3.73 Radiofunken, Berlin

 

1923 wurde in Berlin die „Radiofunken GmbH“ gegründet; eine zweite Radio-Funken, die „RFC“, gründeten die Herren Brandt und Baetz in Cassel. Und dann gab es noch die „Deutsche Radio-Funken GmbH“ in Berlin SW 48. Leider wissen wir noch zu wenig – über diese „Funken-Firmen“. Im Dezember 1923 erhielt die Radiofunken-Gesellschaft die RTV-Zulassung. Als Erstzulassungen wurden registriert:

Primär-Detektorapparat Type A, Einröhren-Primärempfänger Type B, Einröhren-Sekundärempfänger Type C 2, Dreiröhren-Primärempfänger Type E, Vierröhren-Primärempfänger Type F, Vierröhren-Sekundärempfänger Type F 3 m und Zweiröhren-NF-Verstärker Type B

 

Radiofunken gmbh berlin

 

Inserate aus: „Der Deutsche Rundfunk“ 1924

 

Aus einem Bericht, welchen die Fachzeitschrift „Radio“ 1924 auf Seite 314 veröffentlichte, geht hervor, dass der „Radio-Funken GmbH.“ in Berlin-Friedenau, Bismarckstraße 9 noch die „Radio-Funken-Vertriebs-GmbH.“ in Berlin W 15, Kurfürstendamm 62, angeschlossen war. Diesem Bericht ist auch zu entnehmen, dass die Firma verschiedene Sekundärempfänger ausstellte und: „Beachtenswert war der Sechsröhrenapparat, dessen einzelne Röhren sämtlich abschaltbar sind, so daß mit zwei, drei, vier, fünf oder sechs Röhren gearbeitet werden kann“.

 

radiofunken empfaenger auf einem werbewagen

 

Aus einer Bildserie in: „Der Deutsche Rundfunk“, Heft 10 vom 9.3.24. Die Vertriebsfirma „Radio-Warte“, Leipzig zog die Radiofunken-Empfänger auf einem Werbewagen durch die Lande.

 

radiofunken gmbh empfaenger leipziger fruehjahrsmesse 1924

 

In Leipzig wollte die Radiofunken GmbH allerorts auffallen und setzte einen ihrer Empfänger in einen Adler-Tourenwagen. (aus einem Bildbericht von der Leipziger Frühjahrsmesse 1924)

 

Eine Notiz in „Der Radio-Händler“ 1924 stimmt bedenklich. Dort nämlich steht unter „Geschäfts- und Personal-Mitteilungen auf Seite 61: „Radiofunken-Vertrieb-GmbH. Die Herren Alexander Bornstein und Erich Cohn sind nicht mehr Geschäftsführer. Herr Wilhelm Witthuhn, Berlin-Lichterfelde ist zum weiteren Geschäftsführer bestellt“. Wurde der Fertigungsbetrieb schon aufgegeben und nur die Vertriebsfirma beibehalten? Und wie lange existierte sie noch? Stand sie etwa auch in Verbindung mit der „Radiofunken GmbH, Köln, Breitestraße 92/98“, welche lt. „Der Radio-Händler“ (1926, Seite 19) die Telefunken-Vertretung innehatte?

 

raag schraegpultgeraet kultur rundfunk berlin

 

RAAG Radio Apparate AG

 

RAAG, die „Radio-Apparate-AG“ war nur eine Vertriebsgesellschaft mit Sitz in Hamburg. Im Januar 1924 zum Zwecke des Handels mit drahtlosen Funkeinrichtungen aller Art gegründet (sie hatte kurzzeitig die Generalvertretungen von Lorenz und DeTeWe), vertrieb sie im ersten Jahr in Zusammenarbeit mit der „Kultur Rundfunk AG, Berlin“ auch Geräte der Marke „Radiofunken“. Im Januar 1925 jedoch beschloss die Radio-Apparate AG in ihrer Generalversammlung, künftig mit Vox-Erzeugnissen zu handeln. Das lässt darauf schließen, dass die Radiofunken GmbH schon Ende 1924 nicht mehr konkurrenzfähig war.

 

Deutsche Radio Funken GmbH

 

deutsche radio funken gmbh berlin sw 48

 

Inserat aus: Kappelmayer, „Radio im Heim“, 1924

 

Über die „Deutsche Radio-Funken GmbH“, Berlin SW 48 ist leider noch weniger bekannt, als über die „Radio-Funken GmbH. Von der „DRF“ wurde auch noch kein Gerät gefunden, obwohl es mehrere Typen gegeben hat. Die Firma erhielt die RTV-Zulassung auch im Dezember 1923 und präsentierte als erste Geräte: den Einröhren-Sekundärempfänger Type E 1 und den Zweiröhren-NF-Verstärker Type V 2. Was schließlich gefertigt wurde, liegt noch im Dunkeln (es soll auch Zwei- und Drei-Röhren Radios gegeben haben); nur über das Vierröhrengerät EV 3 erschienen Inserate im März 1924. Ein weiteres Geheimnis bleibt (vorläufig) die einst in Cassel ansässige Firma „Brandt & Baetz“. Im März 1924 erhielt die „Radio-Funken KG“ ihre RTV-Zulassung; was sie an Geräten und Einzelteilen fertigte, liegt noch im Dunkeln.

 

firma brandt baetz

 

firma brandt baetz cassel1

 

Inserate aus: „Der Deutsche Rundfunk“, 15, April 1924, Juni 1924