2.8 Auch bei den Spulen tut sich was - die Resonanzkreis-Kurven werden steiler

Die ersten Rundfunk-Empfangsgeräte, vornehmlich Detektorapparate, wurden teils mit Schiebespulen oder Variometern ausgestattet, dann setzte sich der aus Spule und Drehkondensator zusammengesetzte Resonanzkreis durch. Einkreisgeräte erforderten zunächst keinerlei Abgleichmaßnahmen, als aber später auch Skalen mit Sendernamen in die Radios kamen, wurden gelegentlich Kapazitäts-Korrekturen nötig.

 

radiotechnik Dreiröhren Empfänger

 

Nicht viel anders war es anfangs bei den Geräten mit mehreren Schwingkreisen, welche schon im ersten Rundfunkjahr angeboten wurden. Die frühen Zweikreiser (Sekundärempfänger) oder Dreikreiser (Tertiärempfänger) hatten stets mit Skalen versehene Drehknöpfe für jeden einzelnen Abstimmkreis (sogar dem Käufer des 1929 erschienenen Blaupunkt-Zweikreisers NS IV wurde noch die getrennte Einstellung der beiden Kreise zugemutet).
Nachdem aber gegen Ende der Zwanziger die Drehkondensatoren von zwei oder mehreren Kreisen zumeist auf eine gemeinsame Achse gesetzt wurden, bewerkstelligte man ihren Gleichlauf durch Korrekturhebel. Beim Telefunken-Dreikreiser T9 beispielsweise wurde die Nachstimmung der beiden Vorkreise durch Schwenken der Stator-Pakete an den betreffenden Drehkos realisiert.

Anfang der Dreißiger mochte man solche Korrekturhebel nicht mehr und die Techniker bemühten sich, den Gleichlauf auch ohne Nachregelung von Hand in den Griff zu bekommen. Die billigen Drehkos mit Phenolharz-Dielektrikum wurden durch präzise Luft-Drehkondensatoren ersetzt, deren äußere Rotorplatten (nach einem Patent von Leo Ladislaus von Kramolin) geschlitzt waren. Durch Wegbiegen des einen oder anderen Plattensektors konnte der Kapazitätsverlauf korrigiert werden.

Problematischer war der Gleichlauf beim Superhet. Die Frequenz der Eingangs - und Oszillatorkreise sollten exakt um die Zwischenfrequenz differieren, was (durch die Serienschaltung eines der Drehko-Pakete mit einer Festkapazität) nur annähernd möglich war. In diesem Fall war die kapazitive Korrektur allein unbefriedigend und man überlegte sich Maßnahmen zur Veränderung der Induktivitätswerte.
Geider & Gätjen (siehe Kapitel 3.29) verwendete 1924/25 (wie der damals dort tätige Herbert Wulfhoop berichtete) ,,eiserne Schloßschrauben", die aber hohe Verluste verursachten. Besser bewährten sich Kupferscheiben, die den Spulen mittels Gewindestangen mehr oder weniger angenähert wurden. Sie bewirkten das Gegenteil von Eisen, nämlich eine Verringerung des Induktivitätswertes, waren aber auch nicht verlustlos. Erst die Eisenpulver-Verbindungen, welche Hans Vogt 1932 als ,,Ferrocart"-Erzeugnisse produktionsreif zu machen verstand, sollten den Fortschritt bringen. „ Setzt Ferrocart sich durch"?  fragte die „Funkschau" im Oktober 1933 und gab auch gleich die Antwort: ,,Ja, Ferrocart setzt sich durch, bei Industrie, Behörden und Bastlern, im In - und Auslande". 

Ausführliche Beschreibungen würdigten das Erzeugnis und seinen Erfinder. Als dann diese „neuen HF-Eisen" ins Radio kamen, war nicht nur das Problem der Induktivitäts-Regelung gelöst, auch die Resonanzkreise wurden steiler.

Erst die 1933 perfektionierten HF-Eisenkerne fanden (meist mit Gewinden ausgestattet) auch den Weg in ZF-Spulen, welche man nun induktiv abstimmen konnte. Und weil jetzt solche mit HF-Litze gewickelten „Ferrocart" - oder „Sirufer"-Spulen (von Siemens) so steile Resonanzkurven bewirkten, wurden die Frequenzen der beiden Kreise des Bandfilters etwas versetzt, oder man versah die ZF-Koppelspulen mit einer mechanischen Bandbreitenregelung, welche auch eine Tonblendenregelung bewirkte - teilweise auch noch mit einer solchen kombiniert wurde.

