3.93 Selekta, Frankfurt

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Schon Anfang der Zwanziger existierte in Frankfurt-Mitte in der Günderodestraße 5 die Firma „Selekta" — Südwest- deutscher Elektro-Anlagenbau. Sie bildete das Fundament der „Süd-Westdeutschen Radiobau-Ges.m.b.H.", die der Kaufmann Karl Sehring zusammen mit dem Elektroingenieur Pfeifer gründete. Ob es derselbe Herr Pfeifer war, der zusammen mit Dr. Lertes bei Schneider- Opel den Siebenröhren-Super „Teledyn" entwickelte? Jedenfalls war der dem Selekta-Achtröhren-Überlagerer ähnlich, welcher 1927 im Prohaska-Katalog zu finden ist.

 

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Auf dem Typenschild dieses Detektorapparates steht: S III mit der eingeschlagenen Zahl 10. Die Selekta-Type S 9 war (im gleichen Gehäuse) ein Sperrkreis. (Sammlung K.H. Kratz)

 

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Beide Inserate aus: „Radio- Umschau", Dezember 1924

 

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Selekta-Audion Type S 1. Links der Abstimmdrehko, rechts eine variometerähnliche Resonanzkreis-Spule mit veränderlicher Rückkoppelspule. Das Gerät hat keinen RTV-Stempel und könnte Ende 1925 entstanden sein. (Sammlung K.H. Kratz)

 

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Typenschild des Detektorapparates S Iii/ 10

 

Abbildung aus dem „Prohaska- Katalog" 1927. Selekta fertigte diesen „Rahmen-Empfänger" nach Reico- Schutzrechten und Reico vertrieb ihn auch (siehe Inserat in 3.82 — Reico).

 

Offene Fragen gibt es nicht nur über die Firma selbst — auch das Selekta-Typenprogramm birgt seine Geheimnisse. Da steht auf dem Typenschild des umstehend abgebildeten Detektorapparates „S III", eingeschlagen wurde aber die Zahl „ /0". Nun könnte es sein, dass anfänglich die Typen I bis III gebaut wurden. Danach findet man die Typ-Nummern in arabischen Zahlen. Das umseitig abgebildete Audion hat die Typ-Nr. S 1, es gibt einen Sperrkreis mit der Typ-Nr. S 9 und beim Detektorapparat gilt wohl die Typ-Nr. S /0. Was aber gab es dazwischen?

 

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Eine „Selekta-Kombination", bestehend aus dem Audion Type S H und Einröhren-NF-Verstärker Type S III. Die Geräte könnten im Zeitraum zwischen 1926 und 28 entstanden sein, die auf gesteckten Röhren jedoch sind älteren Datums. Die Typenschilder weisen diese Geräte als „Fabrikat Selekta" aus, es bestehen aber Zweifel, ob es sich wirklich um Originalgeräte handelt. Die Typ-Nummern S I bis S III wurden möglicherweise an den ersten Selekta- Modellen angebracht (vgl. „S ///"-Schild am Detektor). Dass sie nochmals für später gefertigte Modelle verwendet wurden, ist unwahrscheinlich. Die abgebildeten Geräte sind mit Röhrenfassungen versehen, welche man eher an französischen Geräten findet und auch sonstige Einzelteile sind nicht „Selekta-typisch".

 

Marktbedeutung hatte die Selekta zu keiner Zeit. 1927 stand sie schon nicht mehr im deutschen Radioadressbuch, aber man konnte noch Inserate von ihr finden. Das Amtsgericht Frankfurt teilte uns mit: "In den Dateien des Registergerichts ist keine Eintragung feststellbar. Es könnte sich im vor- liegenden Fall auch um ein nicht vollkaufmännisch betriebenes Kleingewerbe handeln". Vermutlich war der über Reico vertriebene Superhet das letzte Selekta-Erzeugnis, von dem bis etwa 1928/29 Restbestände verkauft wurden.

 

Auch hier wieder der Hinweis auf einen ähnlichen Firmennamen: „Selektor" nannte die AG für Feinmechanik in Schmalkalden ihre radiotechnischen Erzeugnisse.