3.100 TeKaDe, Nürnberg

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Als Grundstein diente die Firma Heller, Nürnberg, die schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter anderem Klingel- und Telefonanlagen hergestellt hatte. 1903/04 stand es schlecht, um die von den Heller-Söhnen geleitete Fabrik; sie ging in Liquidation und wurde von der Fa. Felten & Guilleaume, Mülheim übernommen. Durch den Erwerb der Kabelfabrik Obermaier schon seit 1896 in Nürnberg sesshaft, gründete sie 1912 die Süddeutsche Telefon-Apparate-Kabel- und Drahtwerke AG — die „TeKaDe" — und im selben Jahr beteiligte sich das Mülheimer Mutterunternehmen am „Lieben-Konsortium". Die Röhren-Entwicklung begann 1916 zunächst in dem F. & G. Werk Augsburg und wurde dann nach Nürnberg verlegt. Verstärkerröhren wurden damals im Fernsprechverkehr benötigt. Die Reichspost bezog liegende und stehende Trioden von den Firmen AEG, Siemens Seddig und TeKaDe.

 

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Inserat aus: Dr. Nespers „Der Radio-Amateur", 4. Aufl. 1924

 

1923 wollte die Firma auch ins Radiogeschäft einsteigen und erhielt im Januar 1924 die RTV-Zulassung für Bayern. Natürlich wurde auch die Fabrikation von Radioröhren aufgenommen. Die Monopolfirma Telefunken, die mit allen übrigen deutschen Röhrenherstellern im Streit lag, wollte sich auch mit TeKaDe anlegen, zog dabei aber den Kürzeren. Schließlich hatte sie in diesem Falle schlechte Karten, weil ja die TeKaDe-Mutterfirma an den Lieben-Patenten beteiligt war (siehe: „Einstweilige Verfügung" im Kapitel 1, 12).

Die Radioproduktion begann mit der Fertigung von Kopfhörern, Einzelteilen, Detektorapparaten und Röhren-Empfängern, anfänglich für den Export. Schon auf der Leipziger Herbstmesse 1923 waren die Nürnberger präsent. „Der Radio-Amateur" H. 2/1923 berichtete hauptsächlich über die TeKaDe-Röhren, erwähnte aber auch „Empfangs- und Verstärkerapparate verschiedener Ausführungen" (siehe auch: Bild im Anhang A I, R-Z, Seite 36).

 

 

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Während röhrenbestückte TeKaDe-Empfänger kaum mehr zu finden sind, tauchen hin und wieder TeKaDe-Detektorgeräte in verschiedenen Ausführungen auf. Das Bild zeigt einen TeKaDe-Detektorapparat im Wand-Telefongehäuse.
(Sammlung L.D. Schmidt)

 

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1924 begannen die Nürnberger noch mit Optimismus mit dem Aufbau einer „Abteilung Rundfunk". In Stuttgart wurden ihre Empfänger, Verstärker, Röhren und Einzelzeile vom 16. bis 25 Mai 1924 auf der „Radio-Sonder-Ausstellung" gezeigt — von der „Mercedes-Automobil-Gesellschaft". Und weil die dort verteilten Informationsblätter so interessant und aufschlussreich sind, sollen sie dem Leser nicht vorenthalten werden.
Sehr ausführlich wird in dieser Firmenschrift über das Unternehmen und seine Produktion berichtet, aber auch, was den Sammler besonders interessiert, über die Röhren-Radios. Da jedoch scheint sich ein Fehler eingeschlichen zu haben — das auf Seite 4 abgebildete Gerät ist sicher ein Sekundär-Empfänger.

 

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Lag es an mangelnder Nachfrage? Waren die Geräte zu teuer? Was auch die Gründe gewesen sein mögen, die Radioproduktion lohnte sich offensichtlich nicht — sie wurde schon 1924 eingeschränkt und 1925 wieder eingestellt. Kaum findet der Sammler einen TeKaDe-Röhrenempfänger aus der Zeit bis 1927.

 

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Inserat-Teil aus: „Die Sendung", Dezember 1928.

 

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Die Verkaufspackung des TeKaDe-Orts- u. Fern-Empfängers

 

Erst 1928 kam das Bakelit-Kästchen mit aufgesteckten Spulen und der neuen TeKaDe-Dreifachröhre VT 139 auf den Markt. Das war baugleich mit dem D 3 (1927/28) der Berliner Firma Brandt; die es möglicherweise auch gefertigt hat.
Überraschend ist sein Preis. 1927 musste man fiir solche Gerätchen in der Regel 39.50 Mark bezahlen — Brandt verlangte 1928 noch 37.50 und TeKaDe wollte diesen Preis um 3 Mark unterbieten.

