3.87 Sachsenwerk, Niedersedlitz

sachsenwerk niedersedlitz burosch radiotechnik

 

Auf der 1888 gegründeten Firma Kummer & Co. basierend, wurde 1903 die „Sachsenwerk- Licht- und Kraft- AG" ins Leben gerufen. Es entstanden Werke in Niedersedlitz und Radeberg.

 

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In Niedersedlitz wurde 1924 eine Radioabteilung aufgebaut. Die Sachsenwerk AG erhielt die RTV-Zulassung im April 1924 und stellte ihre Erzeugnisse bereits auf der ersten Berliner Funkausstellung aus. Neben dem Detektorapparat konnten die Sachsen 1924 auch mit einem röhrenbestückten Sekundärempfänger aufwarten, welcher aber heute, wenn überhaupt, nur noch sehr selten zu finden ist.

 

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Ein Schleifkontakt gleitet — mittels 90-Grad-Drehung — über die flache Schiebespule dieses Sachsenwerk-Detektorapparates RDE von 1924. Die Kreiskapazität resultiert im wesentlichen aus der Antenne und deren Zuleitung. Parallel zu den Telefonbuchsen ist ein 1000 cm- Bockkondensator geschaltet. Auf diesem Erstprodukt des Niedersedlitzer Radiowerks steckt der Original-SW-Detektor.

 

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Der Sekundär-Empfänger R.E. 2 zählt zu den besonderen Schätzen des Deutschen Rundfunkmuseums Berlin. Das Pultgerät allein ist für Kopfhörer-Fernempfang vorgesehen (der unten angebrachte Schalter wird dann auf „unverstärkt" gedreht). Für Lautsprecherempfang wurde der Zweiröhren- NF-Verstärker R.E.V. 2 angeboten. Er wird als Zusatz links ins Gerät eingeschoben, der Schalter auf „verstärkt" gedreht. (DRM 24 SW 01 H)

 

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Zum Werbebild rechts: Ab 1925 versah das Werk seine Geräte mit dem Eswe-Emblem

 

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Zum großen Verkaufserfolg wurde die „Eswe"-Baureihe von 1926/27: das Detektorgerät RDN, das Einröhren- Audion RE 1 sowie die Niederfrequenzverstärker NV 1 und NV 2. -

 

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Mit dieser Bausteinserie wurde die Radio-Abteilung der Sachsenwerk- Licht- und Kraft-AG in Niedersedlitz 1926 bis 1927/28 erfolgreich. Oben steht der Eswe-Detektorempfänger RDN mit Kristall-Detektor RDZ. Darunter der erste kleine „D-Zug", bestehend aus dem Audion R.E. I (noch mit Loewe- Drehko) und den NF-Verstärkern N.V. I und N.V. II (mit Trafo-Kopplung). Der unten stehende (ein Jahr jüngere) Eswe-D-Zug beginnt mit dem Selektionskreis R.S.; ihm folgt das Audion R.E. I (es hat jetzt den Drehko mit Feineinstellung) und ein Dreiröhren- Widerstandsverstärker W.V.

Man konnte diese Geräte auch in den damaligen Versandhauskatalogen finden, zum Beispiel 1926 bei August Stukenbrok, Einbeck. Sie erfreuten sich größerer Beliebtheit als die ähnlichen Typen der Telefunken „Arcon"-Reihe.

 

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1927 brachte das Sachsenwerk eine Weiterentwicklung der Bausteinserie auf den Markt: dieses Zweiröhren- Batterie-Universal- gerät REN 2. Die beiden Röhren wurden ins Innere verlegt, ein rückseitig ansteckbarer Widerstandsverstärker enthält zwei weitere. (Sammlung Dr. Windisch)

 

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Auch größere Radiogeräte hatte Eswe 1927 zu bieten: die Vier- und Sechsröhren-Neutrodyne-Empfänger REN 4 und REN 6. Und schon 1926 soll eine Rundfunktruhe Chrystaphon auf den Markt gekommen sein, leider weiß man nichts näheres darüber.

 

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Die Eswe-Inserate von 1927 enthielten auch Staubsauger und Kleinmotoren

In den Folgejahren wurde das Angebot verbreitert, aber in den Katalogen bis 1928 waren die Radios des Sachsenwerkes kaum zu finden. 1929 trat Eswe dann wieder mit dem RW 3 / RG 3 hervor. Geräte dieser Bauart gab es auch als Zweikreiser, größere aber vorerst nicht.

