3.70 Radio-Bau-Gesellschaft, Berlin

 

1925 vermerkte „Der Radio-Händler“ auf Seite 238 unter „Handelsgerichtliche Eintragungen“: „Radio-Baugesellschaft mbH. Herstellung und Vertrieb von Radioapparaten und Zubehör. Stammkapital: 5000 Reichsmark. Geschäftsführer sind die Herren Kaufmann Salo Sprai, Berlin, und Bankprokurist Wilhelm Schulze, Berlin.“

Mehr war über diese kurzlebige Firma nicht zu erfahren, aber es sind immerhin noch fünf ihrer Empfangsgeräte in Sammlerhand. Diese, wahrscheinlich nur in Kleinserien gefertigten Geräte dürfen sicher als Kuriosum bezeichnet werden. Wer würde vermuten, dass sich hinter der so pompös gestalteten Fassade ein schlichter Primär-Detektorempfänger verbirgt?

Tatsächlich – hinter dem linken Drehknopf sitzt der Abstimmkondensator, hinter dem rechten ein verstellbarer Detektor-Kontakt. "Doppelt gemoppelt" – denkt man beim Anblick der Drehknopf-Skalen. Was sich die Hersteller dabei wohl gedacht haben ?

Wann das Erzeugnis auf dem Markt war, ist unschwer zu erraten. Nur im ersten und zweiten Rundfunkjahr existierte das Heer der rund 500 Kleinfirmen, die großenteils illegal und ohne Telefunken-Bauerlaubnis produzierten. Die Radio-Bau-Gesellschaft, auf deren Firmenschild die Adresse: Berlin, Unter den Linden 56 vermerkt ist, war möglicherweise eine von ihnen. Indes – schützen lassen wollten sich die Herren „Fabrikanten“ ihr außergewöhnliches Modell doch. Unter „Gebrauchsmuster-Eintragungen“ vermerkte „Der Radio-Händler“ 1925 auf Seite 347: „Radio-Bau-Gesellschaft mbH, Berlin. Rundfunk-Empfangsgerät mit Detektor. 16. 6. 25“.

 

radio bau gesellschaft berlin 

 

"Mehr scheinen als sein" – so das Motto der Hersteller, um den schlichten Radio-Bau-Detektorapparat unters Volk zu bringen. Die komfortable Fassade – eine Uhr, zwei Drehknöpfe mit doppelten Skalen – manches Röhrengerät konnte mit dieser Aufmachung nicht konkurrieren. Die Käufer jedoch ließen sich nicht hinters Licht führen; dass dieses ungewöhnliche Empfangsgerät mit den Maßen 31 x 25 x 12 cm zur Rarität geworden ist, beweist, dass es 1925 kaum abzusetzen war.