9.107 SABA, Villingen

 

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Nach der Übernahme von GT & E entwickelten die Amerikaner neue Pläne für die Firma SABA.

Ein Systemtechniker, ehemaliger Mitarbeiter der Firma Honeywell Bull GmbH, mit Sitz in Köln und Stuttgart und Technikerstützpunkt in Rottweil, berichtet erst im Jahre 2021, wie die Verwaltung bei Saba in Villingen modernisiert werden sollte, man spürt also den Einfluss der Amerikaner in Villingen. Eine EDV gestützte Warenwirtschaft, Verwaltung, Lohnabrechnung und zeitgemäße Vertriebsteuerung wurde 1972 beschlossen und ein Jahr später eingeführt. Dieser Systemtechniker heißt Reinhard Nedela, im Jahr 1970 umgeschult von Radio- und Fernsehtechnik zum Computertechniker und kann sich an die Zeiten noch gut erinnern:  

 

Eine Honeywell H-2050 wurde im neuen SABA Rechenzentrum mit einem Doppelboden und Klimaanlage in Villingen installiert, wenige Bilder aus der Zeit sind erhalten. Diese Modernisierung nach einem zu leistungsschwachen Kienzle Rechner erforderte neues Wissen und genaue Planung von der Datenübernahme, hin zur neuen Klimaanlage, die Stromversorgung bis hin zu Sicherheit eines "closed shop" Rechenzentrums, wie bei der BAKOLA in Freiburg oder anderen Regionalbanken Sigmaringen und Radolfzell, dort standen die Honeywell Rechner vom Typ H-200 schon in den Jahren seit 1969.  Auch die Schuhproduktion der Firma Rieker im benachbarten Tuttlingen hatte eine Honeywell H-200 im Einsatz, Programmierer waren meist angelernte und umgeschulte Maler, Architekten oder andere Quereinsteiger, denn ein Angebot COBOL oder Fortran zu studieren konnte man damals noch nicht finden. Der Begriff IT oder Informationstechnologie kamen erst später auf, damals hieß das Elektronische-Daten-Verarbeitung.  

 

Die Leistungsdaten der Honeywell Computer-Anlage waren mit 64 K Kernspeicher, zwei Walzendruckern, einem Loch-Kartenleser, einem Lochkartenstanzer, 8 Bandlaufwerken und 7 Winchester Disks damals sehr modern, aber ungefähr 4000 x langsamer in Bezug auf Taktzyklen als ein PC von heute. Trotzdem auf der Höhe der Zeit!

 

      Honeywell H2000

 

Im Werksverkauf 1972 erworben, IMG 1532 läuft auch im Jahr 2021 noch genau

 

SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik

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Insider Wissen: Was macht die General Telephone & Electronics (GT & E) mit der Erfahrung, SABA zu besitzen?

Die Amerikaner sehen in dieser mittelständischen deutschen Firma ein gutes Vorbild, auch in anderen Ländern ein Geschäft zu machen. In Verhandlungen mit dem sozialistisch geprägten Staat Algerien wird verhandelt, im kommenden Fünf-Jahres-Plan auch eine Radio-, Fernseh-, und Autoradioproduktion für Nordafrika zu etablieren. Man will sogar die Produktion von Halbleiter Chips in diesem Entwicklungsland aufnehmen, Verträge werden also mit US basierten Halbleiter Produzenten Texas Instruments und Motorola mit in den Fünfjahresplan aufgenommen.

 

Eine Kopie der Firma Schwarzwälder Apparate Bau Anstalt, in Bezug auf Größe und Mitarbeiter wurde geplant in Algerien zu installieren, die Arbeitskräfte sollten zuerst aus Canada, USA und Europa kommen und Schritt für Schritt auch lokale algerische Techniker ausgebildet werden. Einige Duzend wurden aus Universitäten von Algier und Oran angeworben und in europäischen Halbleiter-Produktionsstandorten umgeschult und mit dem Projekt vertraglich verpflichtet, nach einem Europa-Jahr nach Sidi bel Abbès zurückzukehren.  Das erfolgte nicht immer, das europäische Leben war doch so anders wie im Heimatland und einige entschlossen sich in Europa zu bleiben, denn sie hatten eine gute Ausbildung und sofort Arbeit, daher waren Auftenthaltsgenehmigungen in den Jahren 1976 und später einfach zu erreichen.     