 

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Die beiden rechts abgebildeten Eswe-Modelle wurden 1928/29 recht gut verkauft. Unten steht das Vierröhren-Neutrodyngerät N 4. Beim Betrieb mit Heiz- und Anodenbatterie war es mit den Röhren RE 074, RE 084, RE 074 und RE 134 bestückt. Man konnte es aber auch unter Verwendung der Netzanschlussgeräte A 110 bzw. A 220 am Wechselstromnetz betreiben, dann wurden die indirekt geheizten Röhren REN 1104 eingesetzt.

Auf dem N 4 steht der Dreiröhren-Einkreis-Netz- empfänger RW 3 von 1929, mit der (Raytheon-) Gleichrichterröhre RGN 1500. Für Gleichstromanschluss gab es ihn als RG 3.

 

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Viele Firmen hatten 1927/28 ihr „39.50 Mark-Gerät" im Lieferprogramm, meist jedoch wurden die Spulen extra berechnet. Eswe war der Nachzügler und verlangte 1929 für diesen B 3 einschließlich Röhren, Spulen bis 3000 m, Anschluss- schnüren, aperiodischer Antennenkopplung und Einrichtung für die Schallplattenübertragung 53.50 RM.

 

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Inserat aus: „Radio”, Januar 1929

Wie aus der Sachsenwerk-Weihnachtswerbung 1929 hervorgeht, wurde der billige Einkreiser (als Ortsempfänger) mit außen aufgesteckten Röhren noch als Netzanschlussempfänger geliefert. Auch den Zweikreiser gab es jetzt für Netzbetrieb und die Plattenspieler-Kombination enthielt den RW 3.

 

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Das waren die letzten Geräte aus der Zeit, in der das Sachsenwerk noch selbständig war — 1930 übernahm die AEG die Aktienmehrheit der Licht- und Kraft AG. Indes — nicht nur der Markennamen wurde beibehalten, auch die eigenständige Geräteentwicklung verblieb in Niedersedlitz. Der Handel und die Eswe-Kunden bemerkten den Be- sitzwechsel gar nicht — die Sachsenwerk- Radios aus der Zeit ab 1930 waren von denen der AEG grundverschieden, und sicher nicht zum Nachteil der Mutterfirma.

Es war ein beachtlicher Sprung , als 1931 die tristen schwarz lackierten Gehäuse den schönen, mit Nussbaum furnierten Möbelstücken weichen mussten. Batteriegeräte waren nur noch vereinzelt gefragt, nun beherrschten die inzwischen ausgereiften Netzanschluss-Empfänger den Markt. Die Sachsen lagen mit ihrem Eswe 2 W, mehr noch mit dem 3 W bzw. 3 G gut im Rennen.

 

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Das Eswe Zweikreisgerät 3 W wurde in der HF-Stufe mit einer Schirmgitterröhre RENS 1204 bestückt. Auch andere Firmen fertigten Empfänger dieser Art — der Eswe jedoch zählte zu den beliebtesten. Weil in großen Stückzahlen produziert, kann man ihn auch heute noch finden. Im Hintergrund steht der passende Eswe- Lautsprecher und vorn rechts ein Sperrkreis zur Ausschaltung des Ortssenders.

 

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Es gab den Eswe-Dreiröhren- Zweikreiser auch mit eingebautem Lautsprecher; das Gerät im Bild ist die Gleichstromausführung 3 GL. Das Rückseitenfoto zeigt den schönen Innenaufbau mit den Valvo-Röhren H 2018 D, A 2118 und L 2318 D. An dem großen magnetischen Lautsprecher ist das einstellbare Vierpolsystem zu erkennen. (Sammlung F. Rothe)

1932 brachten, wie viele andere, auch die Niedersedlitzer ihren Superhet auf den Markt. Keines der Konkurrenz-Geräte aber war mit drei ZF-Bandfiltern ausgestattet. Erst in den größeren Nachkriegsmodellen, bei denen dann aber zumeist in der HF- Vorkreis-Selektion gespart wurde, konnte man die Zahl von sechs ZF-Kreisen wieder finden.

