3.91 Schuchhardt, Berlin

schuchhardt berlin burosch radiotechnik 

 

Schon seit 1886 existierte das Berliner Femsprech- und Telegraphenwerk — 1921 erfolgte noch einmal die Neugründung der „Ferdinand Schuchhardt AG". Sie zählte nicht zu den größten Telefonanlagen-Herstellern, doch aber zu den anerkannten Reichspost-Lieferanten. Eine Schuchhardt- Spezialität war das „Telegraphon", ein mechanisches Schallaufzeichnungsgerät.

 

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Ende 1923 befasste sich das Unternehmen auch mit dem Radio, erhielt im November 1923 die RTV-Zulassung und gewann Prof. Leithäuser, der die Konstruktions- Richtlinien vorgab.

Die Erst-Zulassungen: Einröhren-Primärempfänger Typen S 1 und S 2, Einröhren-Sekundärempfänger Type S 3 und ein Zweiröhren-NF-Verstärker Type 2 NV.

 

Dr. Nesper schrieb in seiner Fachzeitschrift „Der Radio-Amateur" im Rahmen eines Berichtes über „Die Radiotechnik auf der Leipziger Herbstmesse 1923": „Die Firma zeigte den Zusammenbau eines Empfangsapparates mit Rahmenantenne und ein lautsprechendes Telephon, „ Hallophon" genannt. Im Betriebe habe ich die Apparatur nicht gehört".

 

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Vorführraum der Allradio-Telegraphon- GmbH auf der Leipziger Messe.

 

Verkauft wurden die Schuchhardt-Empfänger und Lautsprecher über die Tochterfirma „Allradio-Vertriebsgesellschaft" mit 13 Niederlassungen.

 

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Ab 1924 gehörten die Schuchhardt-Repräsentanten, die sich auf dem Rundfunksektor schon bald einen Namen gemacht hatten, den Gremien des ,NDRI" an.

 

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Die „Allrator-Detektorapparate und Verstärker waren recht primitiv, und auch bei den Röhrengeräten handelte es sich um schlichte Gerätchen in Telefongehäusen.

 

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Das Gerät im Bild links war ein Allradio-Audion S1 mit RTV-Stempel vom 20.12.23. In der ursprünglichen Form hatte es außer der Sender-Abstimmung nur einen Heizregler, das hier abgebildete hat (seitlich rechts) noch einen Regelknopf für die Rückkopplung und vorn einen Ein-Ausschalter. Diese Teile wurden später eingebaut, um das Gerät zum S 2 aufzurüsten (Rundfunkmuseum Schloss Brunn).


Rechts im Bild steht das Originalgerät S 2 mit dem Zweiröhren-NF-Verstärker 2 NV, der 1925 wohl K.V. genannt wurde (Sammlung Deutsches Rundfunkmuseum, Berlin, 25 SU 00 HN).

 

Die anfänglich teils in Telefongehäuse eingebauten Empfänger und Verstärker hießen Allrator bzw. Globus (siehe Anhang A I, R-Z, Seite 25), größere Modelle von 1925/26 im Mahagoni- Steilpultgehäuse Supersensitiv. Offensichtlich wurden nicht viele davon verkauft — es ist kaum mehr eines dieser Geräte aufzufinden und deshalb musste ersatzweise das mangelhafte Bild aus einem Prospekt herhalten. Mit Erstaunen liest der Historiker, dass Schuchhardt den Umsatz bis 1928 auf etwa 1 Million Reichsmark steigern konnte und möchte annehmen, dass der Anteil an Radiogeräten nicht allzu groß war.

 

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Abbildung des „Supersensitiv 3 R" von 1925 (siehe auch Bild „3 RS" im Anhang A I, R-Z, S.25)

 

1927/28 waren die Preise für die einfachen Empfänger mit aufgesteckten Röhren und Spulen auf einem Tiefpunkt angelangt. Die Schuchhardt AG offerierte als „Billig-Geräte" ihre Modelle 1 Z und 2 Z. Auf dem Einkreiser / Z steckte eine Doppeltriode, auf dem 2 Z deren zwei. Das war also ein Vierröhren-Zweikreiser, dessen Preis von 59.- Mark zunächst recht günstig erschien. Indes — mit den Röhren, Spulen, Batterien und einem Lautsprecher summierte sich das ganze am Ende auf 160.- Mark.

 

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Schuchhardt 2 Z— ein Zweikreisempfänger mit vier Röhrensystemen, Baujahr 1928. Die Valvo- Zweifachröhre HZ 420 ist für die HF- und Audionstufe bestimmt, die NZ 420 mit ihren zwei Systemen für die NF-Verstärkung. Normale Niederfrequenztransformatoren hätten in dem nur 4 cm hohen Holzkästchen keinen Platz gefunden, drin sind die kleinen, ca. 3 cm hohen Übertrager, wie sie in Telefonapparaten eingebaut wurden. (Sammlung G. Neef)

 

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Zu den Sammlerschätzen zählt ein Modell-Atlas, in dem dieser Schuchhardt- Supersensitiv 4 R mit allen inneren Funktionsteilen zu sehen ist.

 

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1928 erschien auch der Größte dieses Fabrikats: der Schuchhardt 5 T. Dieses Fünfröhren-Gerät mit 2 x Hoch- und 2 x Niederfrequenz-Verstärkung bringt „garantiert alle europäischen Großsender im Lautsprecher" — steht im Katalog. In der 1929er Ausgabe jedoch war die Marke nicht mehr zu finden. Die „SEL" hatte die Majorität des Unternehmens erworben, war nur am Telefongeschäft interessiert und ließ die Radiofertigung innerhalb der folgenden Jahre auslaufen. 1924 konnte man noch glauben, die von Schuchhardt gebauten „Allradio"-Modelle und ihre Nachfolger würden den Markt erobern. Es kam anders — die Rundfunkabteilung dieses Berliner Telephonwerks sollte keine Bedeutung erlangen. Zwar behielt Schuchhardt die „Telefunken- Bauerlaubnis" bis 1932; in diesem Zeitraum wurden aber nur noch Restbestände abgesetzt.

 

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Der links abgebildete Einkreis-Empfänger 3 T war einer der letzten im Katalog 1928 offerierten Schuchhardt- Apparate. Hallophon 7 heißt der Konus-Lautsprecher mit 34 cm Durchmesser. Dieses Schuchhardt-Fabrikat lässt Gestaltungsmerkmale der Hegra- und Grawor-Modelle erkennen.

 

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Im Innern der schlichten Dreiröhren-Truhe findet der Sammler etwas Besonderes: den vierstufigen Spulenrevolver für die Wellenbereiche 200 bis 2.000 m.