3.108 Watt— Elektro-Watt, Dresden

Watt 01 Radiotechnik

Die Dresdener Firma „Watt-Elektrizitäts-AG- zählt mit ihrer RTV-Zulassung vom Oktober 1923 zu den ältesten Radio-produzierenden Firmen. Das Erstprodukt, ein Dreiröhren-Sekundärempfänger hieß Wattophon Ihm folgte ein Detektorapparat (möglicherweise Type 1), und ein Zweiröhren-Einkreisempfänger Type Wei II.

 

Watt 02 Radiotechnik

Inserat aus Kappelmayer: „Radio im Heim", 1924

 

Watt 03 Radiotechnik

Der darüber abgebildete Wattophon II hat eine Antennen- und Gitterkreisabstimmung und wird somit als Sekundärempfänger bezeichnet. Dem Audion folgen zwei NF-Verstärkerstufen. Die aufgesteckten Röhren sind ein paar Jahre jünger als das Gerät, welches aus dem ersten Rundfunkjahr stammt.
(Sammlung H.J. Liesenfeld) Siehe auch: Bild im Anhang A I, R-Z, Seite 48

 

Otto Kappelmayer, der die Firma 1924 in seinem Buch „Radio im Heim" unter die besten Firmen der Radiobranche" einreihte, erwähnte noch ein „Vierlampen-Rundfunkgerät".

 

Watt 04 Radiotechnik

 

Watt 05 Radiotechnik

 

Dieser Einröhrenempfänger Wattophon VI trägt einen RTV-Stempel vom 14.1.25. Da sein Innenleben total verbastelt ist, sind wir bezüglich seiner Funktionen auf Vermutungen angewiesen. Steckte in den zwei Buchsen (20 mm Abstand) ein Detektor? Oder wurden sie später eingebaut? Die Drehknöpfe dienen: der Abstimmung (Mitte), Heizregelung (rechts), Kopplung (links). Unklar ist die Funktion des Umschalters (links vorn). Die Bezeichnung „L" und „K" stand normalerweise für lange und kurze Wellen; ein RTV-geprüftes Gerät durfte aber keine Langwellen empfangen. War es eine Aufteilung des Wellenbereichs 200-700 m? Sollte es lange bzw. kurze Antenne heißen? Manche Hersteller sahen dafür eine Umschaltung von Serien- auf Parallel-Resonanz-kreis vor. (Postmuseum Berlin)

 

Zum Jahreswechsel 1924/25 ging die AG in Konkurs; aus ihr entstand die „Elektro-Watt-GmbH", über die „Der Radio-Händler" 1925 auf S. 134 berichtete: „Die Elektro- Watt GmbH, Dresden-N, stellte u. a. einen Einröhren-Empfänger aus, der wahlweise auch als Detektor-Empfänger verwendet werden kann". Ob das vielleicht der Wattophon VI war? 1926 berichtete das Fachjournal „Der Deutsche Rundfunk" über die Wattophon-Typen Alpha (Ein- und Zweiröhren-Primärempfänger), Beta (Drei- und Vierröhren-Neutrodynempfänger) und Delta (Achtröhren-Ultradyngerät far Rahmenempfang).

Auch diese „Fabrik hochwertiger Rundfunkapparate" litt stets an Geldmangel. Mauricio Dietrich (welcher die bisherigen Geschäftsführer: Dipl.-Ing. Otto Nippold und Karl Schmaltz abgelöst hatte) hoffte, die finanzielle Basis durch Kooperation mit der ebenfalls in Dresden ansässigen Firma Lewicki verbessern zu können. Bis 1926 hatte Dipl.-Ing. Gerhard Lewicki selbst Rundfunkgeräte gefertigt. Unter der Marke „Radiolyt" offerierte er u.a. die Modelle 3 Sub und 4 Sub. Auch ihm ging es finanziell nicht gut und die Theorie, dass aus zwei Schwachen ein Starker werden könnte, funktionierte nicht.
Der anfänglich geplante Zusammenschluss wurde so modifiziert, dass Mauricio Dietrich der alleinige Fabrikant blieb, während Gerhard Lewicki und Karl Schmaltz Elektro-Watt-Erzeugnisse vertreiben sollten. Elektro-Watt hatte anfangs auch noch ein eigenes Vertriebsnetz und Auslandsvertretungen, aber die Umsätze reichten zur Existenzsicherung nicht aus. Schon 1925 hatte eine Zusammenarbeit mit der Berliner Firma Ehrich & Graetz begonnen, die sich in der Branche bereits mit ihren Lautsprechern einen Namen gemacht hatte.

 

Watt 06 Radiotechnik

Inserat aus: „Der Radio-Händler", 1926

 

Watt 07 Radiotechnik

Gleitwiderstände etc. fertigte die Elektrowatt GmbH, und Rundfunkempfänger, welche ab 1928 als „Graetz-Radios" auf den Markt kamen. Unter „Verschiedene Geschäftsnachrichten" berichtete „Radio" am 25. November 1928, dass der Fabrikdirektor Fritz Graetz nun Elektrowatt-Geschäftsführer sei.
Der Gesellschaftsvertrag war bereits am 2. Januar 1925 abgeschlossen worden — am 19. Mai 1925 sowie am 3. September 1928 wurde er abgeändert. Graetz wurde zum Finanzier und alleinigen Abnehmer und konnte die Dresdener Firma schließlich samt ihrer Telefunken-Bauerlaubnis übernehmen. Inserat aus einem Radio-Katalog 1931. Diese Geräte kamen als Graetz-Radios in den Handel. Gefertigt wurden sie aber noch bei der Elektrowatt GmbH., welche sich zu diesem Zeitpunkt bereits im alleinigen Besitz der Firma Graetz befand.