 

radiotechnik Radix-Zylinderspule HF-Litze HF-Eisenkern

Größenvergleich zwischen einer Radix-Zylinderspule aus dem Jahr 1928 und der kleinen, mit HF-Litze auf einem H-förmigen HF-Eisenkern gewickelten Spule (vorn) mit wesentlich höherer Güte.

 

radiotechnik FERROCART 

Inserat aus: Der Radio-Händler vom April 1933. Görler verwendete die von H. Vogt entwickelten Ferrocart-Eisenkerne

 

In den Superhets gab es außer den Schwingkreisen im Eingang und Oszillator die Zwischenfrequenzkreise, deren Frequenzen um die Mitte der Zwanziger etwa bei den doppelten Werten der höchsten Tonfrequenzen lagen: bei f = 30-40 kHz. Das waren Kilometer-Wellen von 7.500-10.000 m. Abgestimmt wurde  meist mit einem 300-500 cm Glimmer Drehkondensator  nur der Sekundärkreis (in „Der Radio-Amateur" Heft 39/1925 war's der „Sbik"). Es handelte sich also noch nicht um ,,Bandfilter". Die Induktivität der mit ca. 500 Primär - und 1000 Sekundärwindungen gewickelten ZF-Übertrager erhöhte man durch Eisendrahtbündel oder dünne Streifen aus Siliciumstahl.

Auch die Anwendung von Eisenspänen war schon bekannt und sogar das Eisenpulver. Im Januar 1925 schrieb „Der Radio-Amateur" (auf S. 92): ,,Die Eisenspäne können durch ein Isoliermittel (Lack, Paraffin usw.) durchtränkt werden. Ein auf diese Art hergestellter Eisenkern funktioniert vorzüglich. Die Verwendung von Eisenpulver ist vorteilhafter". Anscheinend aber verhielten sich die Entwicklungstechniker vorerst ablehnend. Als nämlich höhere ZF-Frequenzen bevorzugt wurden der legendäre Staßfurt lmperialjun. arbeitete 1931 auf 124 kHz, der Kramolin-Super auf 450 kHz zog man kernlose Spulen vor, deren Abgleich in der Regel kapazitiv durch Trimmer erfolgte. Einheitlich war die Zwischenfrequenz auch bei den Bandfiltern aus den Dreißigern nicht. SABA zum Beispiel wählte bei ihrem 1932er Super 520 W für Mittelwellenempfang die ZF 175 kHz, für Langwellenempfang 52,5 kHz, und Telefunken 1933 beim Vierkreissuper Nauen = 232 und 500 kHz. In der zweiten Hälfte der Dreißiger pendelte sich die ZF (für alle Wellenbereiche) vorwiegend bei 450-500 kHz ein- bevorzugte Zwischenfrequenzen wurden 468 und 473 kHz.

Erst die 1933 perfektionierten HF-Eisenkerne fanden (meist mit Gewinden ausgestattet) auch den Weg in ZF-Spulen, welche man nun induktiv abstimmen konnte. Und weil jetzt solche mit HF-Litze gewickelten „Ferrocart" - oder „Sirufer"- Spulen (von Siemens) so steile Resonanzkurven bewirkten, wurden die Frequenzen der beiden Kreise des Bandfilters etwas versetzt, oder man versah die ZF-Koppelspulen mit einer mechanischen Bandbreitenregelung, welche auch eine Tonblendenregelung bewirkte - teilweise auch noch mit einer solchen kombiniert wurde. 

Bei der rechts skizzierten Einstellung „Breitband" genoss der Hörer bei geringer Trennschärfe den vollen Tonumfang - diese Einstellung empfahl sich besonders für den Ortsempfang. Stellte er dagegen auf ,,Schmalband", dann beschnitt er die hohen Tonfrequenzen, profitierte aber beim Fernempfang durch optimale Trennschärfe.

 

radiotechnik5

 

radiotechnik Bandbreitenregelung

Ein Beispiel der Bandbreitenregelung aus der: „Funkschau", Heft 42, vom Okt. 1935

 

radiotechnik Mende Eisenkernspulen 

Mende stattete 1935 das Modell 245 mit den neuen Eisenkernspulen aus