3.90 Schneider-Opel, Frankfurt

schneideropel frankfurt burosch radiotechnik 01

 

Die Radiowerke „Schneider-Opel" wurden 1923 von dem Kaufmann H.W. Schneider ins Leben % gerufen. Das Kapital kam von K.A. Schleußner, Fritz v. Opel usw., — sie waren auch an der Finanzierung des Frankfurter Senders beteiligt. Der damals schon renommierte Dr. Lertes wurde für die Technik verantwortlich.

Schneider-Opel erhielt die RTV-Zulassung im März 1924 und fabrizierte alle zeittypischen Geräte — vom Detektorapparat bis zum 7-Röhren- Superhet Teledyn.

 

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Inserat aus: „Der Deutsche Rundfunk, Juni 1924

 

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Das 1924er Vierröhren-Batteriegerät S.O. 2 H 2 N in Luxusausführung. Das Gehäuse: Kirschbaum hell, die Regelknöpfe schwarz/weiß. Ein Sekundärempfänger mit zweistufigem NF-Verstärker.
(Sammlung K.H.Kratz)

 

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1924 waren die Spulen noch im Gerät, beim hier ab- gebildeten 1925er Modell, dem Einröhrenempfänger S.O. 1 A mit freier Rückkopplung, stecken sie oben auf dem Spulenschwenker.
Auch dieses Gerät konnte in Standard- oder Luxusausführung bestellt werden. Niederfrequenzverstärker — hier die Type S.O. 2 N — gab es mit einer oder zwei Röhren.
(Sammlung K.H.Kratz)

 

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Der Secundär-Empfänger S.O. 2 A Baujahr 1925 mit einer Hochfrequenz- und einer Audionstufe. Ohne Niederfrequenzverstärkung war damit Europaempfang im Kopfhörer möglich.
Auf dem Gerät stecken zwei SO-Korbbodenspulen „nach Dr. Lertes". (Sammlung K.H.Kratz)

 

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Schneider Opels größter von 1925, der Teledyn S.O. TE (Konstruktion Lertes / Pfeifer). Dieser, speziell für den „Rahmenempfang" (so nannte man den Empfang mittels Rahmenantenne) geeignete Siebenröhren-Tropadyn- Empfänger wurde — für den versierten Bastler — auch als Baukasten geliefert. So kostete er statt 360 nur 250 Mark. (Sammlung K.H.Kratz)

 

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Die Frankfurter hatten stets auch Detektorempfänger im Lieferprogramm. Hier abgebildet ist der 1926er Primär- Detektorapparat SO-D im flachen Erlenholzkästchen mit aufgesteckter Spule.
1927 erschien der rechts abgebildete flache Dreiröhrenapparat SO (die Typen-Nummer fehlt am Geräteschild). Neben den Röhren RE 054, RE 054 und RE 154 stecken auf dem Gerät wieder drei Original-SO-Spulen „nach Dr. Lertes".

 

Bis 1926 ging es den Schneider-Opel-Radiowerken gut. Die Firma galt im Frankfurter Raum als das führende Unternehmen und erzielte für ihre Radios kostendeckende Preise. Das änderte sich, als Loewe den OE 333 auf den Markt brachte. Jetzt war in dieser Klasse nur noch das „37-Mark-fünfzig-Gerät" verlangt — auch Schneider- Opel durfte, um nicht im Abseits zu landen, für ein Drei- Röhren-Batteriegerät nicht mehr verlangen. Mit der von TeKaDe entwickelten Dreifachröhre konnten die Herstellungskosten etwas gesenkt werden.

 

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Als 1927 die Gerätepreise (und die Lizenzgebühr) durch den Einsatz von Mehrfachröhren gesenkt werden sollten, brachten auch die Frankfurter einen Ortsempfänger mit der VT 139 auf den Markt — die Type S.O. B. (Sammlung A. Kofink)

 

Nachdem nun an Batteriegeräten nichts mehr zu verdienen war, sollte der Netzanschlussempfänger wieder Geld in die Kasse bringen. Schneider-Opel brachte als ersten 1928 den S. 0.Q. auf den Markt.

 

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Das Kalkül der Frankfurter schien aufzugehen. 70.- RM, das war wirklich ein volkstümlicher Preis, zu dem allerdings noch die Spulen und Röhren gerechnet werden mussten. Trotzdem: Schneider-Opel hatte aufs richtige Pferd gesetzt.

 

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Ab 1928/29 erhielten die Schneider-Opel-Geräte Modellnamen. Merkur S.O. Q heißt dieser in Hessen viel verkaufte Zweiröhren- Netzempfänger. Unter dem Gerätedeckel stecken drei S-0- Wechselspulen „nach Dr. Lertes", sowie die Röhren: REN 1104, RE 134 und — als Gleichrichterröhre — die RE 154.

 

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Den Nachfolger des 1928er Merkur nannten die Frankfurter Meteor, und das hier abgebildete Modell mit eingebautem Lautsprecher heißt Mignon. Technische Weiterentwicklungen sind in diesem 1929er-Zweiröhren-Ortsempfänger nicht erkennbar — noch immer ist er mit den S-O-Steckspulen ausgestattet. Der Lautsprecher-Bespannstoff ist nicht original, das Gerät war (wie im Bild des Kofferradios) mit einem Zelluloid-Membran-Lautsprecher ausgestattet. (Sammlung K.H.Kratz)

 

1929 zehrte Schneider-Opel vom Verkaufserfolg des S. 0.Q. Nun aber war der schlichte Skalen-Drehknopf überholt und es wurde höchste Zeit, dass auch die Radios aus Frankfurt mit neuen Skalen versehen wurden. Außerdem wäre es vorteilhaft gewesen, wenn man die S.0.-Geräte im Illustrierten Radiokatalog hätte finden können. Bisher waren sie vornehmlich im Frankfurter Raum bekannt.