 

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1932 zählte er zu den Besten — der Eswe-Fünfröhren- Superhet 335 L „mit Wellenskala und neuartigem Stationsmelder". Der Halbkreis ist die „Wellenskala" (bei Siemens hieß sie „Riesenskala"). In dem darunter befindlichen Lupen-Fenster, dem „Stationsmelder" sind die Sendernamen abzulesen. Ein Vorläufer der 1934er Kinoskalen-Modelle.

Er hat aber noch mehr zu bieten, dieser Sachsenwerk-Hochleistungsempfänger. „Acht Kreise", steht im Prospekt. Tatsächlich sind es zwei Eingangs-Abstimmkreise und einer im Oszillator (REN 704 d), es folgen sechs ZF-Bandfilter- kreise — insgesamt zählt man also neun! Wie beim Nora-Super Type 500 erhält dieser Vorstufensuper seine Schwundregelspannung über eine (bei der Röhrenbestückung aber nicht mitgezählte) RE 034.

Auch 1933 baute das Sachsenwerk Radios, welche zu den beliebten zählten, nur im Illustrierten Radiokatalog sucht man sie vergebens. Besonders gefragt waren die Dreikreiser, weniger die Achtkreis- Superhets Eswe 346 W und WL, welche aber mit ihrem Kurzwellenbereich, Fading-Regulierung und dem „optischen Abstimm-Leuchtrohr" sicher nicht zu verachten waren. Diese mit drei Hexoden bestückten Superhets waren etwas größer als die Dreikreiser, entsprachen aber in der Aufmachung den 343 er-Modellen.

 

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Eswe 343 heißt dieser Dreiröhren-Dreikreiser von 1933, den es für Wechsel- oder Gleichstromanschluss gab. Hinter dem Bandfiltereingang sitzt eine Hexode RENS 1234 (1834), ihr folgt — in Kraftaudion-Schaltung — eine Pentode 1284 (1884) und als Endröhre die 1374 d (1823 d). Kurz, Mittel und Lang sind die Wellenbereiche — Kurzwellen empfängt er als Einkreiser. Es gab das Gerät mit dem dazu passenden Lautsprecher Eswedyn 34 oder als 343 L mit eingebautem Lautsprecher.

 

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Ab 1934 hießen die Sachsenwerk-Radios aus Niedersedlitz nicht mehr „Eswe" sondern „Olympia". Gut verkauft wurden die Einkreiser Olympia-Rekord, noch besser die Geräte mit der „Kinoskala". Das „Sender-Schaufenster" der 1934er- Modelle war, wie auch die Projektionsscheibe, noch sehr klein.

 

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Wer kennt den „Eineinhalbkreis-Empfänger"? Die Sachsenwerke nannten so ihr Zweiröhren-Einkreisgerät Olympia Rekord von 1934 — einen speziell geschalteten Sperrkreis verkauften sie als „halben". Der gefällige Kleine (links im Bild) hat zwei Mittelwellenbereiche sowie je einen für den Empfang von Kurz- und Langwellen. Es gab den Rekord auch ohne Kurzwellenbereich, und schließlich noch ein gleich gestaltetes Zweikreisgerät: den Olympia-Reflex.

Rechts von ihm steht das Dreiröhren-Fünfkreisgerät Olympia Reflex-Super. Erstmals wurde in diesem Modell, welches es auch eine Nummer kleiner mit vier Kreisen gab, die „Kino-Skala" eingebaut. Die auf einer kreisförmigen Dia-Glasscheibe aufgebrachten Sendernamen werden auf die kleine, über der Skala sichtbare Mattscheibe projiziert.

Im Jahr 1934 experimentierten manche Firmen mit den Skalen, deren Gestaltung in nicht geringem Maße zur Kaufentscheidung beitrug. Weil die neue „Kino-Skala" so guten Anklang fand, wurde sie 1935 vergrößert und blieb in der zweiten Hälfte der Dreißiger die „Sachsenwerk-Spezialität".

 

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Einer der schönsten Sachsenwerk-„Kinoskalen"- Apparate: der Olympia Super Sechs von 1935. Neben diesem Vierröhren-Sechskreiser gab es in gleicher Gestalt den „Super Fünf", einen Dreiröhren-Reflexsuper ohne Kurzwellenbereich. Die Gehäusegestaltung betreffend ist unübersehbar, dass der 1934er Blaupunkt 4 W9 Pate stand.

