einer außerordentlichen technischen Durchbildung, der auch seine Leistungen entsprechen“. Kurz- Mittel und Langwellen empfängt dieser, ebenfalls von Beugel/Hensel entwickelte hochwertige Vorstufensuper, der zur „lautlosen Abstimmung“ mit dem „Opticator“-Anzeigeinstrument ausgestattet wurde. Für 321.- RM war er zu haben. Der Sammler schätzt auch die Gleichstromversion 4340 GL (336.- RM), weil in ihr (neben der RENS 1834 und 1819) der gesamte B-Röhrensatz: BCH 1, BB 1 und BL 2 enthalten ist.

 

ueberlagerungsempfaenger miros s 3220 wl

 

In Körtings zweitem „Superjahr“ schufen die Sachsen drei neue Überlagerungsempfänger, beginnend mit dem hier abgebildeten Miros S 3220 WL. Die Klasse betref­fend war dies der Nachfolger des Dreiröhren-Cyclo-Superhets; jedoch – er hat keinen Kurzwellenbereich. Bestückt wurde er mit der neuen Mischröhre ACH 1, ihr folgen die RENS 1284, AB 1 und RES 964. Bemerkenswert ist seine ungewöhnliche Schaltung: Die RENS 1284 nach dem zweiten ZF-Kreis arbeitet als Audion (Gittergleichrichtung). Der dritte ZF-Kreis bedient die AB 1. Sie gibt eine, durch die RENS 1284 verstärkte Regelspannung auf das Steuergitter der ACH 1, wodurch die hohe Audion-Verstärkung voll ausgenützt, eine Übersteuerung aber sicher vermieden wird.

 

hexoden grosssuper supramar s 5340 wl

 

Das Prunkstück aus der Körting-Baureihe 1934 war der hier abgebildete Hexoden-Großsuper Supramar S 5340 WL. In diesem Fünfröhren-Vorstufensuper mit der „unerhörten Reichweite“ findet man – wie im Cyclo-Selector – sieben Kreise. In der Empfangsleistung ist er ihm also nicht überlegen, NF-seitig aber hat man ihn durch eine REN 904 aufgewertet. Der Mehraufwand war zwar nicht groß, aber Körting verlangte für den Supramar 399.- RM – der Cyclo-Selector kostete 321 Mark. Das Besondere war halt schon immer etwas teurer.

 

Trixor, Miros, Cyclo-Selector und Supramar – die 1934er Baureihe zählt zu den Höhepunkten einer Sammlung, nicht zuletzt deshalb, weil hier Frau Ritters Stil noch konsequent verwirklicht worden war. Diese Hochformat-Radios, in Amerika auch „Midgets“ genannt, waren 1934 bei anderen Firmen schon durch modernere, mehr ins quadratische gehende Gehäuseformen abgelöst worden – Körting hinkte diesem Trend hinterher.

 

bandfilter dreikreiser saxonia rb 3300 w

 

Im 1935er Programm wird der Trendwandel deutlich sichtbar. Die Leipziger versuchten, ihre Geradeausempfänger billiger herzustellen, indem sie die Ein- und Zweikreiser Welf, Phöbus und Adeling in hochformatige Bakelitgehäuse steckten. Für den neuen Bandfilter-Dreikreiser Saxonia RB 3300 W wurde ein Holzgehäuse vorgesehen, aber eben auch noch im Hochformat. Nur die schlichtere Ausführung und eine Langfeldskala wiesen in die künftige Richtung. Neu war die Röhrenbestückung: AF 3, AF 7 und AL 1 für die Wechselstrom- und CF 3, CF 7 und CL 2 für die Allstrom-Type.

 

Das Körting-Angebot von 1935 war besonders reichhaltig – elf Gerätetypen standen in den Katalogen. Die Lieferliste begann beim Volksempfänger und einem Super-Vorsatz für den VE 301 W, ihm folgten die Ein- und Zweikreiser Welf, Phöbus und Adeling. Begehrter waren die vier auf diesen Seiten abgebildeten Geräte, aber auch der erste Körting-Koffersuper KS 4241 B und der Auto-Super ASE 4251 dürfen nicht vergessen werden.

