11. Kapitel – Chroniken ostdeutscher Nachkriegs-Radiofirmen ab 1945 mit kommentierten Bildbeispielen aus dem Fertigungsprogramm

Auch dieses Kapitel sollte wieder mit einem Einleitungstext beginnen. Der jedoch würde sich von den einleitenden Texten des 9. Kapitels kaum unterscheiden. Wiederholungen sind unnötig – deshalb sei an dieser Stelle auf die dortigen Ausführungen verwiesen.

 

Firmenverzeichnis

11.1 Alfa Radio, Olbernhau

11.2 Antennenwerke Bad Blankenburg (vormals Heliogen) *

11.3 Ares, Sedlitz

11.4 Blohm, VEB Elektronik und Elgawa, Plauen

11.5 EAW, Elektro­Apparate-Werke Treptow (auch AT/EAT, vormals AEG) *

11.6 EFM, Mittweida (vormals Lorenz) *

11.7 Ehra, Werdau

11.8 Elbia, Schönebeck / Elbe und Calbe / Saale

11.9 Elektrobau (EBS) und Klare, Sondershausen

11.10 Elektrogerätebau Kraly, Cranzahl

11.11 Elektro Physikalische Werkstätten, Neuruppin

11.12 Elmug – EAH – Goldpfeil, Hartmannsdorf

11.13 EMW, Cranzahl

11.14 Erzmann, Zwönitz

11.15 Fernmeldewerk Arnstadt (vorm. Siemens) *

11.16 Fernmeldewerk Treptow (vormals Graetz) *

11.17 Funkbau Schaefer, Berlin

11.18 Funkmechanik, Neustadt-Glewe

11.19 Funktechnisches Laboratorium Bad Klosterlausnitz

11.20 Funkwerk Dabendorf (vormals Lorenz) *

11.21 Funkwerk Dresden (vormals Mende) *

11.22 Funkwerk Erfurt (vormals Telefunken) *

11.23 Funkwerk Halle

11.24 Funkwerk Leipzig (vorm. Körting-Radio) *

11.25 Funkwerk Zittau (vormals Seibt) *

11.26 Gerufon, Quedlinburg

11.27 Halbleiterwerk (HWF) Frankfurt / Oder

11.28 Hegra, Berlin *

11.29 Heli-Radio, Limbach-Oberfrohna

11.30 Hescho-Tridelta, Hermsdorf (vormals Hescho AG) *

11.31 HFWM – Julius Karl Görler, Meuselwitz *

11.32 JLB-Radio, Burkhardtsdorf

11.33 John-Radio, Apolda

11.34 Juschka, Eisenach

11.35 Madeburger Armaturenfabrik (AMA)

11.36 Neutro-Werk, Kölleda

11.37 Niemann – Sonata, Halle

11.38 Nordfunk, Dömitz/Elbe

11.39 Pellegrinetti, Obercunnersdorf

11.40 Radio-Elektro Weger, Zeesen

11.41 Radio Grosse, Berlin

11.42 Radio Jäckel, Funkwerkstätten Bernburg

11.43 Radiomechanik C. Höhne, Radebeul

11.44 REG – Rostocker Elektro-Gerätebau

11.45 Reitz & Co., Radis

11.46 Rema, Stollberg

11.47 Robotron (Kombinat)

11.48 Rundfunkwerkstätten Matuszak, Radeberg und Obercunnersdorf

11.49 Ruwel. Berlin- Rahnsdorf

11.50 Sachsenklang, Leubsdorf

11.51 Sachsenwerk, Niedersedlitz und Radeberg *

11.52 Schieren, Bärenstein

11.53 Simonis, Warnemünde

11.54 Stern-Radio, Berlin (vormals Opta-Radio) *

11.55 Stern-Radio, Leipzig (vormals Opta-Radio, Phonetika Radio GmbH) *

11.56 Stern-Radio, Rochlitz (vormals Graetz) *

11.57 Stern-Radio, Sonneberg (zuvor: EAK / AEG)

11.58 Stern-Radio, Staßfurt (vormals Staßfurter Rundfunk) *

11.59 Tonfunk, Ermsleben

11.60 TPW, Thalheim (vormals AEG) *

11.61 Walter Funk Werk, Lauscha

11.62 WHM – Walter Hartenstein, Mühltroff

11.63 Woha-Werkstätten, Halle

* Die so gekennzeichneten Firmen fertigten Radios unter dem gleichen oder einem anderen Firmennamen schon in der Vorkriegszeit.
Den Anfang ihrer Firmengeschichte enthält das Kapitel 3 – Chroniken deutscher Radiofirmen ab 1923.
(Siehe Hinweis am Anfang der Firmengeschichte).

Die westdeutschen Nachkriegs- Radiofirmen sind, aus verschiedenen Büchern zusammengefasst, im Kapitel 9 dokumentiert. Auch bei den ostdeutschen Nachkriegs- Radioherstellern erfolgte eine solche Zusammenfassung. Bisher konnte man ihre Geschichten – sporadisch und zeitversetzt – in mehreren Büchern finden:
in „Historische Radios“ Band II (G.F. Abele 1996), auch im Band IV (Abele 1999); ferner in „Die Geschichte der Rundfunkindustrie der DDR“ (B. Hein, 1. Aufl. 2000, 3. Aufl. 2003); und schließlich in „Radio-Chronik“ (Abele 2003).

Nachfolgend sind die überarbeiteten und durch Neuzugänge ergänzten Firmengeschichten aus den Bänden „Historische Radios“ und „Radio-Chronik“ folgerichtig dokumentiert. Einige der Kleinhersteller, welche Bernhard Hein noch in die dritte Auflage seines Buches „Die Geschichte der Rundfunkindustrie der DDR“ einfügen konnte, wurden im folgenden nicht berücksichtigt (die Hein- Buchreihe, in der die Ost- Radioindustrie erschöpfend behandelt wird, ist zu empfehlen). In der hier vorliegenden „Radio Chronik“ sind die im Kapitel 11 fehlenden Klein- bzw. Kleinst- Hersteller im Anhang B I zu finden – mit Quellenhinweisen.

 

Der Radiosammler findet auf DDR - Radiogeräte - Rückwänden und auch auf Einzelteilen, Röhren, Lautsprechern usf. mitunter ein Dreieck. Es ist ein Gütezeichen.

Die Zahl 1 bedeutet: hohe Güte, (mit anderen Weltmarkterzeugnissen vergleichbar). Die Zahl 2 kennzeichnet Erzeugnisse geringerer Güte oder: veraltet in der Technik (entsprechende Geräte wurden zumeist den DDR-Bürgern angeboten). Geräte mit einem Dreieck ohne Zahl genügten den Mindestanforderungen. Dann gab es noch die Kennzeichnung S – später Q, für Spitzen- bzw. Qualitätserzeugnisse.

 

2. Kapitel – Die Radiogeschichte der dreißiger Jahre

 Im vergangenen Jahrhundert war sowohl das zweite wie auch das dritte Jahrzehnt durch Not und Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Und doch ging es mit der Rundfunktechnik unaufhaltsam nach oben. Am Ende der erfolgreichen Dreißiger konnte Deutschland mit Spitzenleistungen aufwarten. Aber den Jahren des Aufstiegs folgte ein tiefer Sturz: der beginnende Krieg sollte alles Erreichte wieder zunichte machen.

 

2.1 Das Radio in der Wirtschaftskrise

Man schrieb das Jahr 1929, als die Glühlampe fünfzig Jahre alt wurde. Albert Einstein nahm dies zum Anlass, dem Erfinder Thomas Alva Edison seine Glückwünsche zu übermitteln – per Radio! Die deutsche Wirtschaft litt noch unter Reparationslasten und war in weiten Bereichen vom Auslandskapital abhängig, aber sie florierte. An Arbeitsplätzen herrschte kein akuter Mangel. Das sollte so nicht bleiben. Mit dem Zusammenbruch der New Yorker Börse am 29. Oktober, dem „Schwarzen Freitag“, begann die Weltwirtschaftskrise, deren Auswirkungen 1929 noch nicht abzusehen waren. Es standen schlimme Jahre bevor. Man zählte in Deutschland zum Jahresende 1930 schon 4,4 Millionen Arbeitslose, ein Jahr später 5,66 Millionen und 1932 wurde die 6 Millionen Grenze noch überschritten. Über dreißig Prozent hatten keine Arbeit.

Die Kassen von Staat und Kommunen waren leer, Löhne wurden reduziert und in Raten bezahlt. Zusammenbrüche kennzeichneten das Wirtschafts- und Finanzwesen. Und trotzdem wurde Neues geschaffen, auch in diesen schlechten Zeiten. In Berlin entstand Poelzigs neues Funkhaus und in Mühlacker bei Stuttgart wurde Deutschlands erste Großrundfunk-Sendeanlage erstellt. Die Antenne zwischen zwei 100 Meter hohen Türmen aus Pechkiefernholz strahlte 60 kW Sendeleistung ab. Billiger produzieren lautete die tägliche Forderung in der Radiofabrikation und die Techniker mussten rationelle Fertigungsverfahren entwickeln. Bei Großserien wurde nach und nach das Fließbandverfahren eingeführt. Und neue Modelle gab es, man musste schließlich im Wettbewerb bestehen.

 

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In der Wirtschaftskrise war es nötig, besonders billige Radios auf den Markt zu bringen. Der primitive Geadux steckte in einem Pappgehäuse. Auch Siemens warb 1930 mit billigen Modellen, zu den Gerätepreisen mussten aber noch die Röhrenpreise addiert werden.

 

1930 wurden batteriebetriebene Geräte zur Randerscheinung. Radios aller Klassen bekamen nun den Netzanschluss für Gleich.- oder Wechselstrom. Schwerpunktmäßig wurde der preiswerte Einkreiser in der Preisklasse 90 bis 150 RM (Reichsmark) verkauft; mit eingebautem Lautsprecher 150 bis 200 RM. Das belegen statistische Notierungen, wonach der Durchschnitts Bruttopreis, allerdings ohne Röhren, je Gerät 1930 bei 138,73 RM, 1931 bei 133,18 RM und 1932 bei 145,24 RM lag.

In diesen Durchschnittspreisen eingeschlossen sind auch die allerteuersten, mit HF Schirmgitterröhren bestückten Dreikreiser, die 1930 knapp 1.000 Mark kosteten. Man kann sich leicht vorstellen, in welch geringen Stückzahlen solche Geräte gebaut wurden. In der Wirtschaftskrise war es nötig, besonders billige Radios auf den Markt zu bringen. Der primitive Geadux steckte in einem Pappgehäuse. Auch Siemens warb 1930 mit billigen Modellen, zu den Gerätepreisen mussten aber noch die Röhrenpreise addiert werden. Luxusgeräte zu Preisen bis 2.400 RM, wie sie 1928 noch angeboten worden waren, konnte man im Katalog von 1930 schon gar nicht mehr finden.

 

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1931 wurden zahlreiche Neuentwicklungen vorgestellt und die Preise gaben weiter nach. Den neuesten Telefunken-Dreikreiser 340 W (auch Katzenkopf genannt) bekam man schon für 245 RM (Reichsmark), mit eingebautem Lautsprecher für 320 RM. Aber das Interessante von 1931: eine zweite Superhet Generation war im Begriff, den Radiomarkt neu zu beleben. Lumophon war mit dem W600 noch nicht der große Wurf geglückt, aber die Stassfurter schafften mit dem Imperial Junior den Durchbruch. Wenn auch die Stassfurt Werbung: „der selektivste Fernempfänger der Welt“ anzuzweifeln ist, waren seine Empfangsleistungen so überzeugend, dass im folgenden Modelljahr alle namhaften Fabrikate nachzogen und mit Superhet-Empfängern auf den Markt kamen. 

Und neben der Superhet-Entwicklung begann sich 1932 noch eine technische Neuheit durchzusetzen: die Schwundregelung bzw. die in Amerika erfundene Fading Kompensation. Solch ein Schwundausgleich, den SABA als einzige deutsche Firma schon 1931 in ihrem Dreikreiser 41W hatte, bewirkte, dass die Lautstärke unabhängig von schwankender Feldstärke des jeweils empfangenen Senders in bestimmten Grenzen etwa konstant blieb. Anscheinend hatte sie die Krise also ganz gut gemeistert, die Rundfunkwirtschaft. SABA zum Beispiel konnte seine Fertigungskapazitäten beträchtlich erweitern, stieg sogar zum Marktführer auf. Doch es gab Unterschiede, nicht allen ging es gut. Und es drückte ein Überangebot auf den Markt.

