3.48 Kretzschmar, Kosmos, Pegler, Berlin 

 

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„Radio-Kristall-Werk" nannte Max Kretzschmar sein in Berlin gegründetes Unternehmen. „Max Kretzschmar“ – so berichtete „Der Radio-Händler“ 1925 – „beschäftigt sich mit dem Großhandel von Radio-Einzelteilen und Kristallen“. Eine „Fabrikation“ konnte allenfalls in bescheidenem Umfang stattgefunden haben. Wie auch hätte er z.B. 1928 die angebliche Herstellung von Kristallen, Antennen, Transformatoren und Lautsprechern mit drei gemeldeten Angestellten bewerkstelligen wollen.

 

max kretzschmar am kaiser wilhelmplatz

Inserat aus: „Der Radio-Händler“, 1926

 

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Detektor-Kristalle aus Kretzschmars Verkaufskisten.

 

Röhrenradios waren nicht in Kretzschmars Lieferprogramm, er beschränkte sich auf den Detektor, wofür er auch die Telefunken-Bauerlaubnis hatte. Zahlreiche seiner Artikel (überwiegend aber auch Handelswaren) tragen die Bezeichnungen "MK, eMKa oder MKB", aber Vorsicht: "Emkabe" ist der Markennamen für Radioeinzelteile (z.B. Feinstellskalen) der Firma Martin Kalischak, Berlin.

 

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der koh i noor wurde aus england importiert

Der „Koh-i-Noor“ wurde aus England imortiert.

 

rufi detektror apparates von 1935

Der Hersteller des „Rufi“-Detektrorapparates von 1935 konnte bis heute nicht ermittelt werden

 

"Bitte meine Firma als leistungsfähig in Ihr Bezugsquellenregister einzutragen" stand auf Kretzschmars Werbeblatt von 1930. Der Spezialist offerierte über 30 verschiedene Detektorkristalle, darunter: "Rhenatit, Perfect, Koh-i-noor, Rheingold, Jazz und Britanit", sowie sieben Aufsteckdetektor-Modelle.

Eines davon hieß Decufon, dafür ließ Kretzschmar ein „MK“-Emblem entwerfen. Der Hersteller aber ist ebenso unbekannt wie der des "Rufi"-Detektors bzw. dem dazu passenden Detektorapparat.

 

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Inserat aus: „Elektro-Markt“ mit „Radio-Markt“ vom Aril 1931

 

Bessere Erkenntnisse gibt es zum Modell "Kosmos"; das war ein Erzeugnis der Firma Otto Ernst Pegler, Berlin-Fronau. Bezüglich dieses Markennamens war Pegler aber nicht konsequent – auf manchen seiner Detektoren oder Lautsprecher stand auch „Cosmos“.

 

Werbeblatt des „Radio-Kristall-Werks“ von 1930. Noch etwas zum Schmunzeln gefällig: Max Kretzschmar versuchte sich auch als Lyriker. Zu seinen edlen Kristallen fielen ihm (neben den beiden oben zu lesenden) noch folgende Verse ein:

Im Wein liegt Wahrheit nur allein Jazz und Koh-i-Noor ist der beste Detektorstein

Wie Flugzeug und Zeppeline die Welten durchfliegen Rheingold, Perfect den Aether besiegen

 

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Otto Ernst Pegler verkaufte seine Erzeugnisse: Detektoren, Detektorapparate und Spiralantennen nicht nur über Kretzschmar, er inserierte auch mit der eigenen Firma in den Fachzeitschriften.

 

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Inserat aus: „Der Radio-Händler“, September 1932

 

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Max Kretzschmar blieb dem Detektor treu und erlebte im zweiten Weltkrieg wieder einen Höhenflug.

 

Jeder Sammler kennt die "Erika"-Modelle, auf denen anfangs die Detektoren fest verschraubt waren. Eine zweite Version erhielt die primitiven "Cosmos"-Aufsteckdetektoren. "Klein-Rolli" diente als Antenne. „Alleinhersteller und Schutzrechtinhaber Max Kretzschmar“ steht im Inserat links. Beim „Cosmos“-Aufsteckdetektor dürfte es sich aber um ein Pegler-Produkt gehandelt haben.

1944/45 gab es anstelle der Bakelit-Ausführung nur noch Papp-Schächtelchen, in die teilweise (anstelle des Detektors) "Sirutor"-Gleichrichter eingesetzt wurden.

Die Geschichte des Unternehmens ab 1945 wird im Kapitel – Chroniken westdeutscher Nachkriegs-Radiofirmen – unter „Kretzschmar“ fortgesetzt.