3.112 Wisi, Niefern / Pforzheim

Wisi 01 Radiotechnik


1924 hatte Wilhelm Sihn den Radio-Beginn in Leipzig erlebt, erlangte dort die Audion-Versuchserlaubnis und eröffnete in Leipzig und Dresden je zwei Radiogeschäfte unter dem Namen Sihn jr. (jr. deshalb, weil auch der Vater Wilhelm hieß). Er fertigte auch schon die ersten Detektorapparate, spezialisierte sich dann aber auf die serienmäßige Herstellung von Kristallkontaktfedern für Detektoren. Aus seiner früheren Tätigkeit in der Gold- und Silber-Scheideanstalt (Degussa) war Sihn mit den Edelmetallen bestens vertraut und lieferte seine begehrten Silber-Wendel mit vergoldeter Spitze ins In- und Ausland. Auch Antennenmaterial zählte schon zu seinem 1924er Warenangebot.

Aus dem Einzelhandel stieg With. Sihn jr. aus und verließ Sachsen, um in seiner Heimatstadt Niefern Fabrikant zu werden. Die Voraussetzungen dafür waren alles andere als günstig — die Wirtschaftskrise machte allen zu schaffen. Also beschränkte er sich vorläufig auf den „Großhandel" mit Radio-Zubehörteilen. Wie einst die Schwarzwalduhren-Hersteller, packte der Klein-Fabrikant seine Waren in den Rucksack und zog damit von einem Radiogeschäft zum andern. 1927 hatte er — wie dem „RadioAdressbuch" zu entnehmen ist — auch einige Industrie-Vertretungen. Nur langsam kam die Eigenfabrikation in Gang, erst 1932 entstand das, was man eine „Fabrik" nennen konnte.

Nun gab es in der südwestdeutschen Ecke — nur ca. 40 Km voneinander entfernt — die zwei konkurrierenden Firmen: „Hirschmann" in Esslingen am Neckar und die „Wisi" in Niefern an der Enz. Beide hatten sich dem Bananenstecker und der Antenne verschrieben und beide führten auch Detektoren und Detektorapparate im Lieferprogramm. Indes — was diese betraf, war Wilhelm Sihn jr. seinem Konkurrenten am Neckar weit voraus — der „WISI" entwickelte sich zum meistverkauften. Auch zwei andere Antennen- und Detektorhersteller: die Heliogen und Roka, konnten da nicht mithalten.

 

Die fast schon legendäre „Nr. 57" im schwarzbraunen Bakelitgehäuse gab es ab 1932 — mit kurzer Unterbrechung — über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren. In drei Ausführungen konnte man das Modell haben: die Nr. 57 ohne Spule, die Nr. 57 R (Rundfunk) mit eingebauter Spule für den Mittelwellenbereich und die Nr. 57 U mit Universalspule, umschaltbar für Mittel- und Langwellenempfang. Dazu gab es den Präzisions-Detektor Nr. 50 oder die schlichte Ausführung Nr. 64. Wenn es auch nach dem Beginn des zweiten Weltkriegs keine Radios mehr zu kaufen gab — einen Wisi-Detektorapparat konnte man zumindest in den ersten Kriegsjahren immer noch ergattern.

 

Wisi 04 Radiotechnik

 Wisi-Aufsteckdetektoren galten stets als präzise Markenartikel, vergleichbar mit dem Fabrikat „Luxor". Der hier abgebildete Aufsteckdetektor Nr. 50 ist mit einem „Galöne-Kristall" und echter Silberfeder ausgestattet. 

 

Wisi 02 Radiotechnik

 

Wisi 03 Radiotechnik

 

1932 brachte Wisi zwei Detektor-Modelle auf den Markt. In großen Stückzahlen wurde vor allem die links stehende Ausführung in Bakelit verkauft. Es gab verschiedene Typen — das Gerät im Bild ist der über ca. zwei Jahrzehnte hinweg fabrizierte WISI Detektorapparat Nr. 57 Rundfunk. Er ist auch als Sperrkreis verwendbar. Auch der rechts abgebildete WISI-Taschen-Detektorapparat Nr. 56 erschien schon 1932. Und er war auch 1936 noch in manchen Katalogen. Auf ihm steckt ein Detektor Nr. 50. (Sammlung G. Bogner)

 

Die Geschichte des Unternehmens ab 1945 wird im Kapitel 9  — Chroniken westdeutscher Nachkriegs- Radiofirmen — unter „Wisi" fortgesetzt.