2.11 Repressalien und Judenverfolgung

Schon 1933, nach der ,,Machtübernahme" durch die „Braune Regierung", wurden Persönlichkeiten, die den neuen Herren nicht passten, in die Emigration gezwungen bzw. ausgewechselt oder inhaftiert. Der in Ulm geborene, damals schon berühmte Prof. Albert Einstein verließ Berlin und wählte Princeton (USA) zu seinem künftigen Aufenthaltsort.

Auch unser Heinrich Hertz hätte verschwinden müssen, wäre er noch am Leben gewesen. So blieb den übereifrigen, kleingeistigen und pietätlosen Nazis nur übrig - und das ist kaum zu glauben - aus dem 1928 gegründeten ,,Heinrich Hertz-Institut für Schwingungsforschung" den Namen des Mannes, welcher die Grundlagen der Funktechnik geschaffen hatte, auszulöschen. Dummheit und Hass dieser Leute schienen keine Grenzen zu kennen. Auch zahlreiche verdiente, im Rundfunksektor tätige Männer standen auf der Abschussliste (siehe Abschnitt 6 dieses Kapitels); und 1937/38 sollte schließlich den kleineren jüdischen Geschäfts- und Privatleuten das Leben in Hitlers Reich vollends zur Hölle gemacht werden. Sie wurden in übelster Weise schikaniert - auch die im Rundfunk-Gewerbe tätigen. 1937 stand in zwei Ausgaben der Zeitschrift „Der Radio-Händler" die nachfolgende Notiz:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesem Erlass gemäß durfte der jüdische Inhaber eines Radiogeschäftes nicht einmal einen Ersatzknopf für den DKE verkaufen. Alle Einzelteile für die „politischen Geräte" mussten nämlich vom 1. Dezember 1937 ab mit dem neuen WDRI Emblem gekennzeichnet sein. Nicht nur der Boykottaufruf gegen jüdische Läden! Ersatzteilverkauf, auch Reparaturen an solchen Geräten wurde den Juden verboten und so verloren sie (auch durch den Boykottaufruf) zwangsläufig einen Großteil ihrer Kundschaft.

 

 

 

 

 

 

Im Februar 1939 stand im „Rundfunk-Händler" (der Titel: ,,Radio-Händler" war den Herren schonlange ein Dom im Auge): ,,Nachdem den Juden der Besuch von Theater- und Filmvorstellungen verboten wurde, ist auch die Frage aufgetaucht, ob sie vom Rundfunkempfang ausgeschlossen werden sollen'·.So weit ging's dann doch nicht, aber - weil sie schließlich seit dem „Reichsbürgergesetz" nicht mehrdeutsche Staatsbürger waren - gewährte man ihnen auch keinerlei Schutz und Vergünstigungen. Sie hatten zum Beispiel keinen Anspruch auf die Genehmigung zur Errichtung einer Hochantenne.„Die Juden sind unser Unglück" - polemisierten die NS-Propagandisten - ,,sie bereichern sich durch Wucherzinsen und vergiften die deutsche Nation".

Genau 200 Jahre zuvor war in Stuttgart Joseph Süß-Oppenheimer erhängt worden und der eindrucksvolle Film ,,Jud Süß" sollte nun die Bürger über das wahre Judentum aufklären.„Sollen sie doch hingehen, wo sie hergekommen sind" - wurde zur Volksmeinung, oder sie sollen mal hart arbeiten lernen, am besten in einem der seit 1937 bestehenden Konzentrationslager. ,,Arbeit macht frei", stand über dessen Eingangstor - nur wenige wussten, was hinter den Umzäunungen wirklich geschah.

Am 9. November 1938 gipfelte die Eskalation in der so genannten „Reichskristallnacht", in der SA-Schlägertrupps ca. 7500 Juden-Läden verwüsteten - 91 jüdische Geschäftsleute wurden dabei ermordet. Wohl denen, die - wie z.B. Dr. Siegmund Loewe - noch beizeiten emigrieren konnten; die Kriegsjahre bedeuteten für die meisten, der in Deutschland verbliebenen Juden, auch wenn sie einst Befürworter des Dritten Reiches waren, den frühen Tod.