3.50 Lindström, Berlin

 

carl lindstroem berlin

 

Der Schwede Carl Lindström übersiedelte 1892 nach Berlin und begann dort mit der Herstellung von Phonographen, welche ab 1896 den Markennamen "Lyra" erhielten. Nachdem die notleidende Firma 1904 von Straus erworben wurde, nannte man die Grammophone dieser neuen Lindström-Gesellschaft "Parlophon". 1911 erfolgte die Fusion mit "Odeon".

 

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Inserat aus: „Der Deutsche Rundfunk“, Februar 1925

 

Mit dem Beginn des deutschen Rundfunks wollte auch die Lindström AG ins Radiogeschäft einsteigen, erwarb im Januar 1924 die Telefunken-Bauerlaubnis und stellte ihre Erzeugnisse schon auf der ersten Berliner Funkmesse aus. Als erste Geräte waren zur Herstellung zugelassen: der Audion-Primärempfänger G 1, dazu der Zweirohr-Verstärker GV und der Audion-Primärempfänger mit Einrohr-Verstärker G 2. Es folgten die Flachpultförmig gebauten Lindström-Empfänger mit drei, vier und fünf Röhren; auch Einzelteile wurden offeriert und Trichterlautsprecher unter dem schon bekannten Markennamen „Odeon“.

Kurz war die Blütezeit dieses Fabrikats. Zwar stand die Carl Lindström AG im Radio-Firmen-Adressbuch 1927/28 noch immer als "Fabrik für Empfangsgeräte und Lautsprecher" (letztmals als VDFI-Mitglied), da gab es aber längst keine Lindström-Empfänger mehr, und mit der im selben Jahr erfolgten Firmenübernahme durch "Columbia" war das Thema Radiofabrikation erst mal abgehakt.

 

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Inserat aus: „Radio“, September 1925

 

Als sich jedoch 1928/29 die elektrische Schallplattenwiedergabe steigender Beliebtheit erfreute, sollten auch die Lindström-Grammophonschränke mit Verstärkern bzw. Kombinationen mit Rundfunkempfängern ausgestattet werden. Man setzte sich in Verbindung mit der in Freiburg ansässigen Firma Frey-Radio (siehe Frey-Firmengeschichte) und gründete 1929 unter Beteiligung von Martin Frey eine Produktionsgesellschaft, die in Berlin aktiv werden sollte.

 

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Lindström-Empfänger zählen zu den besonderen Raritäten und es grenzt schon an ein Wunder, dass sich zwei dieser seltenen Geräte bei einem Sammler eingefunden haben. Beim Vierröhrenapparat handelt es sich um einen Einkreiser (ausgeliefert Ende 1925 nach Freigabe der Wellenbereiche), beim Fünfröhrenapparat um einen Zweikreiser.

 

Ausführlich wurden diese Geräte in der Zeitschrift „Radio“ vom 10. Oktober 1925 besprochen. Dort steht auch, dass „die Fünf Röhrenapparate zusammen mit Batterien und Lautsprecher, zum Teil auch in Kombination mit einer Sprechmaschine in geschmackvoller Tonform eingebaut sind“ [das sollte wohl „Truhenform“ heißen]. Von der Frey-Radio-GmbH sollte die Lindström AG jetzt ihre Lautsprecher und Verstärkerkombinationen erhalten. „Pantophon“ bzw. „Pantophone“ wurden sie genannt – eine Abwandlung des Lindström-Markennamens "Parlophon". Überwiegend jedoch beschränkte sich das Frey-Fertigungsprogramm auf Lautsprecher, während die kleineren und wahrscheinlich auch die größeren Empfänger- bzw. Verstärkerkombinationen nach neueren Erkenntnissen durchweg von Loewe gebaut bzw. bezogen wurden.

1931 übernahm „EMI“ die Columbia – sie ließ die alten Markennamen Lindström und Parlophon fallen. Die letzten "Pantophon"-Modelle offerierte Frey 1932. Das waren die von Seibt gebauten Typen 333/334; dann war's auch mit dieser Marke zu Ende.

 

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Inserat aus: „Technische Rundschau“ des Berliner Tageblatts, Dezember 1929