Insbesondere aber litt der Handel durch eine Vielzahl unqualifizierter Nebenerwerbshändler. Der Reichsverband Deutscher Funkhändler e.V. Berlin (RDF) schrieb in einem Rundschreiben vom November 1932: „Der gesamte Funkhandel steht vor dem Zusammenbruch. Was ist schuld? Täglich entstehen Hunderte neuer Funkhändler. Grossisten aller Branchen züchten neue Funkhändler“. Nicht nur die Verbände RDF und VDFI wetterten gegen die „Preisschleuderer“ und Nebenerwerbshändler, auch der Radio Großhändler Verband e.V. versuchte, seine Mitglieder zur Ordnung zu rufen. Zitat aus dem Brief an einen Radiohändler in Dresden:

„Nach zuverlässigen Angaben beliefern Sie Herrn Schröder, der Bäcker ist, mit Radio ­Artikeln. Ich bitte um Mitteilung, ob die Angaben richtig sind und ob Sie tatsächlich diesen Bäcker, der keinerlei „Imperial jr. der selektivste Fernempfänger der Welt“ - schrieben die Stassfurter in ihrem Werbeprospekt Radio-Lager hat, weiterhin zu beliefern gedenken.“

 

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Im Dezember 1932 warnten schließlich auch fünfzehn führende Gerätefabrikanten vor dem Verschleudern der Markenartikel. Es war also mehr eine Krise des Handels, welche die Hersteller nur indirekt betraf. Mit einem gesamten Geräteumsatz von 1.127.921 Stück im Jahr 1930, noch 993.249 Stück im Jahr 1931 und 1.045.985 Stück im Jahr 1932 konnte die Rundfunk Wirtschaft durchaus zufrieden sein. Andere Industriezweige wären über solche Ergebnisse beglückt gewesen.

 

 

 

2.2 Rundfunktechnische Werke werden zu Markenbegriffen

Schon Ende der zwanziger Jahre waren zahlreiche der Firmen vergessen, die zu Beginn des Rundfunks zu den bekannten Marken gezählt hatten. Die Marktbereinigung hatte sich fortgesetzt, die Wirtschaftskrise ein übriges getan. Nachdem Mitte 1932 die Talsohle der Rezession durchschritten war, konnten die Radiowerke (auch mit den neu entwickelten Superhets) ein befriedigendes Weihnachtsgeschäft verbuchen. Wer hatte überlebt? Wer zählte zu den Künftigen?

 

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Inserat aus: „Funktechnische Monatshefte“, Februar 1932

 

Dominierend war natürlich die Unternehmensgruppe TelefunkenAEG und Siemens, die mit zusammen ca. 25% Marktanteil an der Spitze lag. Ihnen folgten die insgesamt dreißig „Bauerlaubnisnehmer“, 1932/33 angeführt von SABA, der Schwarzwälder Apparate-Bau-Anstalt in Villingen. Schon 1924 war SABA auf dem Markt, zunächst mit Kopfhörern (wie 100 andere Firmen auch); dann mit hochwertigen Einzelteilen und schließlich mit kompletten Geräten. Mit einer Tagesproduktion von fünfzig Stück bestieg Hermann Schwer 1927 die Erfolgsleiter und zog im Verlauf von fünf Jahren an sämtlichen Konkurrenten vorbei. Mit geringem Abstand folgte Mende, das Dresdner Radiowerk, welches – schon 1923 gegründet zu den frühen Marken zählte. Nach steilem Anstieg war Mende 1930/31 und 1931/32 (vor SABA) zum Marktführer geworden.

Die dritte im Bunde der Firmen, welche 1932/33 die Umsatzgrenze von 10 Millionen überschritten hatten, war Nora – das von der Aron Elektrizitätszählerfabrik 1924 in Berlin gegründete Radiowerk. Mit einer außergewöhnlichen Modellvielfalt gehörte Nora schon in den Zwanzigern zu den Marktführern.

 

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Es folgten:

C. Lorenz AG, Berlin-Tempelhof

Lumophon ­Werke, Bruckner & Stark, Nürnberg

Reico, Reinhardt & Co., Berlin

Schaub Apparatebau GmbH, Berlin

Ideal-­Werke AG (später Blaupunkt), Berlin

Dr. Georg Seibt, Berlin-Schöneberg

Staßfurter Licht- u. Kraftwerke AG, Staßfurt

Loewe-Radio GmbH, Berlin-Steglitz

Owin-Radio-Apparate-Fabrik GmbH, Hannover

Sachsenwerk Licht- und Kraft AG, Niedersedlitz

Tefag Telefonfabrik AG (ehem. J. Berliner), Berlin

Roland Brandt, Gerätewerk, Berlin

Johannes Lange, Radio-Apparate-Fabrik, Plauen

Körting, Dr. Dietz & Ritter GmbH, Leipzig

 

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Vor 1932 war Körting unter den Geräteherstellern nicht zu finden. Aber die Niederfrequenz-Transformatoren der Körting & Mathiesen AG waren schon 1924 zu einem Qualitätsbegriff geworden (sogar in frühen Telefunken Geräten findet man Körting NF Trafos). Auch mit hochwertigen dynamischen Lautsprechern und Netzanoden hatte sich Körting einen Namen gemacht. So konnte das Radiowerk (im ersten Fabrikationsjahr nur mit Geradeausempfängern) auf Anhieb einen Umsatz von ca. 1,5 Millionen erzielen. Das war ein Marktanteil von fast einem Prozent. Im Folgejahr erhöhte er sich schlagartig auf gut 5 Prozent. Abgeschlagen im Rennen mit einem Marktanteil von 0,5 bis 0,004 Prozent lagen die restlichen dreizehn Bauerlaubnisnehmer von 1932/33:

 

Emud, Ernst Mästling, Radioapparatebau, Ulm

Neufeldt & Kuhnke (später auch Hagenuk), Kiel

Sevecke, Frankfurt-Höchst (später Braun)

Schneider Opel AG, Frankfurt

Radiofunk (Grassmann), Berlin

Wega, Württ. Radioges. mbH, Stuttgart

Klenk & Co, Stuttgart

DeTeWe, Deutsche Telephon u. Kabel AG, Berlin

TeKaDe, Süddeutsche Telefon-, Kabel- und Drahtwerke, Nürnberg

Elektrowatt (vorm. Watt, später Graetz), Berlin

Koch & Sterzel AG, Dresden

Frey­-Radio, Freiburg / Berlin

Ferdinand Schuchhardt AG, Berlin

 

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2.3. Die dreizehn „Unbedeutenden“

Was wurde nun aus diesen dreizehn Unternehmen, die zusammengenommen gerade mal einen Marktanteil von knapp 1,5 Prozent repräsentierten?

 

Emud, mit 0,5 Prozent vom Gesamtumsatz der Größte aus dieser Gruppe, setzte 1932/33 ca. 765.000 RM um, die Anzahl der verkauften Geräte betrug 15.333 Stück; das entsprach einem Mengen Marktanteil von 1,5 Prozent. Zum Vergleich: der Körting Umsatz betrug mit 9.785 Geräten 1.480.000 RM, der mengenbezogene Marktanteil war 0,9 Prozent. Dies würde – wenn man der Statistik glauben darf – bedeuten, dass der Geräte Durchschnittspreis (ohne Röhren) bei Körting ca. 150 RM, bei Emud aber nur ca. 50 RM betrug. Das klingt unwahrscheinlich, doch bei Körting sind wohl beachtliche Einzelteil Umsätze in das Ergebnis eingeflossen. Wie dem auch sei, Emud lag in der untersten Preisschublade und verkaufte schlichte „Volksradios“ – noch unter dem Preis des späteren VE 301. Mit diesen Produkten hatte sich Ernst Mästling zum Markenfabrikanten gemausert, konnte seinen Marktanteil erhöhen und blieb bis Ende der Sechziger im Geschäft.

 

Neufeldt & Kuhnke produzierte gerne Ausgefallenes, konnte aber weder in der Vorkriegs.- noch in der Nachkriegszeit größere Marktanteile verbuchen.

 

Carl Sevecke stellte in seiner elektrotechnischen Fabrik in Höchst am Main schon Mitte der zwanziger Jahre C.S.H.-Röhrenempfangsgeräte her, hauptsächlich aber Verstärker. Den meisten Sammlern ist die Firma und deren Fabrikate unbekannt. In den üblichen Radiokatalogen waren sie auch nicht zu finden. Max Braun war an einer Produktionsfirma mit Telefunken Bauerlaubnis interessiert, arbeitete zunächst mit Sevecke, kam schließlich in den Besitz des Fabrikates und 1933 auch mit (echten) Braun Radios in die Kataloge.

 

Schneider-­Opel galt 1924 im Rhein Maingebiet als die führende Radiofabrik. H.W. Schneider war der kaufmännische Geschäftsführer, Dr. Lertes und Ing. Pfeifer hatten die Entwicklerqualitäten, die Herren von Opel das Geld. Nach steilem Anstieg stagnierten die Umsätze. Zum Ende der Zwanziger wurden keine Gewinne mehr erzielt; 1932 ging das Unternehmen in Konkurs. Danach gab es in Berlin die Schneider Opel Großhandlung. Radiofunk (genauer: die „Radio Funk Werkstätten“ R.F.W.) war ein Zweig der Lautsprecherfirma Grassmann (Helios Lautsprecher), welche ab 1933 unter diesem Namen eine (Afrika-) Geräteserie herausbrachte. Togo, Tabora, Kamerun, Samoa und Simba wurden die Geräte getauft. Dann gab es von R.F.W. – auch Rund Funk Werkstätten genannt – Gemeinschaftserzeugnisse: Volksempfänger und Radio Union Einkreiser. 1941 wurde Grassmann (mit der Lautsprecherfertigung) in den Löwe Firmenverband eingegliedert. (Aus „Loewe“ wurde damals „Löwe“ – siehe Kapitel 3.51) Wega, im Januar 1924 als „Württ. Radiogesellschaft“ gegründet, konnte sich weiterentwickeln, produzierte in den Dreißigern (ähnlich Emud) vorzugsweise preiswerte Geradeausempfänger und kam in der Nachkriegszeit erst richtig ins Geschäft.

 

Klenk, 1924 von Dr. O. Schriever und Ludwig Klenk mit Sitz in Stuttgart gegründet, war und blieb ein Kleinbetrieb. Bis 1932/33 fertigte Klenk & Co vorzugsweise Empfangs.- und Verstärkeranlagen für Gaststätten und Saalveranstaltungen. Nach Einstellung der Produktion wurde die Firma zum Radio.- Fachgeschäft, das bis 1939 existierte.

 

DeTeWe, die Deutschen Telefon Werke Berlin, zählte man schon im Ersten Weltkrieg zu den führenden Produzenten funktechnischer Einrichtungen. Eine Führungsrolle beanspruchte das Unternehmen auch bei Beginn des Unterhaltungsrundfunks, wo es unter anderem die vom Vox Haus vertriebenen Geräte fertigte. Unter dem Markenzeichen DeTeWe wurden 1924 bis 1930 Detektorapparate, Geradeaus.- sowie Superhet Empfänger angeboten. Dann stagnierte die Entwicklung. Gegen Ende der Dreißiger war DeTeWe mit eher unbedeutenden Radios am Markt, nach dem Krieg erschienen nur noch zwei „Notzeit Geräte“.

 

TeKaDe, die Süddeutsche Telefonapparate Kabel und Drahtwerke AG Nürnberg war ein Tochterunternehmen der am Lieben Konsortium beteiligten Felten & Guilleaume AG. 1924/25 fertigten die Nürnberger neben Kopfhörern Detektorapparate und wenige Röhrengeräte, bestückt mit Röhren aus eigener Herstellung. Auf dem Empfänger Sektor hat die TeKaDe keine größere Bedeutung erlangt, der Fertigungs Schwerpunkt lag auf dem Sektor Kraftverstärker.

 

Elektrowatt war ein Nachfolgeunternehmen der Watt Elektrizitäts AG Dresden, das mit Ehrich & Graetz einen Alleinvertriebsvertrag abgeschlossen hatte. Graetz Söhne übernahmen die Firma samt Bauerlaubnis und gründeten 1933 die Graetz Radio GmbH.

 

Koch & Sterzel, das Dresdener Röntgenapparatewerk, brachte anfangs eine große Palette von Empfangsgeräten aller Art auf den Markt. 1930/31 erschienen noch Ein.- und Zweikreis-Netzanschluss Empfänger, 1932 lief die Radioproduktion aus.

 

Frey­-Radio. Martin Frey fertigte 1925 in Freiburg Kleinserien verschiedener Batteriegeräte. Ende der Zwanziger entstand in Berlin die „Pantophone Frey Radio GmbH“, in der jedoch mit Radios nur noch gehandelt wurde. Die Gesellschaft existierte (ohne Produktion) bis in die Nachkriegsjahre und wurde 1952 gelöscht.

 

Schuchhardt (mit der Vertriebsfirma „Allradio“) war mit zahlreichen Modellen bis 1928 auf dem Markt. Nachdem Ende der Zwanziger die Standard Elektrik Lorenz – SEL – deren Majorität erworben hatte, wurden Anfang der Dreißiger nur noch Restbestände verkauft.

 

Ganz vergessen wurde offensichtlich die Firma Schaleco, Schackow, Leder & Co. Berlin. Sie ist in der Statistik, welche Dr. Lübeck von der AEG 1940 mühevoll zusammengestellt hat, nicht erwähnt. Schaleco wurde vor allem durch hochwertige Bauteile und exklusive Empfängermodelle bekannt – besonders in der Zeit von 1932 bis 1936. Dort wurde 1936 auch der Olympia Koffer entwickelt und 1938 der VE Dyn.