 

koerting empfaenger bandselector sb 3330 w

 

Zu den beliebten 1935er Körting-Empfängern zählt auch der Band­-Selector SB 3330 W. Frau Ritter verabschiedete sich wohl ungern vom alten Gehäusestil, dies aber war das letzte Modell mit handgeschnitztem Zierrat. Das Eingangsbandfilter ist es, das dem Band-Selector zu seinem Namen verhalf. An Kreisen – drei veränderliche und drei ZF-Kreise – fehlt es ihm nicht, aber mit drei Röhren: AK 2, AF 3, AL 1 zählte er nur zur Mittelklasse. „Der geeignete Empfänger für den „Nur-Hörer“, der nur genießen will, ohne sich sportlich dem Rundfunk hinzugeben...“ steht im Prohaska-Katalog.

 

 vierroehren grosssuper supra selector sb 4345 w

 

Ein „Roter Faden“ ist bei den Körting-Modellen des Baujahres 1935 wahrlich nicht zu erkennen. der Vierröhren-Großsuper Supra-Selector SB 4345 W zeigt einen weiteren Gestaltungs-versuch: das ins Querformat zielende Gehäuse mit oben angeordneter Langfeldskala. Ein von H. Sorge entwickelter Sie­benkreiser mit den Wellenbereichen Kurz, Mittel und Lang, und der neuen optischen Abstimmanzeige – dem so genannten „Leucht-Amplimeter“. 

 

Auf eine HF-Vorstufe, welche die großen Modelle von 1933 und 34 so empfindlich gemacht hatte, wurde hier verzichtet; jetzt nannte man solche Empfänger schon „Großsuper“, wenn sie das Eingangsbandfilter hatten. Der Trennschärfe tat es keinen Abbruch, im Gegenteil – die neuen Eisenkernspulen verbesserten die Selektivität, aber der Fernempfang litt darunter. Und mit den alten Stiftröhren lag dieses Körting-Modell auch nicht mehr vorn.

 

 1935 auch noch den Ultramar SB 7360 W

 

Hatte etwa der sprichwörtliche Körting-Fortschritt den Rückwärtsgang eingelegt? Die zuletzt beschriebenen Modelle könnten den Verdacht aufkommen lassen. Aber zum Glück gab es ja 1935 auch noch den Ultramar SB 7360 W. Dieser von Dr. Hensel geschaffene Siebenröhren-Luxus-Großsuper konnte die Spitzenstellung der Körting-Radiowerke erneut bestätigen. Natürlich hatte der die neuen Röhren AH 1 mit AC 2 (anstelle der noch etwas unreifen ACH 1); in den ZF-Stufen (mit 3 Bandfiltern) die AH 1 und AF 3 und im NF-Teil eine ABC 1 (die diente als Störsprerre während des Abstimmvorgangs). Zwei AC 2 und zwei RE 604 sorgten für die kräftige Ausgangsleistung. Zusammen mit den beiden Netz-Gleichrichtern zählt man also elf Röhren, die Leipziger begnügten sich jedoch in den Katalogangaben bescheiden mit sieben. Nur dies könnte dem Körting-Weltempfänger (mit zwei Kurzwellenbereichen) angekreidet werden: der erste Ultramar war wieder ohne HF-Vorstufe. Die bekam erst sein Nachfolger. Gut 30 kg wog Körtings Bester, der zum Preis von 580.– RM zu haben war. Und für betuchte Kunden, die den noch größeren Luxus liebten, gab es die „Körting-Privat“-Version in der Edelholz-Schatulle.

