3.113 WTW, Greifswald

WTW 01 Radiotechnik

In Zusammenarbeit mit dem Physikalischen Institut der Universität Greifswald wurde im a November 1924 die dort ansässige „Wissenschaftlich-Technische Werkstätte GmbH" tätig. Ihre Gewerbeanmeldung als Herstellungsbetrieb erfolgte im Mai 1925. Die WTW gliederte sich in die folgenden Arbeitsgruppen:

1. Maschinentechnisches
Reparaturwerk,

2. Mechanische Werkstatt,
3. Elektrotechnische Werkstatt,
4. Radioabteilung,
Patent- und Beratungsstelle.

WTW 02 Radiotechnik

Die Abteilung 4 befasste sich als ordentliches VDFI-Mitglied mit der Herstellung und dem Vertrieb von Rundfunkempfangsapparaten mit Telefunken-Bauerlaubnis. Im zweiten Halbjahr 1926 erschienen in der örtlichen Presse laufend WTW-Inserate, in den Greifswalder Adressbüchern findet man die WTW letztmals 1927. Radioapparate entstanden in diesem Jahr nicht mehr, der Gewerbebetrieb wurde bereits am 1. Februar 1927 eingestellt.

 

Den zugelassenen Vereinen und Amateuren mit Audion-Versuchserlaubnis empfahlen die Greifswalder ihren Zweiröhren-Kurzwellenempfänger KE 2. Für den Rundfunkempfang im Wellenbereich 250 s 700 m eignete sich der Vierröhren-Einkreiser Type A 4 mit einstellbarer Rückkopplung. Mit Telefunken-Röhrenfassungen ausgestattet, kamen zum Betrieb desselben die Thorium-Typen RE 78 und RE 83 infrage, oder die Oxydfadenröhren RE 84 und RE 86. Zur Beschallung größerer Räume wurde überdies ein so genannter „Endlautverstärker" Type E 12 feilgeboten, bestückt mit der Doppelgitter-Tetrode RE 87. Hierbei handelt es sich um eine außerge- wöhnliche Telefunken-Oxydfaden-Röhre, die zuvor als Type OR fir kommerzielle Zwecke entwickelt worden war und erst später RE 87 genannt wurde. Im Prohaska-Katalog 1927 findet man sie als Endverstärkerröhre mit 400 mA Emission — was natürlich nicht stimmen kann. Im 1927er Katalog der Leipziger Radioquelle ist ihr Sättigungsstrom mit 100 mA angegeben und im Vox-Haus-Katalog 1926/27 werden ihr zwar auch noch 100 mA zuge- mutet, der durchschnittliche Anodenstromverbrauch liege aber bei 30 mA. Auch das war far damalige Zeiten noch eine Spitzenleistung, und ihr Preis scheint es zu beweisen: RM 43.- bei Prohaska und RM 85.- bei Radio-Quelle. Soweit der Exkurs ins Reich der frühen Röhren — auch sie können dem Historiker immer wieder Überraschungen bieten. 

WTW 03 Radiotechnik

Prospektblatt: „Der Vier-Röhren-Rundfunkempfänger Type A 4 der Wissenschaftlich-Technischen Werkstätte GmbH zu
Greifswald ist ein mit Telefunken-Bauerlaubnis hergestellter und von der Reichs-Telegraphen-Verwaltung zugelassener
Rundfunkempfänger für den Wellenbereich 250 bis 700 m"— steht in diesem Werbeprospekt.

 

 

WTW 05 Radiotechnik

Der Empfänger war immer der selbe, die VVTVV jedoch lieferte ihn ganz nach Kundenwunsch:
> im offenen Kasten, (siehe Prospektblatt),
> in Schatullenform mit glattem Klappdeckel,
> mit geschweiftem bzw. gebogenem Klappdeckel,
> in viereckigen Kasten mit Doppeltüren,
> in einem kunstvoll verarbeiteten Schrankmöbel
> in Birke, Kirschbaum, Palisander, Nussbaum, und wie dieses Bild zeigt, sogar — als A 4 E — in einem Standuhren-Gehäuse.

 

WTW 04 Radiotechnik
Inserat aus: Der Radio-Händler", 1925

 

WTW 06 Radiotechnik

 

„Die Endlautverstärkung Type E 12 wird als Zusatzgerät zum Vier-Röhren-Empfänger Type A 4 in einem besonderen pultförmigen Kasten oder mit dem Empfänger auf eine Platte zusammengebaut in Schrankausführung geliefert" — steht in der Beschreibung. Wenn die Type E 12 mit dem Vierröhren-Apparat A 4 — wie links im Bild — kombiniert wurde, hieß das ganze A 4 E.

 

Übrigens: Die WTW- Type E 12 hatte zum Vorbild den Telefunken-Endverstärker Modell H, über den dort geschrieben steht: „Es können bis zu 15 Trichterlautsprecher angeschlossen werden".

Wenn auch die WTW mit ihrem „Endlautverstärker" ein außergewöhnliches Bauteil offerierte — ihr Angebot, das auch Dreiröhren-Einkreiser enthielt, gipfelte schließlich im Audion mit vier NF-Verstärkerstufen. Einen besonders „wissenschaftlichen" Eindruck hinterlässt dieses Geräteprogramm nicht — viel mehr konnten die Greifswalder mit ihren aufwändigen Radiomöbeln punkten (siehe auch: Bild im Anhang A I, R-Z, Seite 53).

„Die Radiofabrik Pommerns" — steht im WTW-Prospekt und im nebenstehenden Zeitungsinserat. In Sammlerkreisen wurde noch kein Gerät von ihr gesichtet. 1926 berichtete „Der Radio-Händler" (auf S. 385) noch über personelle Veränderungen in der Geschäftsleitung — dann hörte man nichts mehr — von der WTW-Gesellschaft — bis zu ihrer Auflösung im Februar 1927.

 

WTW 07 Radiotechnik