3.105 Vogt, Berlin

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War Hans Vogt ein Radiofabrikant? Im Grunde war er’s nicht, aber die Rundfunkempfänger, welche unter dem Namen „Fabrikat Vogt“ auf den Markt kamen, wurden von ihm entwickelt und als Prototypen funktionsfähig gemacht. Vogt, der seine ersten HF-technischen Kenntnisse schon 1913 in Dr. Seibts Hochfrequenz-Laboraturium erworben hatte, zählt zu den hervorragenden deutschen Erfindern – mit weit über 100 eigenen Patenten. Einige davon sollten weltweite Bedeutung erlangen – hätten ihn und seine Miterfinder zu Millionären machen können. Es war die Idee des „sprechenden Films“. Indes, die dadurch mögliche Revolution des Stummfilms wurde 1919 weder von Dr. Seibt noch von der übermächtigen amerikanischen Filmindustrie erkannt. Annähernd zehn Jahre hatten die „Tri-Ergon“-Erfinder Vogt, Massolle und Engl vergeblich daran gearbeitet, als sie schließlich entnervt ihre Patente zu einem Spottpreis (über eine Schweizer Holding) an die Fox-Film-gesellschaft verkauften. Dort begann 1928 der Siegeszug des Tonfilms und dort wurden schließlich die Millionen verdient.

 

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Bild aus: „Funk“, 1927 Das „Elektrostatische Telephon“ wurde der „Tri-Ergon-AG“, Zürich am 3.2.1920 patentiert.

 

Ein Glied in der Kette der Tonfilm-Entwicklungen war der elektrostatische Lautsprecher, den sich Hans Vogt, sein Erfinder, ebenfalls patentieren ließ. Ein 1927 verbessertes „Statophon“-System sollte auch im Rundfunksektor Raum greifen. Vogt schuf einen dafür geeigneten Empfänger. Die Serienfertigung übernahm Reico, Berlin; sie nannte den Empfangsteil „Typ R.F. Vogt“.

 

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Nur 1928 stand Vogts Oszillophon-Lichtnetzanschluss-Empfänger in den Radiokatalogen,z.B. Bei Diehr und Prohaska.

 

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Der Vogt-Dreiröhren-Radioapparat Oszillophon in der Gleichstrom-Ausführung von 1928. Die Wechselstrom-Ausführung wurde mit den Röhren: RENS 1204, REN 904 und RE 604 bestückt; zur Gleichrichtung diente die Vogt-Spezialgleichrichterröhre R 4 mit drei Anoden. (Sammlung L. Potthoff)

 

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Inserat aus: „Radio“, Februar 1928

 

360.- Mark für einen Dreiröhren-Einkreiser – das konnte man nur für ein Radiogerät mit außerordentlichen Qualitäten verlangen (der Siemens-Protos kostete im selben Jahr 245.- Mark). Hans Vogt entwickelte aber auch noch sein großes Schrankgerät Oszillofar, welches von Blaupunkt gebaut wurde. Und das war mit seinem Preis von 2370.- Mk. sicher nicht mehr fürs traute Heim gedacht. Schnell stellte sich heraus, dass die Vogt-Geräte, auch wenn sie durch ihre neue Tonqualität (mehr Höhen als Tiefen) aus dem Rahmen fielen, für den Normalverbraucher zu teuer waren. Die Umsätze stagnierten, und die Fertigung beider Modelle wurde schon nach der ersten Serie wieder eingestellt. Offen ist die Frage, ob der Oszilliphon in Wechselstrom-Ausführung überhaupt noch fabriziert wurde. 

 

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Inserat aus dem R.D.F.-Radiokatalog (Radio Diehr) 1928, S. V.

 

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Hans Vogt bei Experimenten an seinem Statophon-Lautsprecher (dem Buch „Die Erfindung des Tonfilms“ 1954 entnommen).

Oszilloplan-Lautsprecher siehe Kapitel 12.

 

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Inserat-Teil aus: „Der Deutsche Rundfunk“, August 1928

 

 

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Vogt musste aber nicht nur Misserfolge einstecken. Als äußerst erfolgreich erwies sich sein 1933 entwickelter und patentierter HF- Eisenkern „Ferrocart“. Auf Grund dieser Erfindung konnte er Fabriken in Berlin-Neukölln und Erlau/Bayern aufbauen, und endlich satte Gewinne einfahren. Neunzigjährig starb der hoch geehrte Dr. rer. nat. h. c. Hans Vogt 1979 in Erlau.