 

 

2.4   Die Überlebenden schlagen Wurzeln - der "neue" Superhit erobert den Markt

Von Jahr zu Jahr hatte sich die Zahl der Radiofabrikanten verringert, der Schrumpfungsprozess setzte sich fort. 1932 zählten sie noch zu den 17 Umsatzstarken, 1933 ging es mit ihnen zu Ende: mit den Firmen Reico und Lange. Reico war schon 1933 nicht mehr in den Katalogen, hatte aber noch die erfolgreiche Atlantis-Serie auf dem Markt. Wie war es möglich, dass dieses altbekannte Unternehmen, welches die Wirtschaftskrise so glänzend überstanden hatte, in dieser schweren Zeit sogar eine Vervielfachung des Umsatzes verbuchen konnte, auf den Konkurs zusteuerte? Ausgerechnet jetzt, wo es allerorts aufwärts ging... Die Erklärung: auch ein zu steiler Produktionsanstieg kann ein an sich gesundes Unternehmen gefährden, wenn die Liquidität nicht gesichert ist und Garantieleistungen zu bewältigen sind. Und wenn dann der Geschäftsführer — wie im Falle Reico — mit der Firmenkasse nach Amerika durchbrennt, können die Banken schon mal misstrauisch werden. Nachzulesen ist die Reico - Firmengeschichte in den Mitteilungsheften der Gesellschaft der Freunde der Geschichte des Funkwesens (GFGF). Die dort aktiven Funkhistoriker haben noch viel zu tun; über Lange und andere fehlen noch manche Details.

 

Radiotechnik Radio Marktanteil 1934

 

Unternehmen und Zeitraum der Radio eräte- roduktionUnternehmen und Zeitraum der Radiogeräte-Produktion

1. AEG 1923 1971

2. Brandt 1924 1954

3. Braun 1933 1990

4. DeTeWe 1923 19395

5. Emud 1924 1971/726

6. Graetz Graetzor 1933 1960/19847

7. Grossmann = Radiofunk 1933 19398

8. Ideal-Werke = Blaupunkt 1924 19809

9. Körting 1932 198210

10. Loewe (Opta) 1923 1978/7911

11. Lorenz 1923 197812

12. Lumophon 1924 1951*13

13. Mende 1923 197814

14. Neufeld und Kuhnke  — Hagenuk 1928 195015

15. Nora 1924 195816

16. Owin 1924 193617

17. Philips (Deutschland) 1934 197218

18. Saba 1927 197919

19. Sachsenwerk (Olympia) 1924 196020

20. Schaleco 1924 194021

21. Schaub 1923 197822

22. Seibt 1923 194923

23. Siemens 1923 1969/7024

24. Staßfurt/Imperial 1923 1967

25. Tefag 1924 193926

26. TeKaDe 1924 195627

27. Telefunken 1923 198328

28. Wega 1924 1979

 

* Grundig baute im Tonfunkwerk Karlsruhe Luophon-Geräte, dieman in den Radiokatalogen der Jahrgänge 1968/69-1971/72 findet.
** AEG-Telefunken lieferte unter der Marke Imperial Rundfunkgerte„die man in den Katalogen der Jahrgänge 1970/71-1975/76 findet.

 

Von den 17 Umsatzstarken konnte man also zwei abstreichen. Und auch noch fünf von den „13 Unbedeutenden": Schneider-Opel, Klenk, Koch & Sterzel, Frey, und Schuchhardt. Ergänzt man die ehemals 30 Bauerlaubnisnehmer durch Telefunken, AEG und Siemens, dann waren es 33 Radiofabrikate, von denen nun sieben wegfielen. Es verblieben also 26. Da war aber noch die vergessene Schaleco und ab 1935 produzierte Philips in Aachen. Sie ergänzen die Liste der nun 28 Etablierten.

 

5.1 Die Volksempfänger

1933 erschienen die ersten Volksempfänger in drei Typen:

1. für Wechselstrombetrieb,

2. für Gleichstrombetrieb und

3. für Batteriebetrieb.

Die Wechselstromtype VE 301 W gab es nur im Bakelitgehäuse, die Gleichstromtype VE 301 G und die Batterietype VE 301 B nur im Holzgehäuse.

 

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Die drei Volksempfänger der ersten 1933er ­Generation. Links im Bakelitgehäuse: VE 301 W mit den Röhren REN 904, RES 164 und RGN 354. Bildmitte im Holzgehäuse: VE 301 G mit den Röhren REN 1821 und RENS 1823 d. Rechts im gleichen Holzgehäuse: VE 301 B mit den Röhren RE 034, RE 034 und RES 174 d. Dieser erste Batterie­ VE ist der meistgesuchte Volksempfänger (siehe Kapitel 2.5).

 

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1934 löste der VE 301 B 2 den ersten Batterie­ Volksempfänger ab. Er wurde nun mit den neuen K­ Stiftröhren KC 1, KC 1 und KL 1 bestückt. Das Allstromgerät in der Mitte: Eine Pentode VF 7 sticht da ins Auge! Sollte es sich etwa um den sagenhaften „VE 301 GWn“ handeln, der in Sammlerkreisen als Phantom herumgeisterte? Bei näherer Betrachtung jedoch zeigt sich, dass es doch der normale VE 301 GW von 1935 ist, der – ursprünglich mit VC 1, VL 1 und VY 1 bestückt – nachträglich auf die VF 7 umgebaut wurde. Rechts steht der VE 301 Wn von 1937. Anstelle der REN 904 erhielt er die AF 7, die Antennenanschlüsse wurden nach hinten verlegt und auf der Skala stehen Stationsnamen.

 

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Der Volksempfänger VE 301 W mit Kaco Universal­ VE ­Vorsatz. Mit zwei tiefergelegten Drehknöpfen werden die Sperrkreise für Mittel­ und Langwellenempfang eingestellt. Dem Hörer von 1935 imponierte vor allem die „beleuchtete Vollsichtskala“. Man konnte den Volksempfänger auch durch sonstige Zubehörteile „aufwerten“. Die kleine Auswahl zeigt eine Skalenbeleuchtung, eine schlichtere Vorsatz ­Skala, die Grammophon­ Anschlussvorrichtung und Sperrkreise in verschiedenen Ausführungen.

 

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Nicht nur Vorsatz-Skalen und Zubehörteile offerierte die Funkindustrie zur Aufrüstung der Volksempfänger. Von Brandt gab’s 1935 das Vorsatzgerät Columbus 55 W, welches den VE zum Zweikreiser machte. Auch Braun fertigte ein solches Zusatzteil (siehe Kapitel 3.14) und Körting den Supervorsatz (siehe Kapitel 3.45).

 

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1938 erschien der oben rechts abgebildete, neu konzipierte VE 301 dyn in einem modernen Gehäuse, mit beleuchteter Langfeldskala und dynamischem Lautsprecher. 1939 war er auch als Allstromgerät zu haben. In der Wechselstrom ­Type VE 301 dyn W steckten die Röhren AF 7, RES 164 und RGN 1064; in der Type VE 301 dyn GW die VF 7, VL 1 und VY 1.

 

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Den deutschen Kleinempfänger DKE (oben links) gab’s 1938 als Allstromgerät DKE 38 mit der VCL 11 und VY 2. 1939 folgte das Batteriegerät mit den Röhren KC 1, KC 1 und KL 1. Nach 1939 wurde die VE Produktion zurückgefahren, nur der DKE wurde bis in die letzten Kriegsjahre noch in größeren Stückzahlen gebaut.

 

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6.1 Rundfunkwerke arbeiten für die Rüstung – aber Devisen braucht man auch

Schon in den ersten Kriegsjahren wurde die Rundfunkindustrie zu Dreiviertel mit der Fabrikation militärischer Nachrichtengeräte ausgelastet. Den zivilen Bedarf deckte (von Werk zu Werk unterschiedlich) das restliche Viertel der Fertigungskapazität ab. Von den noch produzierten Geräten waren gut die Hälfte Volks- bzw. Kleinempfänger. Es gab zwar zahlreiche Privilegierte, die sich nach wie vor Groß.- und Luxusgeräte zu beschaffen wussten, die meisten Radios aus der Mittel.- und Oberklasse wurden aber zum Zwecke der Devisenbeschaffung exportiert. Bei den schönsten der im ersten Kriegsjahr zumeist in den europäischen Raum exportierten Geräten handelte es sich noch um Modelle aus der Saison 1939/40.

Inländische Fachzeitschriften, z.B. „Der Rundfunk Händler“, sparten das Thema Exportgeräte weitgehend aus, nur in „Radio Mentor“ konnte man gelegentlich fündig werden. Jedoch – eigens zum Zwecke der Exportbelebung – wurde 1940 die Zeitschrift „Radio Progress“ gegründet, in der das Angebot deutscher Rundfunkgeräte nachzulesen ist. Mehr als 500 Typen kamen im Verlauf der Kriegsjahre auf den außerdeutschen Markt – man kann’s kaum glauben.

 

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Tabelle aus: „Der Rundfunkhandel“, Dezember 1948          Schaubild aus: „Funkgeschichte Nr. 121“

 

Aufschlussreich ist das Schaubild, welches die Telefunken Radioumsätze in den Jahren 1939 bis 1943 zeigt. 1939 war dort die „Radio Welt“ noch in Ordnung, der Exportanteil lag unter 10 %. Auch 1940 hatte sich nicht viel verändert, 1941 aber fiel der Inlandsumsatz auf weniger als die Hälfte zurück, während der Exportanteil prozentual zunahm. Diese Tendenz setzte sich in den Folgejahren fort. Das Radio war bei Telefunken zur Nebensache geworden, „Rüstungsgüter“ standen nun an erster Stelle – auch bei anderen Radiowerken.

 

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Die Radiofirmen vertrösteten ihre deutschen Kunden auf die Nachkriegszeit.

 

AEG, Blaupunkt, Braun, DeTeWe, Emud, Eumig, Graetz, Horny, Ingelen, Kapsch, Körting, Loewe (Löwe), Lorenz, Lumophon, Mende, Minerva, Nora, Radione, SABA, Sachsenwerk, Schaub, Schaleco, Seibt, Siemens, Staßfurt, Tefag und TeKaDe – viele Firmen, welche Rüstungsgüter produzierten, exportierten auch Radios. Indes – nur ein kleiner Teil der für den Export gefertigten Geräte kam aus ihren inländischen Werken. Durch die Besetzung der Ostgebiete waren die Deutschen bzw. deren Funkindustrie in den Besitz dortiger Betriebe gelangt und ließen darin oder in neu entstandenen Werkstätten zumeist so genannte „Verlagerungs Geräte“ fertigen. Auch in andern Ländern Europas wurden freie Kapazitäten zur Radioproduktion genutzt.

 

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Inserat aus: „Der Rundfunk-Händler“ Heft 4/1942: Weil die Markenfirmen, z.B. Blaupunkt, nicht in Vergessenheit geraten wollten, inserierten sie auch in der Kriegszeit.

 

Heute ist es kaum mehr festzustellen, wo die einzelnen „Markengeräte“ herkamen – es konnte zum Beispiel ein „Lorenz Radio“ mit einem Philips Innenleben ausgestattet sein, welches Eindhoven oder Aachen nie gesehen hatte. Und der „Löwe 612 GW“ wurde natürlich auch nicht in Steglitz gefertigt.  Warum das so war, warum unter so vielen Marken exportiert wurde, das hatte sicher auch propagandistische Gründe. Die Reichsregierung wollte der Welt kundtun, dass in Deutschland zur Fertigung nachrichtentechnischer Geräte so umfangreiche Kapazitäten vorhanden waren, dass die Produktion von Rundfunkgeräten in allen Betrieben noch problemlos weiter laufen konnte.

 

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Inserat aus: „Der Rundfunk-Händler“, März 1944. 1941 gründete der Dipl.-Ing. Wladimir Schultz-Fegen in Litzmannstadt (Lodz hieß von 1939-45 Litzmannstadt) die Radiotechnische Fabrik Ika und fertigte über die Kriegszeit den „Deutschen Kleinempfänger“.

Notiz aus: „Der Rundfunk-Händler“, 1941 Die dynamische Chronik, 6. Kapitel 6.1 Rüstung und Devisen

 

Und was blieb dem deutschen Normalbürger? Der musste schließlich froh sein, wenn er einen VE oder DKE ergattern konnte, welchen er vielleicht dann bekam, wenn er mit einem Radiohändler gut befreundet war. Wenn ihm dieses Glück nicht hold war, besorgte er sich eben einen „Erika Detektorempfänger“, den es in den ersten Kriegsjahren noch ohne besondere Zuteilung zu kaufen gab.

Alles konzentrierte sich auf den Krieg, der Bürger musste sich allenthalben einschränken und sich gedulden, bis die „goldenen Nachkriegszeiten“ anbrechen würden, welche die NS-Regierung nach dem „Endsieg“ versprochen hatte. Er sollte auch einsehen, dass die hochwertigen Radios exportiert werden mussten – zur Beschaffung von Devisen, welche man zum Kauf kriegswichtigen Materials benötigte. 

