3.103 Telos, Stuttgart

Telos 01 Radiotechnik

Man schrieb den 11. Januar 1924, als Anton Ernst Pinggera in Stuttgart sein „Spezialbüro für Radiotechnik“ gründete; zuvor war er Vertreter elektrotechnischer Firmen. Geld hatte Ping- gera keines – er brachte seinen kleineren Gesellschafteranteil in Form einer Sacheinlage ein. Das „Bare“ stammte von dem bedauernswerten Paul Mäule, einem schwerkriegsbeschädigten Offizier. Sein Erspartes – die dreieinhalbtausend Goldmark – hatten sich schon sieben Monate später zwischen den Radiowellen im „Äther“ aufgelöst. Pinggera war bankrott – Konkurs. Am 12. August 1924, nachmittags um 4 Uhr, war Mäules Traum von der gewinnbringenden Anlage ausgeträumt. Mit „Telos“ war er nun auch noch sein Geld los – am Stock war er schon vorher gegangen.

Die A.E. Pinggera GmbH ist das typische Beispiel einer 1924er Pleitefirma. Einige hundert derartiger Radioproduzenten, die weder eine Bauerlaubnis hatten, noch die RTV-Zulassung, wurden damals vom Verband der Radio-Industrie strafrechtlich verfolgt. Pinggera hatte zwar im Mai 1924 noch die RTV-Zulassung erhalten; ob aber diese „Spezialfabrik für Radiotechnik“, die gar den „Bau von Radio-Sendestationen“ auf ihre Fahnen geschrieben hatte, dann auch Gebühren bezahlte, das ist nicht aktenkundig.

Wären nicht im tiefen Keller eines alten Stuttgarter Photo- und Radioladens (siehe 1.6.) noch einige Telos-Produkte gefunden worden, und hätten nicht die Recherchen im Staatsarchiv vergilbte Akten zutage gefördert, dann wäre diese Geschichte der Vergessenheit anheim gefallen – wie hundert andere auch.

 

 Telos 02 Radiotechnik

 

Zu den Sternstunden des Radiosammlers zählt die Gelegenheit, in den Kellerraum eines seit 1924 existierenden Radiogeschäftes hinabsteigen zu dürfen, in dem verstaubte und längst vergessene Relikte schlummern. Solch einem Fund entstammen einige Telos-Geräte, die Anton Ernst Pinggera 1924 gefertigt hatte, aber nicht mehr verkaufen konnte. Das hier abgebildete ist sein Erstmodell TE 1, bestückt mit der Telefunken-Thorium-Röhre RE 78.

 

Telos 03 Radiotechnik

 

Der Empfänger TE 3 (siehe unteres Bild) enthält oben das Audion; es ist dem Siemens Rfe.1 nachgebaut. Im schmalen Teil darunter befindet sich ein NF­Verstärker mit zwei Röhren, der dem Audion über Steckverbindungen
nachgeschaltet ist. Die Röhren: eine RE 11 und zwei Telefunken C.

Rechts steht ein Zweiröhrenradio (ohne Typenbezeichnung) mit Wechselspulen, das 1924 an Personen, die nicht im Besitz einer Audion-Versuchserlaubnis waren, gar nicht hatte verkauft werden dürfen. Das Dreiröhrengerät im Hintergrund ist ein NF­ Verstärker mit eingebautem Lautsprechersystem; der Trichter wurde oben aufgesteckt.

 

Telos 04 Radiotechnik