 

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Im Jahr 1929 erschien auch der hier abgebildete S.0.-Kofferempfänger. In diesem Einkreis-Ortsempfänger mit eingebauter Rahmenantenne stecken die Röhren: RE 084, RE 074 und RE 124. Mit Röhren und Batterien kostete er 212.- RM; nicht halb soviel wie der Sechsröhren-Fernempfänger Weltspiegel von Lorenz, aber seine Empfangsleistung war eben nicht berauschend. (Sammlung D.L. Reuß)

 

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Inserat aus: „Radio", Februar 1929. Schneider Opel intensivierte 1929 die über- regionale Werbung und gründete in Berlin eine Vertriebs-GmbH. Von den im Inserat angebotenen Geräten sind heute nur wenige Typen zu finden.

 

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„Meteor" hießen die letzten Schneider-Opel-Empfänger. Mit drei Röhren wurde der Meteor III bestückt, mit zwei der Meteor II. Das für den Bezirksempfang geeignete Zweiröhren-Netzanschlussgerät kam 1930 auf den Markt. Es wurde ohne und mit eingebautem Lautsprecher angeboten — bis zum Auslauf der Frankfurter Produktion in verschieden gestalteten Gehäusen. Der mit zwei Trioden und einer Gleichrichterröhre bestückte Meteor II L von 1930 lag — wie auch die gleich- artigen von Brandt und Huth — in der untersten Preis- Schublade: 99 RM betriebsfertig.
„Höre" steht auf der Bakelit-Skalenabdeckung des Meteor — das hat schon manchen Sammler irritiert. Des Rätsels Lösung: Das Wort bedeutet — zusammen mit dem recht klein darunter stehenden „SO" — nichts anderes als die Aufforderung „Höre Schneider-Opel !"

 

Erstmals stehen im Illustrierten Radiokatalog 1930/31 Schneider-Opel-Radios: die Meteor- Typen II und III — mit und ohne eingebauten Lautsprechern.

 

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Schon 1930 war er zu haben, 1931 steckte man den Meteor II in das hier abgebildete schönere Gehäuse. Neben diesem Einkreiser mit zwei Röhren gab es die Empfänger (ohne eingebauten Lautsprecher) in gleicher Gestalt (etwas größer) mit einer weiteren NF- Verstärkerröhre als Meteor III und — anders gestaltet — als Vierröhren-Schirmgitter-Empfänger Meteor IV. (Sammlung G. Neef)

 

In ihrer letzten Version standen die Meteor- Typen // und /// im Katalog 1932 mit Halbkreis-Skalen; und auch das mit einer besonders interessanten Skala ausgestattete Zweikreis-Modell RFW II. Da aber war sie finanziell schon am Ende — die Schneider-Opel AG.

 

Im Januar 1932 erschien in der „Frankfurter Zeitung" eine Mitteilung folgenden Inhalts: „Die Gesellschaft und die voll in ihrem Besitz befindliche Schneider-Opel-Zentral-Rundfunkanlagen GmbH haben ihre Zahlungen eingestellt [usw.l. Die Schneider-Opel-Vetriebs-GmbH in Frankfurt a. M und eine Gesellschaft gleichen Namens in Berlin sind unabhängig und von der Schwierigkeit nicht berührt". Ein Vergleichsvorschlag vom März 1932 scheiterte und im Mai wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

 

Lertes ging zu Körting — die Firma in Konkurs. Die Berliner Frey-Radio-Gesellschaft übernahm nur Waren und Produktionseinrichtungen ohne den Firmen- bzw. Markennamen, welcher bei den Großhandelsfirmen verblieb. Überleben konnte die Berliner Firma Schneider-Opel, welche anfangs noch als „Radio-Werke Schneider-Opel Vertrieb" firmierte. Erst 1938 wurde der Firmennamen geändert in: „Schneider-Opel Rundfunkgroßhandlung" (Quelle: „Der Radio-Händler", Mai 1938). Die feierte 1948 — unter Einbeziehung der Lebenszeit des früheren Produktionsbetriebs — ihr 25jähriges Bestehen und existierte auch noch in der Folgezeit — bis in die 60er Jahre.

 

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Inserat aus: „Der Radio-Händler" vom Nov. 1932. Aus diesem, im November 1932 erschienenen Inserat von Schneider-Opel, bzw. deren Berliner Großhandelsfirma geht hervor, dass der Frankfurter Betrieb nicht mehr arbeitete. Die gesuchten „Generalvertretungen" sollten wohl Auslaufmodelle an den Mann bringen...

 

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Inserat aus: „Elektro-Radio-Phono-Praxis, Januar 1933

 

Die restlichen Lagerbestände der Radios in 1931/32er Schneider-Opel-Bauart, welche dann möglicherweise von Roland Brandt fertiggestellt und von Schneider-Opel, Universal-Radio und Frey-Radio vertrieben wurden, konnte man — unter dem Namen Meteor 33 — letztmals in den Radiokatalogen von 1933 finden.