 

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1940/41 bekam man den „Erika“ noch ohne Zuteilungsschein, danach wurde auch der Detektor für kriegswichtige Bedarfsträger reserviert.

 

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7.1 Hunger, Kälte und bittere Not kennzeichnen die Nachkriegszeit 

 

Zwei Jahrzehnte – 1930 bis 1950 – waren geprägt durch eine Kette von Ereignissen, welche die deutsche Nation in das finsterste Kapitel ihrer Geschichte führten. 1930 war es die bittere Not in der Arbeitslosigkeit, der die zerstrittenen Politiker ziemlich hilflos gegenüberstanden und so dem NS-Regime den Boden bereiteten. In der zweiten, nur scheinbar so erfolgreichen Hälfte der Dreißiger führte dann die braune Regierung das Volk ins Verderben und die sechs Kriegsjahre gaben dem Land den Rest. 1945 war die Not noch größer als 1930. Mit der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 schlug auch für den deutschen Rundfunk, für die Gerätehersteller und für den Radiohandel die Stunde Null.

 

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Hier beginnt die Geschichte – inmitten der totalen Zerstörung entstand das „Notzeit-Radio“, welches vor allem aus Wehrmacht-Überbleibseln zusammengebastelt wurde. Defekte und durch Luftangriffe beschädigte Empfänger aus der Vorkriegszeit sollten repariert werden – Improvisationstalent war gefragt. Es wurde mit den primitivsten Mitteln gearbeitet – erst drei Jahre nach Kriegsende begann der Aufschwung, welcher eine neue Glanzzeit der deutschen Radioindustrie einleiten sollte. Bis zum Ende der ersten Jahrhunderthälfte hatte sich die Demokratie verfestigt, die neue Währung war stabil und Deutschland hatte wieder eine Zukunft.

 

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Die Notzeit spricht aus diesem „Rundfunkempfangsgerät“. „Kraut – Kraut – Kraut“ wurde einst auf eine Konservendose aus der Kriegszeit gestempelt. 1945 war sie dem Radiobastler willkommen – als Abschirmbecher für seine Audionstufe mit einem Mittel- und Langwellen-Spulensatz. Zur Senderabstimmung benützte er den alten Meß-Drehkondensator, der vielleicht früher in einem HF-Labor in Gebrauch war. Mit zwei Wehrmachtröhren RV 2,4 P 700 hatte der handwerklich nicht eben begnadete Bastler sicher recht guten Empfang – solange die Batterien mitmachten. 

 

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Aus Röhren und Einzelteilen von ausgeschlachteten Wehrmachtsgeräten, auch aus Überresten zerbombter Radioapparate, entstanden 1945 bis 1947 primitive „Notzeitradios“. Die Radioindustrie war ebenfalls auf ausgebaute Wehrmacht-Geräteteile angewiesen – Telefunken beschäftigte 1945 im Werk Dachau einige hundert Arbeitskräfte mit Zerlegearbeiten.

Der Krieg war verloren – Millionen hatten Väter, Männer und Söhne verloren, die meisten auch ihr Hab und Gut. Die Frauen hätten nur noch heulen können. Viele wurden zu „Trümmerfrauen“ degradiert, die in ausgebombten Häuserruinen nach allem suchten, was noch verwertbar erschien. Jedes Metallstückchen war zu einem kostbaren Gut geworden; aus Mauerresten konnte man „wertvolle“ Backsteine zurecht schlagen. Provisorisch überdachte Ruinen dienten als Notunterkünfte.

 


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Diese Frauen wollten nicht aufgeben – bewundernswert ist ihre Tatkraft, mit der sie die Grundlage für den Wiederaufbau schufen. 

 

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Auch diese Szene wurde von Hannes Kilian im Foto festgehalten. Heute gilt das Kilian-Archiv als einzigartiger Fundus aus den bitteren Nachkriegsjahren.

 

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Aus den Radiowerken in der amerikanischen Zone Südwestdeutschlands gab es nichts zu demontieren. Die Schaubwerke Pforzheim waren völlig  zerstört, Emud und Wega hatten nicht die interessante Größenordnung und SABA lag in der französischen Besatzungszone – da wurde gründlich demontiert. Kaum einer hatte noch die Hoffnung, dass das Leben jemals wieder so werden könnte, wie vor dem Krieg…

Nichts war verschont geblieben, auch die meisten Fabri-kationsstätten der Radioindustrie lagen 1945 in Trümmern. Was nicht kaputt war, fiel zum Teil plündernden Zeitgenossen und Zwangsarbeitern zum Opfer, nicht selten auch wandalierenden Besatzern. Zwei Jahre später wurden zahlreiche der noch heil gebliebenen Maschinen als Reparationsleistungen abtransportiert. Fast alle Sendeanlagen waren nicht mehr betriebsfähig, aber die Militärregierungen sorgten für (Behelfs­) Sender und planten neue Verwaltungsstrukturen.

 

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Ein fahrbares Studio in der Hofeinfahrt des Stuttgarter Funkhauses, des einstigen Telegraphenbauamtes in der Neckarstraße, diente den Amerikanern – von Anfang Juni 1945 an – mehrere Monate lang als Sendezentrale. 

 

Der deutsche Bürger durfte nachts wieder schlafen, wurde nicht mehr durch Alarmsirenen aufgeschreckt. Das war aber auch die einzige Verbesserung der damaligen Lebensqualität, ansonsten musste er hungern und frieren wie in den letzten Kriegstagen – dazu kam die „Ausgangssperre“. Trotz großer Not, Hunger und Kälte: ein Radio war der große Wunsch. Es verkündete die Zeiten der Ausgangs- und Stromsperre, Verlautbarungen über Lebensmittel­Zuteilungen, wichtige Lokalinformationen – Zeitungen gab es ja nicht – und es brachte ein wenig Unterhaltung in diese trostlose Nachkriegszeit. Weil auch noch zahlreiche Radios, welche die Luftangriffe schadlos überlebt hatten, von den Besatzungsmächten requiriert wurden, buddelte man beschädigte Geräte aus dem Schutt.

 

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Dieses Vorkriegs-Gerät, ein Telefunken 512 WL, wurde in einem verschütteten Kellergewölbe gefunden. Unverändert belassen dient es als Zeitzeuge.

 

Wer handwerklich begabt war oder einen praktisch veranlagten Radiobastler kannte, versah mit dessen Hilfe zum Beispiel seinen zerstörten Lautsprecher mit einer behelfsmäßig gefertigten Membran, wickelte ggf. auch eine Schwingspule und suchte in alten Bastelkisten nach verwendbaren Einzelteilen. Vielleicht fand er da auch noch ältere, schon früher ausgewechselte, aber eben noch brauchbare Röhren um mit denselben das Schrottgerät zu vervollständigen, damit es wieder Töne von sich gab.

 

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Hat er nicht gut gearbeitet – der Radiomechaniker, welcher dieses zerbrochene DKE Gehäuse wieder zusammenflickte? Selbst das fehlende Bakelit Teilchen ersetzte er durch eine Pertinax Ecke. Nur am Gehäuse Boden machte er sich diese Mühe nicht. Natürlich war auch das Innenleben (die VCL 11 usw.) zerstört – der Fachkundige erweckte es mit Hilfe zweier Wehrmachtröhren zu neuem Leben. 

So konnte es vorkommen, dass für ein Allstromgerät in Ermangelung der geeigneten Endröhre CL 4 beispielsweise eine EL 11 verwendet wurde – diese 6,3­Volt­ Röhre, welche statt 0,2 A (CL 4) 0,9 Ampere Heizstrom benötigte, so dass der Empfänger mit rund 200 Watt Stromverbrauch auch noch als Heizofen fungierte. Und das in einer Zeit, in der Strom doch zur Mangelware zählte und Abschaltungen an der Tagesordnung waren.

 

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Heute unvorstellbar: Die defekte RENS 1823 d im Gleichstrom VE 301 G wurde durch eine REN 904 ersetzt. Über den Parallelwiderstand mit 164 Watt Heizleistung wurde auf das oben ausgesparte Gehäuse ein Lüftungsgitter genagelt. So diente der Radioapparat, der natürlich nur zum Abhören der wichtigen Sendungen eingeschaltet wurde, gleich als Teewärmer. Leider wurde dieses Zeitdokument – ein Zweiröhren-Volksempfänger mit 220 Watt Leistungsverbrauch! – im Unverstand „fachmännisch“ restauriert, d.h. in den Originalzustand zurückgebaut.

 

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7.2 Es fehlen Ersatzröhren – die „P 2000“ wird zum Begriff

 

Vorkriegsröhren waren so gut wie gar nicht zu bekommen und die in geringen Stückzahlen neu gefertigten wurden der Industrie zugeteilt – zum Bau neuer Radios. Ein Glücksfall war es deshalb, wenn man eine so genannte „P 2000 ­Quelle“ anzapfen konnte. Die berühmte, nur etwa 4,8 cm hohe Wehrmachtsröhre RV 12 P 2000, die „pfiffige Kleine, die einfach alles konnte“, wurde zum Liebling der ersten Nachkriegsjahre. Ob als Audion­, Verstärker­, End­ oder Gleichrichterröhre, überall fand sie Verwendung. Auch Misch­ und sonstige Zweisystemröhren konnte man durch diese Alleskönnerin ersetzen, wenn man zwei oder drei Stück auf einen Sockel montierte.

 

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„RV 12 P 2000“ – die „Universalröhre aus Ulm“

 

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Derartige Ersatzaufbauten wurden nicht nur von Bastlern und Reparaturwerkstätten zusammengestellt, auch namhafte Radiofabriken bestückten ihre 1945er-Erstmodelle mit solch kombinierten Röhrengebilden.
 
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Zwei RV 12 P 2000, aufgesockelt zum Ersatz der DKE-Röhre VCL 11

 

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Wie bescheiden waren damals noch die Männer aus der Kriegs-Generation: Für eine Auskunft einschließlich Briefporto begnügten sie sich mit einer Reichsmark. Inserat aus der „Funkschau“, Heft 1/1947

 

Als die zunächst noch großen Wehrmachtsbestände nach und nach zu Ende gingen, wurde die so beliebte „P 2000“ (wie man sie verkürzt nannte) zur gesuchten Mangelware, bis sie dann (im Telefunken Werk Ulm und anderswo) nochmals neu produziert werden konnte. Bald aber wurde diese Fertigung wieder eingestellt.

 

 

 

9.101 Revox, Schweiz und Löffingen

 

Revox Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik

 

 

 

 

9.107 SABA, Villingen

 

SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik

 

Nach der Übernahme von GT & E entwickelten die Amerikaner neue Pläne für die Firma SABA.

Ein Systemtechniker, ehemaliger Mitarbeiter der Firma Honeywell Bull GmbH, mit Sitz in Köln und Stuttgart und Technikerstützpunkt in Rottweil, berichtet erst im Jahre 2021, wie die Verwaltung bei Saba in Villingen modernisiert werden sollte, man spürt also den Einfluss der Amerikaner in Villingen. Eine EDV gestützte Warenwirtschaft, Verwaltung, Lohnabrechnung und zeitgemäße Vertriebsteuerung wurde 1972 beschlossen und ein Jahr später eingeführt. Dieser Systemtechniker heißt Reinhard Nedela, im Jahr 1970 umgeschult von Radio- und Fernsehtechnik zum Computertechniker und kann sich an die Zeiten noch gut erinnern:  

 

Eine Honeywell H-2050 wurde im neuen SABA Rechenzentrum mit einem Doppelboden und Klimaanlage in Villingen installiert, wenige Bilder aus der Zeit sind erhalten. Diese Modernisierung nach einem zu leistungsschwachen Kienzle Rechner erforderte neues Wissen und genaue Planung von der Datenübernahme, hin zur neuen Klimaanlage, die Stromversorgung bis hin zu Sicherheit eines "closed shop" Rechenzentrums, wie bei der BAKOLA in Freiburg oder anderen Regionalbanken Sigmaringen und Radolfzell, dort standen die Honeywell Rechner vom Typ H-200 schon in den Jahren seit 1969.  Auch die Schuhproduktion der Firma Rieker im benachbarten Tuttlingen hatte eine Honeywell H-200 im Einsatz, Programmierer waren meist angelernte und umgeschulte Maler, Architekten oder andere Quereinsteiger, denn ein Angebot COBOL oder Fortran zu studieren konnte man damals noch nicht finden. Der Begriff IT oder Informationstechnologie kamen erst später auf, damals hieß das Elektronische-Daten-Verarbeitung.  

 

Die Leistungsdaten der Honeywell Computer-Anlage waren mit 64 K Kernspeicher, zwei Walzendruckern, einem Loch-Kartenleser, einem Lochkartenstanzer, 8 Bandlaufwerken und 7 Winchester Disks damals sehr modern, aber ungefähr 4000 x langsamer in Bezug auf Taktzyklen als ein PC von heute. Trotzdem auf der Höhe der Zeit!