 

maenner seiner art wollen den ultramar

 

Concertophon Schrank

 

Es gab keinen besseren als den Ultramar, aber es gab besonders anspruchsvolle Kunden, denen ein Radioapparat in Normal- oder Schatullenausführung auch noch nicht genügte. Sie wollten ihren Empfänger in einem, zum damaligen Möbelstil passen-den Schrank mit eingebautem Plattenspieler. Diesen „Begüterten“ offerierte das Stuttgarter Radio- und Musikhaus Strässer 1935–37 den Concertophon-Schrank. Nur erstklassige Komponenten wurden eingebaut, die Tonabnehmer kamen aus der Schweiz, die Hochleistungs-Superhets natürlich von Körting aus Leipzig. 1935 war es der Ultramar SB 7360 W, 1936 der Ultramar SB 8360 W und 1937 der beste von allen: der Transmare SB 7440 W. Kaufen konnten sich solche Luxus­Schränke nur die entsprechend betuchten Kunden. Eines der guten Stücke stand bei einem Stuttgarter Pelzgroßhändler, das zweite bei einem Kurarzt im Schwarzwald und vom dritten dieser Art ist der einstige Besitzer nicht bekannt.

 

koerting empfaenger ultramar sb 8360 w

 

Ein Blick in den Bedienteil des Musikschranks „Concertophon“ von 1936: er enthält den Körting -Empfänger Ultramar SB 8360 W, einen Vorstufensuper mit zwei AD 1 in der Gegentakt-Endstufe.

 

Oswald Ritter stand in freundschaftlicher Beziehung zu dem legendären Weltenbummler Graf Luckner, der mit seinem „Seeteufel“ auf den Weltmeeren zu Hause war. Ihm überließ er das 1936er Ultramar-Modell SB 8360 W, natürlich nicht in einer dieser Musiktruhen, sondern in einem serienmäßigen Körting-Radiogehäuse. Dieser zweite Ultramar hatte in der Vorstufe die AF 3 und als Mischröhre die AK 2. Die ZF-Gruppe entspricht der des Vorgängers, und in der Endstufe sitzen zwei der neu erschienenen AD 1. Der Ultramar 37 für den Weltempfang auf hoher See – das war keine schlechte Reklame.

 

volksempfaenger ve 301 w

 

Eine gewaltige Zäsur – 1935 gab’s halt viel mehr „Volksgenossen“, die wohl vom Großsuper träumten, sich aber nur einen Volksempfänger VE 301 W hatten leisten können. Körting wollte auch diesen „kleinen Leuten“ den Empfang ferner Sender ermöglichen und schuf 1935 den Super-Vorsatz VS 1220. Das mit der AF 3 bestückte Unterbau-Gerät holte sich die Heiz- und Anodenspannung aus dem VE-Netzteil, welcher (mit seiner RGN 354) schon fast ins Schwitzen kam. Der Verkaufserfolg hielt sich in Grenzen; die wenigen, heute noch existierenden  Exemplare werden insbesondere von spezialisierten VE-Sammlern verzweifelt gesucht.

 

Dr. Goldberg arbeitete gerne mit Reflexschaltungen. Sein Entwicklungsingenieur Rudolf Sittner schuf 1936 den interessanten Novum-Bandfilter-Reflexempfänger, war aber auch an der Entwicklung des Dominus beteiligt.

 

schaltung novum 38

 

 zweikreis reflexempfaenger novum rb 2206 w

 

1936 brachte Körting erstmals Geräte im Querformat auf den Markt, bei dem die Skala und der Lautsprecher nebeneinander angeordnet wurden (z.B. beim Einkreiser Unix 37). Im quadratischen Format gestaltet ist der – für den Sammler weitaus interessantere – Zweikreis-Reflexempfänger Novum RB 2206 W. Rudolf Sittner entwickelte zahlreiche der kleineren Körtings, darunter den Unix, Trixor, Welf und Adeling. Der Novum aber beeindruckt den Radiofreund in besonderem Maße.

 

Dieser „Radioapparat mit der Thermometer-Skala“ wurde mit den Röhren: AF 3, AB 1 und der neuen AL 4 bestückt und er beinhaltet eine recht ungewöhnliche Schaltungstechnik. Selbst der Fachmann durchschaut sie ohne begleitende Erklärungen kaum (die findet er in: „Bastelbriefe der Drahtlosen“ 1936, Heft 9 Seite 264-66). Dass die AF 3 die Funktion der Hochfrequenz- und (nach Demodulation durch die AB 2) auch die der Niederfrequenzverstärkung übernimmt, kann noch als normal betrachtet werden. Dass Sittner aber die AL 4 nebenher dazu benützte, eine Verstärkung der Regelspannung für den Schwundausgleich zu bewerkstelligen – das ist in der Tat abnormal. Auch die Kathodenrückkopplung ist nicht alltäglich und die „Abstimm-Glimmröhre“, welche erst durch die verstärkte Regelspannung so munter wird, zählt zu den Pluspunkten des RB 2206. Das war wirklich ein „Novum“ und der erhoffte Verkaufserfolg blieb nicht aus.