 

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Normalerweise bewegt sich hinter der Skalenscheibe während des Einstellvorgangs ein Skalenzeiger. Nicht so beim Kinoskalengerät — da ist die Skala nur ein mit Nummern versehenes Sender-Verzeichnis. Lediglich im Kurzwellenbereich (ganz unten) läuft hinter dem Skalenband ein Zeiger.

Zum Bild rechts: Es soll nicht versäumt wer- den, auch auf die Schwächen des Systems hinzuweisen. Der Sendername wurde nur gut sichtbar, wenn eine geeignete Lampe eingesetzt, und die Optik richtig justiert war. Bei Verstimmungen stand der Sendername nicht inmitten des Sichtfeldes.

1936 setzte sich durchweg das Querformat durch — natürlich auch bei den Olympia- Modellen. Das Sender-Sichtfeld wurde nochmals vergrößert und man beließ es dann in dieser Anordnung bis zum letzten Sachsenwerk- Olympia 401 WK von 1939. Indes — eine so schöne und aufwendige Möbelgestaltung, wie man sie noch dem 1936er Olympia 65 zugestand, findet man bei den späteren Modellen nicht mehr.

 

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Oben im Bild steht das Modell Olympia 65 aus der Saison 1936/37, ein Sechskreis- Fünfröhren-Superhet mit der neuen AD 1 in der Endstufe.

Sehr schlicht ist das Gehäuse des großen Olympia 381 W von 1937. Aber er hat's in sich: mit einer HF-Vorstufe (AF 3) und der AD 1 als Endröhre zählte er zu den Großsupern. Und als solcher musste er natürlich auch das — 1937 neue — magische Auge haben.

 

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Vier Jahre lang konnte sich die Sachsenwerk-Kino-Skala fast konkurrenzlos am Markt halten. Nur Owin meinte 1935, sie kopieren zu müssen und offerierte zwei Geräte mit einer „Lichtbild-Skala". Ein Jahr später war Owin finanziell am Ende. 1936/37 gelten als die Glanzzeiten der Sachsenwerk-Kinoskalen-Radios, 1938 aber war der Zenith überschritten, der Reiz dieser Senderanzeige war verflogen. Nach dem mit zwei Lautsprechern ausgestatteten Groß-Super 390 WK kam 1939 neben vier Olympia-Modellen ohne Kino-Skala nur noch der abgemagerte Typ 401 WK auf den Markt.

 

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1938 entwickelten die Sachsenwerk-Techniker den Spitzensuper 390 WK. Das 540.— Mark teure Zehnkreis-Gerät wurde mit den neuen Telefunken-Stahlröhren ausgestattet. Einer EF 13 in der HF-Vorstufe folgen die Typen: ECH 11, EF 12, EBF 11, EBF 11, EB 11, EFM 11, EL 12 und AZ 12. Dieser ungewöhnliche Röhrensatz wurde nicht zuletzt durch die im Gerät enthaltene selbsttätige Scharfabstimmung erforderlich. Ungeachtet seiner besonderen Vorzüge wurde der 390 WK nur in geringen Stückzahlen verkauft.

 

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Wo ist die Skala geblieben ? — Er hatte nie eine, dieser Sachsenwerk-Tasten- super Olympia 405 W, welcher 1939 mit dem Standard-Stahlröhrensatz ECH 11, EBF 11, ECL 11 ausgerüstet wurde. Geeignet war er für (meist ältere) Hörer, die auf bequeme Weise acht gespeicherte Sender über Stationstasten abrufen, und auf die freie Senderwahl verzichten wollten.

Weil die Werke in Niedersedlitz und Radeberg seit 1930 dem AEG-Konzern angehörten, gab es in der Nachkriegszeit keinen persönlichen Inhaber (wie etwa bei Körting, Mende oder Staßfurt), welcher im Westen eine neue Firma gründen wollte. Die schon bestehende Sachsenwerk Licht- und Kraft AG München und das neue Werk Regensburg beschränkten sich auf die Fertigung von Transformatoren und Hochspannungsschaltgeräten, Sachsenwerk-Radios wurden in Westdeutschland nicht gebaut.

Die Geschichte des Unternehmens ab 1945 wird im Kapitel 11 — Chroniken ostdeutscher Nachkriegs-Radiofirmen — unter „Sachsenwerk" fortgesetzt.