 

      Honeywell H2000

 

Im Werksverkauf 1972 erworben, IMG 1532 läuft auch im Jahr 2021 noch genau

 

SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik

SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik

 

Insider Wissen: Was macht die General Telephone & Electronics (GT & E) mit der Erfahrung, SABA zu besitzen?

Die Amerikaner sehen in dieser mittelständischen deutschen Firma ein gutes Vorbild, auch in anderen Ländern ein Geschäft zu machen. In Verhandlungen mit dem sozialistisch geprägten Staat Algerien wird verhandelt, im kommenden Fünf-Jahres-Plan auch eine Radio-, Fernseh-, und Autoradioproduktion für Nordafrika zu etablieren. Man will sogar die Produktion von Halbleiter Chips in diesem Entwicklungsland aufnehmen, Verträge werden also mit US basierten Halbleiter Produzenten Texas Instruments und Motorola mit in den Fünfjahresplan aufgenommen.

 

Eine Kopie der Firma Schwarzwälder Apparate Bau Anstalt, in Bezug auf Größe und Mitarbeiter wurde geplant in Algerien zu installieren, die Arbeitskräfte sollten zuerst aus Canada, USA und Europa kommen und Schritt für Schritt auch lokale algerische Techniker ausgebildet werden. Einige Duzend wurden aus Universitäten von Algier und Oran angeworben und in europäischen Halbleiter-Produktionsstandorten umgeschult und mit dem Projekt vertraglich verpflichtet, nach einem Europa-Jahr nach Sidi bel Abbès zurückzukehren.  Das erfolgte nicht immer, das europäische Leben war doch so anders wie im Heimatland und einige entschlossen sich in Europa zu bleiben, denn sie hatten eine gute Ausbildung und sofort Arbeit, daher waren Auftenthaltsgenehmigungen in den Jahren 1976 und später einfach zu erreichen.     

 

Nun kommt wieder Reinhard Nedela mit in die Szene, denn er gehörte nur bis 1975 bei Honeywell-Bull in Paris dem internationalen Support für die Computer Serie H-200 und H-2000 an und wechselte danach zur Firma GCA International in Kreuzlingen, um dort mit Prozessrechner und Computererfahrung ab 1976 Projekte in Europa zu installieren. Die GCA war der europäische Ableger von der amerikanischen GCA David Mann Corp. in Burlington, Massachusetts, dem damaligen Marktführer für Pattern Generator und Photo Repeater zur Herstellung von Arbeitsmasken, die in der Belichtung der 3 Zoll und 3,5 Zoll Silicon Wafer benötigt wurden.  

 

GT & E vereinbarte im Fünfjahresplan ab 1977 auch die Halbleiterherstellung im Werk Sidi bel Abbès südlich von Oran in Algerien aufzubauen. Die Produktionshallen standen schon und ein in Weltraumverpackung gehüllter Pattern Generator von David Mann wartete in einer offenen Garage auf dem Flughafen der früheren (berüchtigten) Fremdenlegionärsstadt auf die Installation im Reinraum der Algerier.  GCA Kreuzlingen bekam den Auftrag 1977 die Installation und Schulung durchzuführen, Reinhard Nedela konnte Französisch und kannte aus der Vergangenheit SABA, durch Mitarbeit in der Tonbandgeräte Produktion in Friedrichshafen und der Installation des Honeywell Computers im Hauptwerk in Villingen.

           

Also Visum beantragen und planen für 3 Wochen nach Algerien über Zürich - Lyon - Oran zu fliegen. In der etwas rauen Umgebung im Wüstensand oder kurz vor der Sahara wurde er empfangen, um in einem Camp bei den Kanadiern zu leben, auch andere Techniker aus USA waren angereist und haben Flatbed-Plotter und weitere Produktionsanlagen für ihre Firmen installiert. Beim Auspacken des Pattern Generators 3000 stellten wir fest, die nordafrikanische Hitze und die frostigen Nächte in der Wüstenregion machten dem Präzisionsinstrument nichts aus, weil ein Jahr vorher alles so gut eingefettet wurde und luftdicht verpackt (Weltraumverpackung) war. Wir konnten innerhalb der ersten 3 Tage die DIGITAL PDP-8 in Betrieb nehmen und das erste Reticle belichten. Eine Xenon Blitzlichtlampe belichtete die Emulsionsschicht mit dem Mustern (Pattern), die auf einem Tektronix Display ursprünglich entwickelt wurde und mit einem Lochstreifen über die TeleType (wie ein Telex-Schreib-System) an der PDP-8 eingelesen wurde. Natürlich musste auch etwas schief gehen, der DIGITAL Computer fiel am 10. Tag aus, ein Logic Chip musste gefunden werden, war aber in Algerien nicht zu haben, also Reise abbrechen und später wiederkommen, würde man gerne sagen, doch so einfach ist das Leben in einer sozialistischen Umgebung nicht.  

       GCA David Mann Pattern Generator 3000 mit TTY und PDP 8

Reinhard Nedela musste auf die National Bank und das Visum musste so verändert werden, dass eine verfrühte Rückreise vom Staatsapparat erst erlaubt werden konnte. Erst dann konnte die Firma GCA in Kreuzlingen den Flug umbuchen und den Rückflug organisieren.

 

Der 2. Flug nach Oran mit dem Ziel Sidi bel Abbès wurde im Jahr 1978 beim Anflug übers Mittelmeer von einem sehr seltenen Blick auf den verschneiten Atlas begleitet. Dieses Schauspiel kommt nur alle 10-15 Jahre vor und alle Passagiere in der Swissair waren überwältigt in Nordafrika Schnee auf 9000m Flughöhe in Richtung Süden zu sehen.  Leider traf das McDonnel Douglas Flugzeug ein Blitz und alle Passagiere erschraken sehr und waren voller Angst, der Kapitän gab aber durch, dass nichts Ernsthaftes passierts sei und die Wetterverhältnisse über dem Mittelmeer in der Nähe des Atlas zu solchen unvorhersehbaren Gewittern führen könnten.

 

Die Reparatur war erfolgreich und die Schulung der Mitarbeiter ging einfach voran, denn einige Techniker waren bei GI in Schottland andere bei Valvo in Hamburg und einige bei SGS in Milano auf dem Pattern Generator von David Mann geschult worden. Alle Firmen wie Siemens, IBM, Motorola, Texas Instruments und andere, die in der Dekade 1976 bis 1986 Halbleiter zeichneten, benutzten diese Geräte, nun auch die National Companies of Electronic Industries in Sidi bel Abbès. Der Komplex, der aus dieser Entwicklung heraus entstanden ist, ist in Google Maps gut zu erkennen. 

 

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9.107 SABA, Villingen *

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SABA Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik

Nach der Übernahme von GT & E entwickelten die Amerikaner neue Pläne für die Firma SABA.

Ein Systemtechniker, ehemaliger Mitarbeiter der Firma Honeywell Bull GmbH, mit Sitz in Köln und Stuttgart und Technikerstützpunkt in Rottweil, berichtet erst im Jahre 2021 wie die Verwaltung bei Saba in Villingen modernisiert werden sollte, man spürt also den Einfluss der Amerikaner in Villingen. Eine EDV gestützte Warenwirtschaft, Verwaltung, Lohnabrechnung und zeitgemäße Vertriebsteuerung wurde 1972 beschlossen und ein Jahr später eingeführt. Dieser Systemtechniker heisst Reinhard Nedela, im Jahr 1970 umgeschult von Radio- und Fernsehtechnik zum Computertechniker und kann sich an die Zeiten noch gut erinnern:  

Eine Honeywell H-2050 wurde im neuen SABA Rechenzentrum mit einem Doppelboden und Klimaanlage in Villingen installiert, wenige Bilder aus der Zeit sind erhalten. Diese Modernisierung nach einem zu leistungsschwachen Kienzle Rechner erforderte neues Wissen und genaue Planung von der Datenübernahme, hin zur neuen Klimaanlage, die Stromversorgung bis hin zu Sicherheit eines "closed shop" Rechenzentrums, wie bei der BAKOLA in Freiburg oder anderen Regionalbanken Sigmaringen und Radolfzell, dort standen die Honeywell Rechner vom Typ H-200 schon in den Jahren seit 1969.  Auch die Schuhproduktion der Firma Rieker im benachbarten Tuttlingen hatte eine Honeywell H-200 im Einsatz, Programmierer waren meist angelernte und umgeschulte Maler, Architekten oder andere Quereinsteiger, denn ein Angebot COBOL oder Fortran zu studieren konnte man damals noch nicht finden. Der Begriff IT oder Informationstechnologie kamen erst später auf, damals hieß das Elektronische-Daten-Verarbeitung.  

Die Leistungsdaten der Honeywell Computer-Anlage waren mit 16 K Kernspeicher, zwei Walzendruckern, einem Loch-Kartenleser, einem Lochkartenstanzer, 8 Bandlaufwerken und 7 Winchester Disks damals sehr modern, aber ungefähr 4000 x langsamer in bezug auf Taktzyklen als ein PC von heute. Trotzdem auf der Höhe der Zeit!

Honeywell H2000

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9.118 T+A, Herford

T+A Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik

 

 

9.122 Telefunken, Berlin, Stuttgart, Dachau, Hannover *

Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik Telefunken Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik

 

 

9.124 Thorens, Schweiz und Lahr

 

Thorens Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik

 

 

9.132 Wisi, Niefern / Pforzheim *

WISI Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik

 

 

9.19 Blaupunkt, Darmstadt und Hildesheim *

Fortsetzung der Vorkriegsgeschichte aus dem 3. Kapitel

 

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

 