 

etos s 4230 w baujahr 1936

 

Auch bei Körting gab es nicht nur „Sternstunden“. Dieser Etos S 4230 W, Baujahr 1936, zählt sicher nicht zu den bevorzugten Sammlerradios; selbst der auf Körting spezialisierte Sammler wird keine übermäßige Freude an ihm haben. Die Proportionen des Gehäuses lassen ihn so kalt wie die technische Seite: ein Fünfkreis-Super mit der AK1, AF 3, ABC 1 und AL 4: nur der dreistufige Bandbreitenregler ist erwähnenswert. Es war halt ein Modell für die gutbürgerliche Wohnstube, aber damit waren größere Umsätze zu erzielen als mit den Spitzen-Superhets.

 

modell novum 38 gb 2207 w

 

Nachdem schon 1936 der Unix im Querformat gestal­tet worden war, bekam nun auch der 1937er- Novum, das Modell Novum 38, GB 2207 W ein derartiges Gehäuse. Beibehalten wurde die oben beschriebene außergewöhnliche Schaltungstechnik des Bandfilter-Zweiröhren-Reflexempfängers Novum RB 2206. Dagegen handelt es sich beim 1938 nachfolgenden Novum 39 um einen normalen Dreiröhren-Zweikreiser.

 

koerting aus 1937 honoris 38 s 4242 w

 

Noch ein Körting aus 1937: Honoris 38, S 4242 W. Es ist die etwas verbesserte Ausführung des Etos von 1936 (mit sechs statt fünf Kreisen), aber noch mit dem gleichen Röhrensatz. Die Gehäuseproportionen wirken jetzt vorteilhafter, aber mehr als Mittel- und Langwellen empfängt auch dieses Modell nicht (nur der gleich gestaltete Honoris S 4244 W hat auch einen Kurzwellenbereich). Urteil: nicht schlecht, aber auch nichts besonderes. 

 

koerting mitteilungen 2 grands prix

 

koerting muenze

 

 leipziger mit diesem transmare 38 sb 7440 w weltberuehmt

 

Nun aber ein Modell aus 1937, das die Herzen vieler Radio-freunde höher schlagen lässt. Schon in den Jahren zuvor zweifelte niemand an der besonderen Leistungsfähigkeit von Körting-Geräten – spätestens jetzt wurden die Leipziger mit diesem Transmare 38, SB 7440 W weltberühmt. Mit zwei „Grands Prix“ in den Klassen 15 und 49 (Radio und Musikinstrumente) wurde dieser „Roboter des Rundfunks“ in Paris ausgezeichnet. Seine Daten sprechen für sich: zwölf Röhren (einschließlich Gleichrichter), natürlich mit der bewährten Gegentakt-Endstufe; acht Kreise (und zwei Hilfskreise für die automatische Scharfabstimmung); Druckknopf-Motorwähler für 20 fest eingestellte Sendestationen. Die von Dr. Hensel geschaffenen Transmare-Modelle gab es auch 1938 und 1939. Die glücklichen Besitzer unter den Sammlern betrachten sie als krönenden Abschluss ihrer Vorkriegs-Kollektion.

 

Eine gewaltige Zäsur – 1935 gab’s halt viel mehr „Volksgenossen“, die wohl vom Großsuper träumten, sich aber nur einen Volksempfänger VE 301 W hatten leisten können. Körting wollte auch diesen „kleinen Leuten“ den Empfang ferner Sender ermöglichen und schuf 1935 den Super-Vorsatz VS 1220. Das mit der AF 3 bestückte Unterbau-Gerät holte sich die Heiz- und Anodenspannung aus dem VE-Netzteil, welcher (mit seiner RGN 354) schon fast ins Schwitzen kam. Der Verkaufserfolg hielt sich in Grenzen; die wenigen, heute noch existierenden Exemplare werden insbesondere von spezialisierten VE-Sammlern verzweifelt gesucht.

