3.88 Schaleco, Berlin

schaleco berlin burosch radiotechnik 

 

Die 1923 in Berlin gegründete Firma Schackow, Leder & Co. fertigte anfangs Radio-Einzelteile und stellte auch Bausätze zusammen, 1927 zum Beispiel den „Schaleco-Vierkreiser". Auf dem deutschen Markt war's der größte Geradeaus-Empfänger (siehe Kap. 18, Abschnitt 7).

 

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Inserat aus: „Der Deutsche Rundfunk", Oktober 1924

 

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Inserat aus: „Radio", Februar 1928

 

Den Bausatzgeräten folgten 1932 betriebsbereite Radios, aber nicht die kleinsten. Neben dem Dreikreis-Band- filter-Universal BU 4 zählte der exklusive Achtröhren- Bandfilter-Superhet BS 9 W mit Gegentakt-Endstufe zu den leistungsfähigsten dieses Jahrgangs.

1933/34 soll der Schalecohet- Allfünk 7 „der größte deutsche Superhet" gewesen sein.

 

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„Ich, der Schalecohet-Allfunk 7 bin der größte Deutsche Superhet" — so steht's im Inserat der Zeitschrift „Funk", Dezember 1933

 

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Inserat aus: „Der Radio-Händler", September 1932

 

Nachdem 1932 und 33 aus dem Hause Schaleco nur hochwertige Empfänger, meist Vorstufen-Superhets kamen, war's eine Überraschung, als 1934 Schaleco-Heimgeräte mit relativ einfachem technischem Aufwand angeboten wurden. Der Marschall war ein Superhet, die Type 04 ein Zweikreiser. Auch das 1935er Modell Traumland bekam zwei Kreise. Das war aber nur der Anfang des Abstiegs in die Normalität, unter den 1939er-Modellen war überhaupt kein „Schaleco-typisches" mehr zu finden.

 

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Manche Radios stehen nur ihrer Gehäusegestaltung wegen in der Gunst des Sammlers, so auch dieser Schaleco-Dreiröhren-Zweikreiser Traumland GW von 1935. Die Röhrenbestückung (CF 7, CB 1, CF 7, CL 2 und CY 1) ist normal, der gute Ton soll's gewesen sein: „überdimensionierte Wiedergabegüte mit Hocheffekt-Lautsprecher" versprach die Werbeschrift.

 

1935/36 glänzte Schaleco noch einmal mit dem Neun-Röhren-Übersee-Superhet Escorial. Auch für den Kurzwellenfreund gab's etwas neues: den Einkreisempfänger Schalecotrop.

Zum Schwerpunkt der Fertigung wurden dann in den Folgejahren Gemeinschaftsempfänger, unter denen der 1936er Olympia-Koffer eine Schaleco -Entwicklung war.

 

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Fünf Spulentöpfe stecken in diesem Schalecotrop 3 B aus dem Jahr 1936, aber nur einer ist jeweils in Funktion. Das 24 x 20 x 18 cm große Aluminium-Leichtmetallgehäuse enthält einen Dreiröhren-Einkreiser für Batteriebetrieb (KC 1, KC 1, KL 1).

Mit den Wechselspulensätzen empfängt man die fünf Kurzwellenbereiche: I. = 13 bis 20 m, II. = 19 bis 29 m, III. = 28 bis 43 m, IV. = 42 bis 65 m, V. = 64 bis 95 m.
(Sammlung Prof. Künzel)

 

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Zum Olympia-Jahr 1936 konstruierte Hans Stanienda diesen prämierten Deutschen Olympia-Koffer (DOK). Er zählt zu den Gemeinschaftserzeugnissen, wurde aber (vielleicht wegen der geringen Stückzahl von nur etwa 3.000 Geräten) wohl ausschließlich bei Schaleco gefertigt.

Dieser Zweikreis-Geradeausempfänger für Mittel- und Langwellenempfang ist mit den Röhren KF 4, KC 1, KC 1 und KL 1 bestückt. Was man nicht vermutet: hinter der dürftigen Klappe sitzt ein dynamischer Lautsprecher. Nicht nur die Empfangsleistung, auch die Wiedergabe ist erstaunlich gut.

 

schaleco berlin burosch radiotechnik 09

 

Inserat aus: „Der Radio-Händler“, Heft 15, Juli 1937

 

1936 erschien das Traumland- Modell auch als Super 265 W — 1937 stand er letztmals im Katalog; übrigens als einziges Schaleco-Gerät. Jetzt wurden die Produktionseinrichtungen zur Fertigung verschiedener Gemeinschafts- Erzeugnisse ausgebaut und auch die Entwicklungsabteilung wurde auf diesem Gebiet aktiv. Der 1938 erschienene neue VE Dyn. zählt zu den Schöpfungen des Hauses Schaleco — der damals unter dem Schaleco-Chef Johann A. Stanienda und dessen Sohn Hans tätige und auch als Fachschriftsteller bekannt gewordene Otto Limann war in die Konstruktion dieser Gemeinschaftsgeräte eingebunden. Offensichtlich blieb nicht viel Zeit zur Entwicklung spezieller Schaleco-Radios — im WDRG- Katalog von 1938 steht nur das Zweikreisgerät Festspiel. Mit den Modellen Wunschkonzert (auch ein Zweikreiser) und Stahlsuper endete 1939/40 die Schaleco-Radioproduktion.

Johann A. Stanienda wurde im Krieg angewiesen, u.a. Bordnetzgeräte für die JU 88 zu fertigen. Auch der schon 1935 so geschätzte Übersee-Superhet Escorial wurde — jetzt mit den Stahlröhren bestückt — für die Wehrmacht als „Fu.H.E.tl" neu aufgelegt. Weil aber die Machthaber des dritten Reiches der Ansicht waren, der Chef und seine Mannen würden sich für diese Rüstungsproduktion nicht genügend engagieren, wurde die Firma unter neuer Leitung zum „Wehrwirtschaftsbetrieb" erklärt — die Inhaber erhielten Hausverbot.

 

Nach dem Krieg entstanden (in Ostberlin) nur wenige „Notzeitradios", von denen keines mehr gefunden werden konnte. Der Familienbetrieb produzierte dann Einzelteile und Elkos. Daher ist Schaleco nicht mehr unter den Nachkriegs-Radiofirmen vertreten sondern im Anhang B I, „Radiofirmen und Radiomarken von 1945 bis 1990".