Blaupunkt war eine der ersten Firmen, die sich unmittelbar nach dem Krieg wieder mit der Herstellung von Rundfunkempfängern befasste und – weil in mehreren Besatzungszonen produziert wurde (in Ostberlin unter „Ideal-Werke“) – mit einer großen Modellzahl auf den Markt kam. Es ist kaum zu glauben, dass aus den ehemals angesehenen Fabriken 1945 und 1946 derart primitive Detektorap- parate und Röhren- Empfänger kommen konnten. In der 1945 mit Trümmern übersäten „Reichshaupt- stadt“ fertigten Mitarbeiter der weltbekannten Blau- punkt-Werke diese armseligen und irgendwie doch kreativ gestalteten Detektorapparate. Den rechts abgebildeten verkaufte der Mannheimer Händler Radio Dahms. Heute wer- den solche Nachkriegs-Erstprodukte vom Sammler hoch bewertet.Ein weiteres „Notzeit-Ra- dio“, von den Blaupunkt- Mitarbeitern weniger „pro- duziert“ als vielmehr „zu- sammengebastelt“:Rechts das Einkreisgerät LV 16 mit seinen zwei St. RV 12 P 2000, welcher im „Empfänger-Vademecum“ 1947beschrieben ist Den Blaupunkt-Detektorappa- (gefertigt wurde er früher).rat (oben), ergänzt durch einen Ganz so schlimm wie hier NF-Verstärker-Zusatz mit der im Bild sah er nicht aus, als er die „Fabrik“ verlassen hatte – der Besitzer wollte dieRV 12 P 2000 findet der Leser Empfangsleistung verbessern, indem er die Antenne über einen Trimmer kapazitiv an im Kapitel 7 Abschnitt 7. den Schwingkreis koppelte – aber schon zuvor war der Aufbau chaotisch. Das Skalenrad mit Kulisse für die WellenumschaltungEin interessantes Blaupunkt-Gerätchen ist dieser Einkreiser 2 GW 146 E, welcher ebenfalls mit zwei RV 12 P 2000 (+ Gleichrichter) bestückt ist. Er hat eine induktive Abstimmung und eine raffinierte Wellenumschaltung. Auch sein Schaltbild findet man (wie die anderer Blaupunkt-Radios aus dieser Zeit) im „Empfänger-Vademecum“ 1947. Den primitivsten Empfängern folgten weitere Notzeit-Radios mit abenteuerlichen Röhrenbestückun- gen. In der „Funk-Technik“ Nr. 4/1947 konnte man lesen: „Blaupunkt liefert zur Zeit einen 5-Röhren -Wechselstrom-Super Type 5 W 646 im Bakelitgehäuse und Kurz-, Mittel- und Langwelle zum Brutto- preis von 498.- RM. Röhrenbestückung: ECH 4, CBF 11 [das sollte sicher heißen: EBF 11], RV 12 P 2000, BL 2, AZ 1, ohne magisches Auge. Die Lieferung kann in ca. 5 Monaten auf zur Zeit gültigen Bezugsausweis der britischen Zone erfolgen“. Kurz darauf wurde die Röhrenbestückung dieses Typs etwas normalisiert, aber eine „P 2000“ war immer noch dabei.1Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt Dreizehn (!) Blaupunkt-Typen sind im „Empfänger-Vademecum“ von 1947 zu finden, beginnend mitdem LV 15, einem Detektorempfänger mit P 2000-Verstärkerstufe; aber auch ein mit Stahlröhrenbestückter Sechskreis-Super ist darunter. Und der folgende Band 1948 enthält nochmals zwölf (!)Typen – den Schluss bildet der Standardsuper. Das „Empfänger-Vademecum“ 1947 enthält neben zahlrei- chen anderen die Blaupunkt-Superhets 4 GW 646, mit per- manent- oder elektrodynamischen Lautsprechern. Es gab sie auch in den Ausführungen „K“, „K 1“, „R“ und „R 1“. Das Gerät im Bild ist die Type 4 GW 646 K – mit dem Kurz- wellenbereich. Bestückt ist dieser kleine Sechskreis-All- stromsuper mit dem bewährten Vorkriegs-Standard-Röhren -satz: UCH 11, UBF 11, UCL 11 und UY 11.Bei dem nur 30 x 18 x 19 cm großen Gerätchen handelt es sich um eines der beliebten „Puppenstuben-Modelle“ mit induktiver Abstimmung. Die Wellenbereichsumschaltung dieses – im Gegensatz zu anderen Blaupunkt-Notradios aus dieser Zeit – respektablen Gerätes erforderte einen beachtlichen mechanischen Aufwand. Nicht nur in Berlin fertigte Blaupunkt die ersten Nachkriegsgeräte, auch in Hildesheim und in derBayern-Metropole. Die kleine Geschichte zu den dort entstandenen Radios soll dem Leser nicht vor-enthalten werden: „In München steht ein Hofbräuhaus“, und nicht nur dies – in München stehen auch zahlreiche Braue-reigebäude, zum Beispiel die der Paulaner-, Salvator- und Thomasbräu in der Kapuzinerstraße. AmKriegsende hatte dort ein Blaupunkt-Zweigbetrieb Unterschlupf gefunden. Monatlich 300 Sechskreis-Allstrom-Superhets verließen die Bier-geschwängerte Atmosphäre derzweckentfremdeten Räumlichkeiten. Das in Bayern heiß umstrittene „Bierbrauverbot“ war schuld ander Entweihung des Gerstensaft-Tempels. Indes – der Durst Münchener Kehlen nach Bier war noch größer als der des Ohres nach Musik – das sahen schließlich auch die Amerikaner ein und gaben dem bayerischen Volksnahrungsmittel wieder frei Fahrt.Blaupunkt musste ausziehen und fertigte den 5 GW 646 – später als 648 (noch immer im gleichen, 320 x 215 x 165 mm großen Holzge- häuse) – in Luhe-Wildenau in der Oberpfalz. Der bekam dann 1948 die U-Glasröhren aus Ulm. DieWährungsre- form bewirkte Der Sechskreis-Superhet München 5 GW 646. Wunder – über 151946 konnte das Telefun-ken-Röhrenwerk Ulmnoch nicht den U-Röhren-satz liefern, welcher im 5GW 646 gebraucht wurde.Wie bei Telefunken, WerkDachau, wo 1945/46 derB 644 GWK gebaut wurde(siehe AWB und Telefun-ken), mussten auch beiBlaupunkt in den Mün-chen GW 646 drei Stahl-röhren-Ersatzaufbauteneingesetzt werden, wel- Im Rückseitenfoto und im Bildche mit zwei P 2001 undaus der „Funk-Technik“ 18/1947fünf P 2000 bestückt wur-den .sind die etwas krumm geratenen Kombinationen zu erkennen.2Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt Blaupunkt-Typen konnte man 1948/49 ohne Bezugschein kaufen. Die Palette reichte vom DKE-Nachfolger bis zu Luxusgeräten wie dem Großsuper 8 W 748 oder der sündhaft teuren Blaupunkt-Neun-Röhren-Raumton-Musiktruhe (1949 DM 2.190.-). Den dazwischen liegenden Modellen waranzusehen, dass sie noch aus unterschiedlichen Fertigungsstätten stammten – in ihnen konnte mannoch die „P 2000“ finden, oder die Stiftröhren REN 904, RES 164 und RGN 354. Auch einen All-strom-Sparsuper gab‘s, bestückt mit VCH 11 und VEL 11 – ein Typen-Durcheinander war das, bisschließlich die Fertigung zunächst in Darmstadt, dann in Hildesheim konzentriert wurde. Blaupunkt baute DKE-Nachfolger in verschiedenen Ausführungen. Schon die Type 2 GW 145 konn- te noch mit der VCL 11 bestückt werden (wobei es sich vermutlich um Restbestände handelte). Hier abgebildet ist der letzte dieser Art mit der VCL 11, der 2 GW 149. Zehn (schlimme) Jahre waren seit dem Erscheinendes „Deutschen Kleinempfängers“ verstrichen – in diesem 1949er Modell konnte man die ungelieb- te Sparröhre VCL 11 letztmals pfeifen hören.Sie sehen schon recht gut aus – die Blaupunkt-Modelle von 1948 und 1949. 5 GW 2648 heißt der durch ein magi- sches Auge aufgewertete U-Röhren- Superhet. Im Folgejahr gab es das flache – ebenfalls mit U-Röhren, aber ohne „Auge“ – ausgestattete Modell US 4 H in Holz, oder US 4 P in Bakelit (Plastik).Wie zehn Jahre zuvor wurden auch diese Geräte wieder mit dem damali- gen Standard-Röhrensatz UCH 11, UBF 11, UCL 11 und UY 11 bestückt. Auch Valvo konnte wieder Röhren fertigen, und brachte als Nach- folger der „roten Röhren“ (vor allem für den „Einheits-Super“) eine E- und U- Serie mit Topfsockeln auf den Markt. Mit drei solchen Röhren: UCH 5, UF 6 und UL 2 wurde 1948/49 der links stehende kleine Blaupunkt-Vierkreis-Superhet 3 GW 448 P ( P = Plastik) bestückt. Daneben gab es 1949 noch die Ausführung 3 GW 448 T mit den Telefunken-Röhren UCH 11 und UCL 11 (da arbeitete das Trio- densystem der UCL 11 in Gitter-Audion-Schaltung). Im April 1950 berichtete die „Funk-Technik“: „Die Aktivität der Blaupunkt-Werke auf dem Gebiet des UKW-Rundfunks ist verblüffend.In den neu aufgebauten Fertigungswerkstätten in Darm-stadt gehen nicht weniger als fünf kombinierte AM/FM-Empfänger und ein UKW-Super-vorsatz der Vollendungentgegen...“ Auch der Kofferempfänger Nixe kam schon1950 auf den Markt. Die Blaupunkt- Nixe, ein Fünfröhrensuper für Batterie- und Allstrom- betrieb wurde in der „Funk-Technik“ bereits im Mai 1950 vorgestellt. 3Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt 1949/50 warBlau-punkt wie-der mit sehrschön gestalteten Radios auf dem Markt.Das betrifft insbesondere die nachstehendabgebildeten Modelle. Über diesen 1950 erschienenen Super F 266 U (NU 240 U) schrieb die „Funkschau“ im Heft 7/1951: „Zu den interessantesten Geräten in der Reihe der preiswerten AM-FM-Superhets gehört zweifellos der Blaupunkt Allstrom-Super F 266 U, bietet er doch ein aufschlußreiches Beispiel für die wirtschaftliche Lösung des UKW-Empfanges im 6-Kreis-AM-Super“. In der Tat – bei dem Röhrensatz UCH 11, UF 11, UBF 11 und UCL 11 ist ein besonderer Aufwand für UKW nicht zu erkennen. Das Gerät reizt aber den Sammler durch ein anderes Detail: die induk- tive Abstimmung in allen Wellenbereichen.„Die sich dabei ergebende etwas „harte“ Stations- abstimmung nimmt der Kunde gern in Kauf, da die meisten Interessenten dieser Geräteklasse hohe Preiswürdigkeit bevorzugen...“ – meinte die „Funk-Technik“.Auch das größere Gerät gab es 1950 in diesem schön gestalteten Holzgehäuse. 1950 wurde es (in Wechsel- strom- und Allstrom-Ausführung) als L 425 bzw. L 435 U angeboten. Dieser, ebenfalls noch mit Stahlröhren be- stückte Empfänger hat acht AM-Kreise und die kapazitive Abstimmung.Sein Preis indes war nicht eben günstig – mit 425.- DM lag er fast auf der Höhe der Luxusklasse. Den ähnlichen Achtkreis-Super M 289 W bekam man für 289.- DM. Das Edelholzgehäuse allein kann‘s nicht gewesen sein – der mit Ratiodetektorschaltung ausgestattete UKW- Be- reich des L 425 sollte wohl den hohen Preis rechtfertigen.Mit den rechts abgebildeten Modellen knüpf- ten die Blaupunkt-Werke 1950 nicht nur an die Vorkriegs-Bakelit-Radios an, sie verfeiner- ten die Formen und sicherten sich damit ihren Käuferkreis. Der vorn stehende Allstrom-Achtkreiser, Bau- jahr 1950 hat neben der Typen-Nr. F 229 U noch eine weitere: NU 630 U. Auch das dahinter stehende Wechselstrom- gerät aus dem gleichen Jahr bekam zwei Ty- penbezeichnungen: M 289 W und MU 670 W. Dieser etwas größere Achtkreiser wurde mit drei Kurzwellenbereichen und einem magi- schen Auge ausgestattet.4Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt 1951 findet man in diesem Blaupunkt-Superhet M 51 W noch einen gemischten Röhrensatz: neben den Rimlockröhren EF 80 und ECH 42 die (Stahl-) Röhren EAA 11, EBF 15, EF 15, EL 11, EM 11, und AZ 11. Natürlich wurde dieser fast 500.- Mark teure M 51 W mit einem UKW-Super ausgestattet. Dieser Gehäuseent- wurf hob sich noch wohltuend von der 1952er Einheitsge- staltung ab und er ist insbesondere deshalb gefällig, weil es sich hier nicht um eines der großen,sondern um ein 40 x 27 x 18 cm kleines Modell handelt.Als Barcarole B 520/21 WH kam der Sechs-/Neunkreis-Super 1952 in die Kataloge und die hier abgebildete Barcarole B 525 WH findet man unter den Rundfunkempfängern der Nachsaison in der Ausgabe 1953. Röhren der alten Art stecken in diesen Modellen nicht mehr. Rimlock- und Novalröhren (hier die: EF 41, ECH 81, EBF 80 und EL 41) hatten den Markt vollends erobert, und auch eine „Germanium-Diode“ sitzt schon in den Beiden. Notiz aus der „Funkschau“, Heft 12/1953. Die Fernsehgerätefertigung war noch unbedeutend, Blaupunkt-Autoradios wurden immer mehr gefragt, 1953 aber wurden die größten Umsätze noch mit den Heimempfängern erzielt.Kraftfahrzeug-Empfänger waren schon in London H 4053 – ein Vorstufensuper der Luxus- klasse von 1953. Leider im Einheits-Gehäusestil der Fünfziger, der auch durch die verfeinerte Blaupunkt- Gestaltung nicht viel besser wurde. Die Besonderheit dieses 9/11-Kreis-Superhets war ein „Omnimat-Drucktastenwähler“, eine zweite Tas- tenreihe hinter den Elfenbein-Bereichstasten. Der Sammler sagt: „das Autoradio im Heimempfänger“.der Vorkriegszeit ein besonderes Anliegen der Bosch-Tochter. Bereits auf der Funkausstellung 1932konnten die Automobilisten –wiein derBlaupunkt-Vorkriegs-geschichte Kapitel3.11, sowie im Kapitel 13.3zu lesen ist – den Fünfröhren-Autosuper Type AS 5 bestau-nen. Und schon im Handbuch desRundfunkhandels für dasRundfunk-Jahr 1948/49 wur-de der erste Nachkriegs-Auto-super 5 A 649 angeboten; be-stückt mit EF 11, ECH 11,EBF 11, ECL 11 und EZ 11. Ab 1950 zählte Blaupunktunangefochten zu den Spit-zenproduzenten dieser Spe- 5Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt zies – spätestens zu dem Zeitpunkt, als das Unternehmen 1952 seinen Firmensitz von Berlin nachHildesheim verlegte. Weil Autoradios imHause Blaupunktschon immer einenSchwerpunktbil-deten, sollen auchsolche Geräte ausden Fünfzigern ge-zeigt werden.Zu den Spitzen- erzeugnissen