3.94 Sevecke, Höchst a. Main

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Carl Sevecke hatte zwei Firmen: die „Elektrotechnische Gesellschaft mbH" in Heidelberg und die „Carl Sevecke, Elektrotechnische Fabrik" in Höchst am Main, in der er seine C.S.H.— Empfänger herstellte. Die Telefunken-Bauerlaubnis war ihm 1925 erteilt worden.

 

Das rechts abgebildete Dreiröhrengerät ist vermutlich das erste aus Seveckes Radio- Produktion. In der Literatur ist darüber nichts zu finden. Da im Typenschild die Geräte-Nr. 2 eingeschlagen ist und der RTV-Stempel fehlt, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um ein Belegexemplar handelt — vor Freigabe der Wellenbereiche musste der Reichs-Telegrafen-Verwaltung von jedem neuen Modell ein Exemplar zur Verfügung gestellt werden.

 

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Dieser Sekundär-Empfänger enthält zwei Kugelvariometer und einen Drehkondensator; vermutlich für den Sperrkreis. Während der Sendereinstellung sollte der Gerätebediener seine Hand auf die geerdete Schiene legen — Handkapazitäten hätten den Abstimmvorgang stören können. (Sammlung H.J. Liesenfeld)

 

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Inserat aus „Der Radio-Händler' 1926, Seite 770

 

Der „Radio-Händler" berichtete 1926 auf Seite 764 über den auf Seite 770 abgebildeten Empfänger: „Einen neuen Weg beschreitet die Firma Carl Sevecke, Elektrotechnische Fabrik, Höchst a. M, mit ihrem Dreiröhren-Erde-Empfänger, den sie, wie aus dem Inserat in dieser Nummer zu ersehen ist, auf den Markt bringt".

 

Ob ein Gerät dieser Bauart auch 1927/28 noch gefertigt wurde, ist uns nicht bekannt; „Radio" schrieb jedoch am 10. März 1928 in einem Bericht von der Leipziger Frühjahrsmesse, dass die Firma Sander & Co., Darmstadt einen „Sevecke"-Dreiröhrenempfänger mit eingebautem Störwellenkompensator ausstellte. Näheres darüber weiß man (noch) nicht. Besser sieht es bei dem vermutlich ersten Sevecke-Netzanschluss-Ortsempfänger NE 3 aus. Der wurde im Originalzustand gefunden — mit Prospekt.

 

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In dem Sevecke Zweiröhren-Einkreiser NE 3 mit zwei Wellenbereichen (250 - 2000 m) stecken die Röhren: REN 804, RE 134 (RES 164 d) und RGN 1500 (Ph. 1801). Aufgrund dieser Röhrenbestückung ist anzunehmen, dass das Gerät 1928 gefertigt wurde. (Sammlung B. Witke)

 

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Das Firmenschild am Gehäuse des NE 3

 

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Der „Sevecke NE 3 ist ein moderner Zweiröhren-Rundfunk-Bezirks-Empfänger für Wechselstrom-Netzanschluß, umschaltbar für Netzspannungen 110/120 zu 220/240 Volt" — so steht's im Prospekt.

 

Aus dem Prospekt ist ersichtlich, dass die Sevecke-Geräte ab 1928 von Max Braun vertrieben wurden. So auch die weiteren Netzanschlussgeräte, welche Carl Sevecke 1929 auf den Markt brachte. Die Typen SFE 06 und CFE 08 waren Einkreis-Geradeausempfänger, bestückt mit RENS 1204, REN 904, RE 134 (164) und RGN 504. Der große SFK 12 hatte den Röhrensatz: RENS 1204, 2 x REN 1004, eine RE 604 und die RGN 2004. Darüber hinaus fertigte die Höchster Fabrik verschiedene Kraftver- stärker (CKV 12 und 24). Max Braun verkaufte 1929 Sevecke-Kraftverstärker mit eingebautem Ortsempfänger als K. V. 2 und 3 (siehe Inserat in Abschnitt 3.14— Braun).

 

Über Jahrzehnte war kein Sevecke-Radio aufzufinden, erst vor nicht allzu langer Zeit gelangten die beiden abgebildeten Gerät in Sammlerbesitz, weitere werden noch immer gesucht. Dokumentiert sind nämlich — leider ohne Herstellungsdaten — in den „Funkschau-Bestückungstabellen" neun Sevecke- Geräte, welche alle aus den Zwanzigern stammen.

 

Im Radio-Adressbuch von 1928 sucht man Carl Sevecke vergebens, obwohl die Radios (auch noch die „ Cosmophon "-Empfänger) im Höchster Sevecke-Werk produziert wurden. Wann schließlich die Firma von den Sevecke-Erben Paul Kirchhoff und Jakob Schaefer an Max Braun übergeben wurde, ließ sich nicht mehr klären — jedenfalls galten die Cosmophon-Geräte 1932/33 schon als Braun- Fabrikate. Spätestens 1938 (wahrscheinlich schon viel früher) war Max Braun der alleinige Geschäftsinhaber, die Firma Sevecke (mit Sitz in Frankfurt) existierte aber auf dem Papier bis 1955. In den Handelsregisterakten steht zuletzt unter dem Datum 28. April 1955: Die Firma ist erloschen.