 

Außer den Heimempfängern fertigte Körting beliebte Koffersuper, hochwertige Autosuper und schwerpunktmäßig Kraftverstärkeranlagen.

 

boschplatten spieler mit koertingexcello tonarm

 

Die abgebildete Zusammenstellung – welche in den Dreißigern oft für NS-Kundgebungen eingesetzt wurde – besteht aus dem Bosch ­Plattenspieler mit Körting ­Excello-Tonarm, dem Vorverstärker LSW, der Endstufe HEW und dem elektro-dynamischen Großlautsprecher Maximus. Dama­liger Preis der Gesamtanlage: 1.140.- RM.

 

schaltungstechnischer aufbau dem des novum 39 w

 

Der schwere Stahlblechkasten enthält einen Körting-Zweikreisempfänger, dessen schaltungstechnischer Aufbau dem des Novum 39 W (1938) entspricht. Die Röhrenbestückung: AF 3, AB 2, AF 3, AL 4 und AZ 1. Er bildete das Kernstück einer Zentralanlage, die sich aus: Empfänger, Mikrofon, Plattenspieler und Kraft-Endstufe zusammensetzte.

 

koerting koffersuper tourist 6230 b

 

Drei Jahre lang – von 1937 bis 1939 – stand dieser Körting-Koffersuper Tourist 6230 B in den Katalogen. Im HF-Teil des Fünfkreisers sitzen die Röhren: KK 2, KF 3 und KB 2, im NF-Teil: KF 4, KC 3 und KDD 1. Die Doppel-Endtriode arbeitet – zwecks Batterieschonung – in Gegentakt-B-Schaltung. Zuerst durfte der stolze Erwerber des Tourist (ohne die Batterien) 256.50 RM zahlen, und dann (mit den eingesetzten Batterien) 15 Kilogramm schleppen.

 

siebenroehren siebenkreis vorstufensuper fuer mittel und langwellenempfang

 

Neben Heimradios hatten auch die Körting-Autoradios einen besonders guten Ruf. Schon 1935 konnte man sie in den Katalogen finden, der hier abgebildete stammt aus 1939/40. Bei diesem Typ AS 7340 handelt es sich um einen Siebenröhren-Siebenkreis-Vorstufensuper für Mittel- und Langwellenempfang, den auch das Militär schätzte. „Er hat mir das Leben gerettet“ – berichtete der im Krieg gegen Russland eingesetzte Infanterist Georg Brandl – „als ich nach dem Empfang entsprechender Nachrichten erkannte, dass wir eingekesselt wurden, lenkte ich mein Gefährt in Tag- und Nachtfahrten gen Westen und konnte noch rechtzeitig die Heimat erreichen“. Den Kraftwagen ließ er stehen – das Autoradio nahm er mit nach Hause und 30 Jahre später bereicherte es eine bedeutende Radiosammlung.

 

1938 auch den supra selector 39

 

Ein Körting Siebenkreis-Super im neuen Gehäusestil: der Amatus 39, Baujahr 1938. Bestückt wurde dieser Rundfunkempfänger der gehobenen Mittelklasse mit Röhren der neuen Stahlserie. Bis 1937 hatte Körting als Abstimmhilfe den „Opticator“, danach ein „Leuchtröhren-Amplimeter“ bevorzugt; erstmals findet man in diesem Modell das magische Auge EFM 11. In etwa der gleichen Bauform gab es 1938 auch den Supra-Selector 39. Das war ein, in der Empfangsleis­tung dem Transmare ebenbürtiger Siebenkreiser mit EF 13 in der HF-Vorstufe und EL 12 in der Endstufe.