von 1954 zählte der Typ Köln – ein Vorstufensuper mit 8 AM- und 12 FM-Kreisen. Die Senderein- stellung (UKW und Mittelwelle) erfolgt durch den „Selec-tomat- Stationsfinder“. Zum Einbau in die verschiedenen Autos gab es die passenden Blenden, z.B. für den Borgward 1500, den Mercedes 180 und 220 oder für den Opel Kapitän 54. Das 1960er Modell links heißt Frankfurt­Transistor, es sind aber erst drei Transistoren und noch sechs Röhren drin.Rechts die Omnibus-Anlage München IV TR von 1963. Dieses eben-Das Blaupunkt-Autosuperprogramm von 1955:falls mit „Omnimat-Drucktastenwähler“ ausgestattete Gerät enthält eineBremen, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Köln,12-Watt-Transistorendstufe. Heutige Kleinwagenbesitzer mögen diese Kurzwellen-Vorsatzgerät, Kleinbus-Anlage Ulm,Endleistung belächeln – in den Sechzigern des vergangenen Jahrhun-Bus-Anlage München I und II.derts reichte sie für einen mit sieben Lautsprechern bestückten Omnibus. (Blaupunkt Prospektabbildung von 1955/56)6 Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt Ganzseitiges Inserat aus der „Funkschau“, Heft 3/1961 7Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt „Blaupunkt – die größte Autoradiofabrik Europas“ – steht 1962 in der Februar-Ausgabe der Fach-zeitschrift „radio-fernseh-händler“, und im „Funkschau“-Inserat, Heft 4/1962: „Blaupunkt mit heutemehr als 8000 Beschäftigten“. Auch in den Neunzigern liefen rund fünf Millionen Autoradios mitdem „Blauen Punkt“ über die Fertigungsbänder der Betriebe in Hildesheim, Malaysia und Portugal. Aufgrund einer 1985 getroffenen Vereinbarung hatte Blaupunkt die industrielle Führung der bisheri-gen Grundig-Autoradiofertigung in Portugal übernommen und belieferte von dort aus auch Grundig(später wurde diese Vereinbarung wieder aufgehoben).Ihre ersten Blaupunkt-Kofferradios hatten die Idealwerke schon 1930 gefertigt, danach gab es ledig-lich 1939 noch den 6 BW 69, welcher nur für Akku- und Wechselstrombetrieb vorgesehen war. Mitder Nixe begann dann 1950 die Nachkriegs-Kofferradioproduktion. Im Folgejahr erschienen die Mo-delle Lido und Riviera, dann jedoch gab es neun Jahre lang keine Blaupunkt-Kofferradios mehr. Erst 1961 brachten die Hildesheimer die neuen Modelle Nixe und Derby auf den Markt, und von nunan standen jedes Jahr weitere Koffer- und Taschenradios dieses Fabrikats in den Katalogen. Bongo,Capri, Derby, Diva, Dixie, Lido, Mainz, Nixe, Ranger, Riviera, Senator, Skipper, Supernova, undSwing hießen die zahlreichen Modelle – 1977/78 und 1978/79 wurden noch die Derby-Typen insechs bzw. fünf teils hochwertigen Ausführungen angeboten. Kaum zu zählen sind die Kofferradios, die Blaupunkt auf den Markt brachte. Allein 1967 waren es zehn Modelle. Das kleinste hieß Dixi (im Bild hinten). Zehn Transistoren und fünf Dioden sind in dem Gerätchen für Mittelwellen-und UKW-Empfang. Viele Jahre – bis Ende der Siebziger – hatte BlaupunktDer vorn im Bild stehende Nachfolger mit der Längs-Skaladie größeren „Derbys“ im Lieferprogramm. Hier abgebil-– ebenfalls ein Dixi – erschien 1968. det ist der Derby H von 1969, ein 7/11-Kreiser mit fünf Wellenbereichen. Koffer- oder Autoradio? Diese Frage beschäftigte manchen Interessenten, welcher sich nicht beidesleisten konnte. Schaub-Lorenz offerierte 1960 die Lösung: Das Kofferradio mit Einschub-Halterungim Auto. Auch Blaupunkt wollte sich dieses Geschäft nicht entgehen lassen. Nachdem die Hildeshei-mer 1961 wieder mit Kofferradios auf den Marktkamen, wurde auch gleich die Nixe H mit derEinbau-Haltevorrichtung fürs Auto angeboten. Zu den Kofferradios, welche durch eine Einschub-Halterung ergänzt werden konnten, zählte auch der hier abgebildete Blaupunkt- Derby 700 von 1963, ein Allwellen-Transistor- Koffersuper mit HF-Vorstufen für alle Bereiche. DieEinbau-Haltevorrichtung wurde rechts unter dem Armatu- renbrett montiert. Das gefährde- te bei einer Vollbremsung den Beifahrer (die Beifahrerin). Der- artige Einbauten erhielten dem- zufolge im Volksmund den Na- men „Kniezerstörer“. 8 Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 BlaupunktEtwas Wehmut mag den Radiofreund schon beschleichen – beim Blick auf das Blaupunkt-Radioprogramm von 1955/56. Am 12. Mai 1965 wurde, wie die „Funkschau“ in ihrem Heft 12 notierte, in Hildesheim ein neues,Einerseits denkt er an die wunderschön gestalteten Gehäuse aus den End-Dreißigern, andererseits an die technischen fünfstöckiges Fabrikgebäude erstellt, und im FS-Heft 21/1965 schrieb Blaupunkt über den Bedarf anMeisterleistungen aus dieser Zeit. Hier aber findet er nur noch den 50er-Einheits-Stil, und der Inhalt dieser Radios (in den weiteren Produktionsflächen. Die fanden sich, wie die „Funkschau“ in ihrem Heft 13/1968 berichte-Großgeräten steckt nur eine EL 84) kann den Technik-Interessierten auch nicht mehr zu Beifallsbekundungen hinreißen.Nur eine Neuheit der Hildesheimer ist beachtenswert: Blaupunkt brachte 1954 die ersten 3-D-Radios auf den Markt. te, in einem Teil des stillgelegten Imperial-Werks Osterrode. Die Zahl der Beschäftigten stieg kontinuierlich. Im Juli 1968 waren es ca. 10 000, im November 11 9 Die dynamische Chronik, 9. Kapitel9.19 Blaupunkt 000, im Jahr 1971 schon 13 000 und im September1973 etwa 12 400. Nur Anfangs der Jahre 1967 und1971 mussten kurze Produktionspausen eingelegt wer-den (siehe: „Funkschau“ Heft 4/1967 und 12/1971), dawurde an einigen Tagen nicht gearbeitet.Der Aufstieg war anscheinend nicht zu bremsen. An-fang der Siebziger (siehe „Funkschau“, Heft 7/1970)übernahm Blaupunkt die Rundfunkfertigung von Ak-kord (die Jäger-Brüder hatten ihre Firma schon 1968 anBosch verkauft). Auch 1973, wo es anderen Firmenteils schon schlecht ging, konnte Blaupunkt seine Um-sätze erhöhen – dank der konstanten Erfolge auf demSektor Autoradio (siehe: „Funkschau“, Heft 7/1973).Blaupunkt konzentrierte sich in den Siebzigern, als dieMarktsättigung und Preisunterbietungen eine rentableProduktion von Heimempfängern aussichtslos erschei-nen ließ, auf dieses Gebiet, welches am besten zumBosch-Konzern und zur Autoelektrik passte: auf dieEntwicklung der noch lange nicht ausgeschöpftenfunktechnischen Einrichtungen im Kraftfahrzeug.Bevor jedoch das Thema Heimradio abgeschlossenwird, sei noch ein kurzer Rückblick gestattet. Wie ausder links abgebildeten Palette zu ersehen ist, kam Blau-punkt Mitte der Fünfziger zwar mit einem umfangrei-chen Verkaufsprogramm auf den Markt, ein Spitzenge-rät jedoch war nicht darunter. Auch in den Folgejahrenwar das nicht anders. Das teuerste Modell Riviera warnur mit einer Endröhre EL 84 ausgestattet. Nur 1958(vor dem Beginn der „Stereo-Zeit“) gab es mal den Ri-viera mit Gegentakt-Endstufe (2 x EL 95). Beliebter alsdie größeren Geräte waren die „Kleinen“ von Blaupunkt,welche freilich an die Philetta-Kleinsuperhets erinnern.Auch 1960 und danach blieb das Blaupunkt-Heimempfänger-Programm auf Geräte der Mittelklassebeschränkt. Zwar stieg Blaupunkt 1977 – wie die „Funkschau“ imHeft 21/1977 berichtete – auch ins „HiFi-Geschäft“ ein,erzielte aber mit Geräten dieser Art keine Gewinne.1979/80 lief die Produktion sämtlicher Audio-Heimgeräte aus. Links: Aus den „Funk- schau“- Heften 12/1965 13/19687/1970 18/1970 Man wollte Philips das Geschäft mit den erfolgreichen Kleinsuper- hets (Philettas) nicht alleine überlassen – auch andere Firmen offerierten ähnlich gestaltete Radios. Blaupunkt hatte 1956 das Modell Ballett im Programm. Es wurde im Pressstoffgehäuse mit Plastikeinsätzen in braun, weinrot, grün oder elfenbein angeboten. 10Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt Sammler von „Letzt-Fertigungen“ sind beiBlaupunkt verunsichert. Aber nicht nur beiBlaupunkt! Im Verlauf langwieriger Recher-chen gelangte der Autor zu der betrüblichenErkenntnis, dass aufgrund weggeworfenerDokumentationen und häufigen Personal-wechsels in den Firmenleitungen oft unzu- In den 60er Jahren waren Frontgestaltungen aus Styrol -Copolymerisaten in Mode. Da sie zerbrechlich sind, freut sich der Sammler über ein makellos erhaltenes Exemplar, wie dieses Modell Sultan 21 100 mit Polyes- ter-Hochglanzlackierung, welches Blaupunkt 1961 auf den Markt brachte.Nur des Designs wegen – die Technik hinter der Fassa- de ist Standard-Niveau.treffende Auskünfte über die letzten Fertigungen er-teilt werden. Man ist teils nicht mehr in der Lage, zwi-schen den Bereichen „Hörfunk“ und „Fernsehen“ zudifferenzieren. Blaupunkt nannte für den Sektor „Heimradios“ dasJahr 1972. Das mag für Empfänger einfacher Art zu- Die Notiz rechts stand in der „Funkschau“, Heft 7/1974 – es war die erste Verlautbarung dieser Art. Im Heft 21 wurde von weiterer Kurz- arbeit, sowie geplanten Entlassungen berichtet, und in den Heften 25/26 kündigte Blaupunkt die Stilllegung des Werkes Landau an.treffen; der Schlusspunkt war es nicht. Weiterhin konnte man Blaupunkt-Empfangsgeräte aus eigenerHerstellung kaufen, – bis 1974 auch solche aus dem früheren Akkord-Werk Landau. 1977 wurdenneue Hi-Fi-Anlagen auf der IFA vorgestellt, und 1978 kamen neu konstruierte Blaupunkt-Digita-Kombinationen auf den Markt (siehe auch: „Funkschau“, Heft 17/1978). Die Fertigung wurde zumVerlustgeschäft und auch gleich wieder eingestellt. Doch zum endgültigen Aus führte auch diese bit-tere Pille nicht, zumindest was die Entwicklung betraf (siehe Bild-Text).1981schließlichofferierte Blaupunktnoch das „Mikronic-60-System“, eineDie Blaupunkt-Überra-schung von 1980:Ein mit Infrarot-Fern-bedienung ausgestat-tetes HiFi-Komponen-tensystem. XT­240 heißt der Digi-tal - Synthesizer Tunerund XPA­240derPreamplifier. Diese beiden hier abgebildeten Komponenten konnten entweder durch den Endverstärker MA-240 oder durch zwei Aktivboxen Mini-vervollständigt werden. 1980 wurden die von Blaupunkt entwickelten Geräte im Südfunkwerk, Dr. Robert Ott, HiFi-Waiblingen bei Stuttgart, gefertigt. (Sammlung W. Roßnagel) Anla-ge (siehe Kapitel 8.20). Wo sie gebaut wurde, konnte noch nicht ermittelt werden.Wie man sieht – so eindeutig ist die Frage nach den „Letztfertigungen“ nicht immer zu beantworten. Nach dem Auslauf der Hörfunk-Heimradiofabrikation baute Blaupunkt noch 15 Jahre lang Fernseh- 11Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt geräte – zuletzt nur noch mit Verlust. 1996 wurde dieTV- Produktion eingestellt. Auch im Autoradio-Geschäftmusste 1993 nochmals ein Absatzeinbruch hingenom-men werden. Demnächst sollten NavigationssystemeBlaupunkt wieder in die Gewinnzone bringen.Die Verluste waren zwar – nach Auf-gabe der Unterhal-tungselektronik – verringert worden, aber die Hildeshei- Überschrift oben: Aus der Tageszeitung vom 29. August 1997 Bericht rechts: vom 5. Oktober 1998mer kamen nicht mehr aus den rotenZahlen. Auf das 75-jährigeBlaupunkt-Jubilä-um wurde 1998verzichtet.Die Hiobsbotschaf-ten wollten nichtabreißen. Im Jahr2001 gingeinGroßauftrag verlo-ren, und die billi-Links: Bericht-Teil aus der Tageszeitung vom 26. September 2001 genNavi-Ge-rätchen aus Fernost wurden zur bedrohlichenKonkurrenz.Trotz allem ist zu hoffen, dass uns wenigstens noch dieBlaupunkt-Autosysteme erhalten bleiben und Bosch diesezeitweise unrentable Fertigung nicht irgendwann abstößt.Zu dieser Hoffnung berechtigen Weiterentwicklungen mo-derner Fahrer-Informationssysteme – ein Gebiet, auf demBlaupunkt schon 1971/72 Bahnbrechendes leistete.* „Die Navigation ist heute“ – so schrieb die Robert BoschGmbH 1998 im Datenheft zur Bosch-Geschichte – „alsErgänzung zum Autoradio ein großer Hoffnungsträger fürdie 2.600 Blaupunkt-Mitarbeiter in Hildesheim. Wichtig schon deshalb, weil es keine Fernseher mitdem blauen Punkt mehr gibt – und die fernöstliche Konkurrenz stärker ist denn je.“ Schön wär’s, wenn irgend ein Navigationsrechner auch den sicheren Weg in die Zukunft weisenkönnte: „Zum Erfolg geradeaus, dann halblinks und wieder rechts“. Doch ist dieser Weg so unwäg-bar wie selten zuvor.Nur wenige Radiosammler können (* siehe auch: „Zur Entwicklungsgeschichte des Autoradios“ im Kapitel 13.3).sich für Blaupunkt- (oder andere)Autoradios begeistern, sie sind vielmehr an den frühen Nachkriegsprodukten interessiert. Heute gel-ten sie als Raritäten, nicht nur diese ersten, 1945 in drei Versionen erschienenen Blaupunkt-Detektorapparate. Ebenso gesucht sind die primitiven Röhrengeräte V 15, LV 15 bis 17 oder 2 GW146 E. Die Raumton-Musiktruhe 9 W 748 (1949) oder auch die nachfolgende T 2650 W (1950 koste-te sie 2.650 DM) wäre sicher ein Platzproblem, wenn man sie überhaupt noch bekommen könnte.