 

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Stark waren die Nürnberger auf dem Sektor „Kraftverstärker". Aufgrund eines Vertrages mit der Klangfilm-Gesellschaft gelangten etwa in die Hälfte der deutschen Kinos TeKaDe-Tonfilmverstärker.

 

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Bis 1931 hatten diese Vereinbarungen Bestand, dann erfolgte mit Telefunken eine Zusammenarbeit neuer Art. TeKaDe nahm das eigene Röhrenangebot vom Markt und fertigte nur noch far Telefunken. Nun aber versuchten die Nürnberger, erneut ins Radiogeschäft einzusteigen.

 

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Bis 1930 lag im Nürnberger Werk die Radioproduktion still. Die TeKaDe-Zeitung mit dem Titel „Auf Welle Unterhaltung" wurde in der September-Ausgabe 1930 des Fachjournals „Die Sendung" veröffentlicht. Von TeKaDe-Radios war darin noch keine Rede. Und die Drahtfunk-Geräte (Verstärker) erschienen bei TeKaDe natürlich auch erst 1933.

 

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Die Geräteliste begann mit dem Baujahr 1931/32. Das Modell 4 W 25 war eher ein Kraftverstärker (Endröhre V 754) mit Zweikreis-Empfangsteil. 1932 gab's den ersten Superhet — im Fachschrifttum findet man kaum etwas darüber. Im August 1933 veröffentlichte TeKaDe in „Radio" ein seitenfüllendes Inserat zum Zweikreiser Bavaria (Abb. links). Indes — in den Handelskatalogen sucht man ihn vergebens. Auch die Modelle von 1934 bis 35 mit den Namen Diplomat und Konsul konnte man nur in wenigen regionalen Katalogen finden.

 

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Bild darüber: Man findet ihn selten, und er steht nur in wenigen Katalogen: der TeKaDe-Oktodensuper Konsul von 1934/35, bestückt mit den Röhren AK 1, RENS 1234, RENS 1254, RES 964 und RGN 1064. Besonders reizvoll an diesem schönen Möbel ist die Bereichsanzeige (Kurz, Mittel, Lang, P.U.) mit den farbig hinterleuchteten Fensterchen.

 

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Zwar hatte die TeKaDe Anfang der Dreißiger wieder mit der Produktion von Rundfunkempfängern begonnen, Marktbedeutung konnten sie aber nicht erlangen. Deshalb setzten die Nürnberger Mitte der Dreißiger Fremdchassis in ihre Radios. Das hier abgebildete Modell Herzog, das 1935 in den Katalogen stand, ist ein „Seibt 326" (siehe dort). Dass es kaum verkauft wurde, braucht niemand zu wundern — mit seinem primitiven Gehäuse kostete der Herzog 243,50 RM, während der aufwändig gestaltete Seibt 326 für 240,- RM zu haben war. (Sammlung M. Beitz)

 

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Das Bild zeigt die Rückwände der baugleichen Geräte der Firmen TeKaDe und Seibt

 

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Aus dem Radiokatalog 1935 der Radio-Großhandlung Schmolke

 

Von 1936 bis 39 standen TeKaDe-Radios regelmäßig im Handbuch des deutschen Rundfunkhandels. Die Nürnberger holten die Gestirne vom Himmel und nannten 1936 ihren Einkreiser Orion, den Superhet Sirius. Den Herzog 2 hat man „aufgewertet", indem die Skala links vom Lautsprecher platziert wurde. So stand er auch 1937 noch im Katalog. Da hieß dann der Superhet Franken. 1938 gab's nur noch den Super 39 W (GW) und 1939 den Super 40 W. All diese Geräte, die Ein- und Zweikreiser sowie die Sechskreis-Superhets waren aber alles andere als berauschend.

 

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Die TeKaDe bezeichnete zwar ihr „Spitzengerät" Franken, Baujahr 1937, als „Hochleistungs-Super"; es fällt aber schwer, das zu akzeptieren; nur weil dieser schlichte Sechskreis-Super (ohne mag. Auge) noch mit einem Sperrkreis ausgestattet war. Dass TeKaDe zu den Pionieren des mechanischen und später des elektronischen Fernsehens zählte, soll nicht unerwähnt bleiben.

 

Die Geschichte des Unternehmens ab 1945 wird im Kapitel 9 — Chroniken westdeutscher Nachkriegs- Radiofirmen unter „TeKaDe" fortgesetzt