 

40er modell die ef 11 em 11 und in der gegentakt endstufe

 

1939 hatte Körting 14 Gerätetypen im Lieferprogramm: die Zweikreiser und Sechskreis-Superhets in der Wechsel­strom- Allstrom- und Batterieausführung, die Fünfröhren-Achtkreiser Amatus (wahlweise mit acht Sendertasten), den Vorstufensuper Dominus mit zehn Sendertasten und seinen beachtlichen technischen Besonderheiten wie z.B. die Umschaltung zum Geradeausempfänger für den Breitband-Nahempfang – und wieder als Spitzenempfänger – den Transmare, der hier den Abschluss der Vorkriegsauswahl aus dem Körting-Radio-Programm bilden soll.

Der letzte und schönste dieser Baureihe war der 1939 gebaute Transmare 40. 1937 war das Modell noch durch­weg mit A-Röhren bestückt, 1938 folgte ein ähnlich gestaltetes mit der neuen Stahlröhrenserie, und dem Magischen Auge. Hier abgebildet ist der „Dritte im Bunde“, der durch technische Verfeinerungen und ein schöneres Gehäuse aufgewertet wurde. Anstelle der EFM 11 findet man im 40er-Modell die EF 11 + EM 11 und in der Gegentakt-Endstufe tun, wie bei den beiden vorausgegangenen Modellen, die damals wie heute (wieder) geschätzten AD 1 ihren Dienst. Ob es wirklich der „Beste“ war ? Es gab 1939 auch noch die doppelt so teure Musiktruhe von Blaupunkt und das Siemens-Kammermusikgerät KMG IV.. Das aber waren Musikschränke.

 

koerting radiowerke erwarben mit ihren spitzen erzeugnissen weltruf

 

Den krönenden Abschluss einer Körting-Vorkriegs-Radiosammlung bilden die hochwertigen Empfänger aus dem Baujahr 1939. Und jeder „Körting-Liebhaber“ träumt vom letzten Transmare.

 

Körting konnte herausragende Leistungen vorweisen, sowohl hinsichtlich des Aufbaus der Betriebsstrukturen wie auch der Entwicklungstechnik. Die Körting-Radiowerke erwarben mit ihren Spitzenerzeugnissen Weltruf, obwohl die Radioproduktion erst 1932 begann, und die Konkurrenz mit neun Jahren Vorsprung eigentlich die vorderen Plätze hätte einnehmen müssen. 1925 hatte die Produktion mit 26 Mann begonnen; im Verlauf von 14 Jahren war die Zahl der Beschäftigten auf ca. 3.000 angestiegen. Indes – die Führungsebene betreffend war eine Krise im Anzug – Ende der Dreißiger wollten sich die beiden Körting-Partner nicht mehr vertragen. Nachdem er zuvor schon den 20 % -Anteil von der alten Firma Körting & Mathiesen erworben hatte, übernahm Ritter Anfang der Vierziger auch noch den 40 % -Anteil von Dr. Dietz, der damit aus der Firma ausschied.

Mitte der Dreißiger war im Körting-Werk auch eine Abteilung „Behörden-Fertigung“ aufgebaut worden, wobei es sich bevorzugt um Geräte für die Luftwaffe handelte. Indes – die Firma bekam 1939 Ärger mit dem RLM bezüglich der Abrechnung dieser militärischen Aufträge. Das führte zur vorübergehenden Inhaftierung Ritters und Beschlagnahme der Firma – Göring hatte die Hand im Spiel. Die Behördenfertigung wurde, einschließlich der darin tätigen Mitarbeiter ausgegliedert – sie ging in der „Leipziger Funkgerätebau GmbH“ auf. Nach Klärung der Anschuldigungen und dem Ausscheiden von Dr. W. Dietz erfolgte 1940 die Neugründung der „Körting ­Radiowerke Oswald Ritter“. Der Alleininhaber Oswald Ritter fertigte in dieser Firma keine militärische Geräte und konnte somit der Demontage nach Kriegsende entgehen.

 

Die Geschichte des Unternehmens ab 1945 wird im Kapitel 9 – Chroniken westdeutscher Nachkriegs-Radiofirmen – unter „Körting“ fortgesetzt und im Kapitel 11 – Chroniken ostdeutscher Nachkriegs-Radiofirmen – unter „Funkwerk Leipzig“