 

Nun kommt wieder Reinhard Nedela mit in die Szene, denn er gehörte nur bis 1975 bei Honeywell-Bull in Paris dem internationalen Support für die Computer Serie H-200 und H-2000 an und wechselte danach zur Firma GCA International in Kreuzlingen, um dort mit Prozessrechner und Computererfahrung ab 1976 Projekte in Europa zu installieren. Die GCA war der europäische Ableger von der amerikanischen GCA David Mann Corp. in Burlington, Massachusetts, dem damaligen Marktführer für Pattern Generator und Photo Repeater zur Herstellung von Arbeitsmasken, die in der Belichtung der 3 Zoll und 3,5 Zoll Silicon Wafer benötigt wurden.  

 

GT & E vereinbarte im Fünfjahresplan ab 1977 auch die Halbleiterherstellung im Werk Sidi bel Abbès südlich von Oran in Algerien aufzubauen. Die Produktionshallen standen schon und ein in Weltraumverpackung gehüllter Pattern Generator von David Mann wartete in einer offenen Garage auf dem Flughafen der früheren (berüchtigten) Fremdenlegionärsstadt auf die Installation im Reinraum der Algerier.  GCA Kreuzlingen bekam den Auftrag 1977 die Installation und Schulung durchzuführen, Reinhard Nedela konnte Französisch und kannte aus der Vergangenheit SABA, durch Mitarbeit in der Tonbandgeräte Produktion in Friedrichshafen und der Installation des Honeywell Computers im Hauptwerk in Villingen.

           

Also Visum beantragen und planen für 3 Wochen nach Algerien über Zürich - Lyon - Oran zu fliegen. In der etwas rauen Umgebung im Wüstensand oder kurz vor der Sahara wurde er empfangen, um in einem Camp bei den Kanadiern zu leben, auch andere Techniker aus USA waren angereist und haben Flatbed-Plotter und weitere Produktionsanlagen für ihre Firmen installiert. Beim Auspacken des Pattern Generators 3000 stellten wir fest, die nordafrikanische Hitze und die frostigen Nächte in der Wüstenregion machten dem Präzisionsinstrument nichts aus, weil ein Jahr vorher alles so gut eingefettet wurde und luftdicht verpackt (Weltraumverpackung) war. Wir konnten innerhalb der ersten 3 Tage die DIGITAL PDP-8 in Betrieb nehmen und das erste Reticle belichten. Eine Xenon Blitzlichtlampe belichtete die Emulsionsschicht mit dem Mustern (Pattern), die auf einem Tektronix Display ursprünglich entwickelt wurde und mit einem Lochstreifen über die TeleType (wie ein Telex-Schreib-System) an der PDP-8 eingelesen wurde. Natürlich musste auch etwas schief gehen, der DIGITAL Computer fiel am 10. Tag aus, ein Logic Chip musste gefunden werden, war aber in Algerien nicht zu haben, also Reise abbrechen und später wiederkommen, würde man gerne sagen, doch so einfach ist das Leben in einer sozialistischen Umgebung nicht.  

       GCA David Mann Pattern Generator 3000 mit TTY und PDP 8

Reinhard Nedela musste auf die National Bank und das Visum musste so verändert werden, dass eine verfrühte Rückreise vom Staatsapparat erst erlaubt werden konnte. Erst dann konnte die Firma GCA in Kreuzlingen den Flug umbuchen und den Rückflug organisieren.

 

Der 2. Flug nach Oran mit dem Ziel Sidi bel Abbès wurde im Jahr 1978 beim Anflug übers Mittelmeer von einem sehr seltenen Blick auf den verschneiten Atlas begleitet. Dieses Schauspiel kommt nur alle 10-15 Jahre vor und alle Passagiere in der Swissair waren überwältigt in Nordafrika Schnee auf 9000m Flughöhe in Richtung Süden zu sehen.  Leider traf das McDonnel Douglas Flugzeug ein Blitz und alle Passagiere erschraken sehr und waren voller Angst, der Kapitän gab aber durch, dass nichts Ernsthaftes passierts sei und die Wetterverhältnisse über dem Mittelmeer in der Nähe des Atlas zu solchen unvorhersehbaren Gewittern führen könnten.

 

Die Reparatur war erfolgreich und die Schulung der Mitarbeiter ging einfach voran, denn einige Techniker waren bei GI in Schottland andere bei Valvo in Hamburg und einige bei SGS in Milano auf dem Pattern Generator von David Mann geschult worden. Alle Firmen wie Siemens, IBM, Motorola, Texas Instruments und andere, die in der Dekade 1976 bis 1986 Halbleiter zeichneten, benutzten diese Geräte, nun auch die National Companies of Electronic Industries in Sidi bel Abbès. Der Komplex, der aus dieser Entwicklung heraus entstanden ist, ist in Google Maps gut zu erkennen. 

 

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