1.10 Netzanschluss- Radios setzen sich durch

1928/29 verringerte sich die Gerätevielfalt, nicht zuletzt durch den Wegfall zweit-­ und drittklassiger Hersteller. Sicher trugen dazu auch zwei überregionale Kataloge bei, die nun auf den Ladentischen der Rundfunkhändler des ganzen Reichsgebietes lagen: der Illustrierte Radiokatalog und der Radio­ Katalog des R.D.F., des Reichsverbandes Deutscher Funkhändler e.V.

Darin enthalten waren auch noch die „Altmodischen“, Radios mit außen aufgesteckten Röhren, und natürlich Detektorapparate, welche bis in die Vor.-­ und Nachkriegszeit ihr bescheidenes Dasein fristeten.

Nachdem schon 1927 einige Empfänger mit Netzanschluss auf den Markt gekommen wa-ren, wurden langsam die Batteriegeräte zu Auslauf Modellen – dem „Netzbetriebenen“ gehörte die Zukunft. 1928 gab es zwar noch Billig Radios und auch größere Mehrkreisgeräte für Batteriebetrieb, der Siegeszug des Netzanschlusses war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Alle namhaften Firmen taten dies in ihrer Werbung kund.

 

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Das war 1927 schon ein Kuriosum – dieser Lumophon Sekundär Empfänger NEG für Netzbetrieb. Der hatte noch einen Detektor !

 

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Inserat aus: „Bastelbriefe der Drahtlosen vom Dez. 1928

 

Zum Betrieb der Wechselstromgeräte waren auch neue Röhren erforderlich. Nicht alle Neuentwicklungen be-währten sich – die Kurzfaden-Röhren REN 501, 511 und 601 hatten nicht nur kurze Heizfäden sondern auch eine kurze Lebenszeit. Und die Typen REN 2204, RENZ 2104 und RGN 1500 waren auch nicht lange auf dem Markt – die zählen heute zu den Sammler Raritäten. In großen Mengen kamen die Trioden REN 1004 bzw. 1104 in die Geräte, und die Tetrode RENS 1204.

Mit eingebauten Lautsprechern wurden vornehmlich die Einkreisempfänger ausgestattet. 1928 waren es z.B. Blaupunkt und Siemens (vgl. NR II in 3.11 und Protos in 3.88), die solche Geräte in größeren Serien verkaufen konnten. Unter den größeren Empfängern, z.B. den Dreikreisern, fand man in diesem Modelljahr noch keine Kombinationsgeräte.

 

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Inserat aus: Der Deutsche Rundfunk, Oktober 1928

 

Ahemo wollte mit diesem Bild zum Ausdruck bringen, wie kinderleicht der Netzanschlussempfänger zu bedienen ist. Mit dem Preis von 398 Mark – ohne Röhren und Lautsprecher – wurde das Gerät aber kein Markterfolg.

 

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 Nora ergänzte 1929 das Gehäuse des K3 Wd durch einen halbkreisförmigen Lautsprecher Aufsatz.

 

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 Neufeldt & Kuhnke offerierten 1928 den kleinen Zweiröhren Ortsempfänger noch mit getrenntem Lautsprecher.

 

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Inserat aus: „Der Deutsche Rundfunk“ vom Dezember 1928

 

SABA und Telefunken statteten 1928 ihre hochwertigen Dreikreiser mit Netzteilen aus, aber nicht mit Lautsprechern. Den T90 gab’s (ohne Lautsprecher) für 675 Mark. Mit eingebautem Lautsprecher erschien erst 1930 der Einkreiser T33L und 1932 schließlich der berühmte „Katzenkopf“ 340WL.

 

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 Die AEG hatte 1928/29 drei pultförmige Modelle im Programm, – nur das schlichte Zweiröhrengerät mit eingebautem Lautsprecher.

 

Und der Superhet? Sein Stern war ständig im Sinken begriffen. Tefag hatte wohl von den „Super-Erfahrungen“ aus dem letzten Modelljahr genug und versuchte es 1928 mit der exklusiven Musiktruhe Tefafon, welche sich im krassen Gegensatz zum vorjährigen Supertefag mit einem einzigen Empfangskreis begnügen musste, andererseits aber mit ihren sechs Röhren (4 x RE134) optimale Wiedergabequalität versprach. Mit Schallplattenspieler, Netzanschluß und Ultra ­Doppel­ Konus Lautsprecher im Deckel kostete das Gerät 1.750.- Reichsmark.

Lag Tefag wieder an der Spitze mit diesem Musikschrank? Oh nein, nicht einmal den Preis betreffend. 1928 gab es noch Geräte, die bis in die Preisklasse 2.500 RM hochkamen (danach ging’s wieder abwärts mit den Notierungen). Und seitens der Technik war es ein ganz anderes Fabrikat, das wagemutig Neuland betrat: Kramolin.

 

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Vorbei waren die Zeiten von 1924 bis 26, als Tefag noch mit derartigen Superheterodyne Empfängern auftrumpfen konnte. Der Kramolin Druckkonopf-Automat, den der Sammler vergeblich sucht.

Der Zeit voraus, brachte Leo Ladislaus von Kramolin (die Kramolin & Co. GmbH) einen mit zwanzig Stationstasten ausgestatteten Druckknopf­ Automat auf den Markt. Leider bleiben diese, in kleinen Stückzahlen aufgelegten Exklusivmodelle Sammlerträume. Es gibt sie nicht mehr!

 

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Inserat aus dem RDF-Radio-Katalog 1928

 

„… mit dem neuen Kramolin-Selbstwähler-System, das interessanteste Gerät der Welt“ – sagt Kramolin in der Gerätebeschreibung. Und doch war‘s nicht ganz aktuell – ohne Netzanschluss. Der Preis war auch nicht zu verachten: 480.- Mark ohne die fünf Röhren.