 

9.27 DUAL Plattenspieler St. Georgen

 

DUAL Plattenspieler Radiochronik Radiogeschichte Radiotechnik

 

 

9.49 Grundig, Fürth - Radiowerk von Max Grundig

 

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Kaum ein Unternehmen wurde so ausschließlich durch seinen Chef geprägt, wie das Radiowerk von Max Grundig. Er war kein Unternehmersohn – nicht im Wohlstand aufgewachsen. Hunger und Entbehrungen waren die Begleiter in der Kindheit. Der frühe Tod des Vaters zwang ihn in die Rolle des „Familien­ Versorgers“ – die erste Bewährungsprobe im Leben des erst 14jährigen Lehrlings. Das Sparen lag ihm im Blut (die Mutter war Schwäbin), Organisationstalent war ihm angeboren. Aber es waren nicht nur kaufmännische Fähigkeiten, die ihn schon in früher Jugend auszeichneten, er war auch technikbegeistert. 1924 – in seinem dritten Lehrjahr – wurde der 16jährige Max vom „Radiofieber“ infiziert. Er bastelte seinen ersten Detektorapparat, den Keim für seinen beruflichen Werdegang. Die Begeisterung für technisches Neuland, gepaart mit dem Organisationstalent und der sichere Umgang mit Geld, das war sein Kapital, das er zum Start in die Selbständigkeit mitbrachte.

 

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Gerade 22 Jahre zählte Max Grundig, als er 1930 den „Radio ­Vertrieb Fürth, Grundig & Wurzer“, gründete. Die Firma gliederte sich in Verkauf und Reparaturwerkstatt. Zur Wiederherstellung defekter Transformatoren besorgte sich Grundig die erste Wickelmaschine. Neue folgten – der Jungunternehmer (seit 1934 Alleininhaber) war ins Kleintrafo-Geschäft eingestiegen. Es kam der Krieg und der RVF produzierte neben Trafos auch Rüstungsgüter. Zum Kriegsende war Max Grundig ein reicher Mann. Und er hatte dafür gesorgt, dass Material gespeichert wurde, mit dem unverzüglich neue Waren für den zivilen Bedarf gefertigt werden sollten. Zunächst waren es wieder Trafos, dann die Prüfgeräte Novatest und Tubatest.

 

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Im Bild rechts: Novatest Inserat rechts oben: aus der „Funkschau“, Heft 4/1947. Inserat linke Seite: aus „Funk-Technik“, Heft 10/1948.

 

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Bevor der berühmte „Heinzelmann-Radiobaukasten“ auf den Markt kam, lieferte Grundig (RVF) in großen Mengen die Röhrenprüfgeräte Tubatest und das Universal-
Mess- und Prüfgerät Novatest. In vielen Radioreparaturwerkstätten waren sie für die Fehlersuche unentbehrlich geworden.

 

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Schon viele Berichte erschienen in der Presse über Grundig, und sie begannen zumeist mit dem Satz: „Grundig baute das erste Nachkriegsgerät – den Heinzelmann“. Es ist kaum möglich, diese Falschmeldung auszumerzen. Fakt ist: Es gab schon 1945 betriebesbereite Radios. Nicht einmal den Baukasten hatte Max Grundig 1946 „erfunden“, aber nur seiner wurde so erfolgreich.

 

Die amerikanische Besatzungsmacht versagte dem RVF vorerst die Genehmigung zum Bau von Radioapparaten. Gerade das aber wollte Max Grundig. So kam ihm die zündende Idee: „Ein Bastel-Baukasten könnte es doch sein“. Das war kein Radio – das musste sich der Käufer selbst zusammenbauen. Und er musste sich um die Röhren kümmern, die waren nämlich nicht dabei. Die Strategie trug Früchte – der Radio­Vertrieb Bj. 1946/47 Fürth konnte sich vor Aufträgen kaum retten. Scharenweise verließen Heinzelmänner aller Art (es sollen ca. 50.000 gewesen sein) das Haus. Mit oder ohne Genehmigung – so nebenbei entstanden auch einige betriebsfertige Kleingeräte. Das machten doch Andere auch so.

 

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1946/47 erschien Grundigs legendärer Heinzelmann – zu- Bj. 1947/48 nächst als Baukasten mit der hellen Skala.

 

Die Röhren (AF 7 und AL 4 für Wechselstrom oder zwei RV 12 P 2000 für Allstrom) musste der Käufer selbst besorgen. Wie manch andere Firma durfte der „Radio-Vertrieb Fürth“ anfangs keine betriebsfertigen Empfänger herstellen. Bausätze wurden von verschiedenen Firmen angeboten – zum Begriff wurde aber nur der Heinzelmann. Das vorn stehende Heinzelmann-Nachfolgemodell (mit der schwarzen Skala) wurde, nachdem Grundig die Herstellerlizenz erhalten hatte, mit uneinheitlicher Röhrenbestückung betriebsfertig ausgeliefert.

 

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Handelte es sich bei diesem 175 x 160 x 105 mm großen Einkreiser Liliput etwa um Grundigs erstes Rundfunkgerät ? Falsch ist diese Annahme nicht – der etwa gleichzeitig erschienene Heinzelmann war schließlich nur ein Baukasten. Auf den Markt kam der Liliput nicht, wahrschein lich brauchte Max Grundig das begehrte Stück für seine „Kompensationsgeschäfte“. Im schaltungstechnischen Aufbau gleicht er dem Zaunkönig, den die Konstanzer Firma Funkstrahl schon 1945 entwickelt hatte: von den drei Röhren RV 12 P 2000 dient eine als aperiodische HF-Stufe. Insofern war er dem Allstrom-Heinzelmann (mit 2 x P 2000) überlegen. Andererseits – er hatte nur den Mittelwellenbereich. 

 

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Inserat aus der „Funkschau“, Heft 1/1949

 

Nachdem Grundig schließlich auch komplette Radios produzieren durfte, wurden (nach dem Heinzelmann) seine ersten, in Großserien gefertigten Standard ­6­ Kreis Superhets Weltklang nicht weniger erfolgreich. Dem Heinzelmann folgte der veredelte Standard-Sechskreis-Superhet Weltklang. Auf den Rückwänden der ersten Serie stand noch „RVF, Elektrotechnische Fabrik GmbH“. Die Nachfrage war wieder so groß, dass es in der Gehäusefabrikation zu Engpässen kam. Ersatzlieferanten wurden eingeschaltet, und so entstanden Gehäuse wie das des oberen Geräts. Es ist aus dünnem Sperrholz gefertigt und musste – damit das Radio nicht dröhnte – ausgeschäumt werden.

 

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Der Halbzeug ­Nachschub und auch Baumaterial zur Errichtung neuer Produktionsstätten wurde durch Kompensationsgeschäfte herbeigezaubert. „Grundig Radiowerke GmbH“ hieß jetzt die neu eingetragene Firma. Der weitere Aufstieg des cleveren Selfmade­ Mannes mit dem Gespür fürs Machbare entwickelte sich kometenhaft.

 

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1948/49 gestaltete Grundig neue Gehäuse mit dem Skalenband in der Stoff-Front. Kantig war das Gehäuse für den Einkreiser Heinzelmann 168 GW. Beim hier abgebildeten Vierkreis-Superhet Weltklang 268 GW (mit UCH 11 / UCL 11) wurden die Kanten gerundet. 1949 gab es in der gleichen Gestalt den Sechskreiser 288 GW, dann mit Rimlockröhren.

 

"Gips-Bruch" 1948 entstand sowohl ein neuer Heinzelmann (die Type 168 GW) als auch der kleine Weltklang 268 GW. 1949 kam der Heinzelmann 126 W auf den Markt, und kurz danach – im ähnlichen Gehäuse – die Type 246 W. Holz, Bakelit oder Polystyrol-Copolymerisate – das waren die Gehäuse-Werkstoffe in den Fünfzigern. Um einen Sonderfall handelt es sich beim Gehäuse dieses 126 W. Erst Beschädigungen geben das Geheimnis preis: es ist aus Gips. Der Zulieferant fertigte 1949 nur für Grundig. Nachdem neue Aufträge ausblieben – das Gerät wurde im Januar 1950 aus dem Programm genommen – ging er pleite. 

 

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Die Expansion des Unternehmens war nicht mehr zu bremsen – bereits am 3. August 1949 stellten die Grundig Radiowerke die „eintausendste“ Mitarbeiterin ein. Und über die Straßen Westdeutschlands fuhr Grundigs „Rollende Funkausstellung“.

 

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Bild aus der „Funk-Technik“, Heft 7/1950

 

Nicht nur mit Heimempfängern konnte Grundig den Markt erobern, er brachte auch schon zur Zwischensaison 1949/50 den ersten Reisesuper mit Miniaturröhren auf den Markt, deren Fertigung damals in französischen und holländischen Röhrenwerken begonnen hatte. Max Grundig startete eine Werbekampagne, welche für damalige Verhältnisse ungewöhnlich war. In ganzseitigen Inseraten suchte er eine Namen für seinen „216 B“, und versprach zehn Preise – beginnend mit dem großen Musikschrank im Wert von 988.- DM.

 

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Das erste Inserat erschien in der „Funk-Technik“, Heft 1/1950, das zweite im Heft Nr. 7 (wiedergegeben sind nur Inserat-Ausschnitte).

 

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Die Kampagne verfehlte ihre Wirkung nicht – der „Boy“ war in aller Munde und wurde 1950/51 in größten Stückzahlen verkauft. Die 1950er Kleeblatt Serie galt als „großer Wurf“. Der hervorragend aufgebaute Sechskreis-Super 165 W zum Beispiel war mit seinem Preis von 165 DM unschlagbar. Grundig machte nun auch den „alteingesessenen Firmen“ klar, dass da ein Konkurrent auf den Markt gekommen war, den man ernst nehmen musste.

 

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Als im März 1950 der Name Boy prämiert wurde, umhüllte man den vereinfachten Fünfkreiser 186 B/GW – ohne HF Vorstufe und nur noch für Mittelwellenempfang, dafür aber mit eingebautem Allstrom-Netzteil – mit einem leuchtend roten Polystyrolgehäuse (vorn). Auch 1951 gab es den Boy noch; jetzt hieß er Kleiner Boy, weil er einen Bruder namens „Großer Boy“ bekommen hatte. Zwischen den Beiden steht (noch im stabilen Bakelt-Gehäuse) der 216 B – bestückt mit den Röhren: 1 T 4 (DF 91), 1 R 5 (DK 91), 1 T 4 (DF 91), 1 S 5 (DAF 91) und 3 Q 4 (DL 92). Die erste 1 T 4 sitzt in der HF-Vorstufe dieses Fünfkreis-Superhets, welche bei den Folgemodellen weggelassen wurde.

 

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Auch Grundigs Größter war preislich unschlagbar – er kostete nämlich (mit UKW-Röhren) nur ca. 520.- Mark, während man für den Körting Dominus 51 W 695.-, und für den Telefunken T 5000 W 760.- DM bezahlen musste. Auch diese Großsuper wurden gut verkauft, weil es 1950 noch Kaufinteressenten gab, welche der neuen Firma Grundig zunächst nicht so recht trauen wollten. Schnell aber lernte der Fachhandel das neue Fabrikat zu schätzen.

Ein schön gearbeitetes Gehäuse wurde 1950 für diesen Grundig 495 W entworfen, und seine brau nen Bereichstasten wirken heute feiner als die zwei Jahre später bevorzugten hellen Klaviertasten. Mit zehn Kreisen wurde der FM-Vorstufensuper bestückt, mit acht der AM-Teil, und acht Watt hatte die Endstufe mit der EL12. Sie lieferte die Energie für zwei permanent-dynamische Tieftonsysteme und einen elektrostatischen Hochtöner. Mit diesem Modell bewiesen die Fürther, dass sie nicht nur über den Preis (DM 495.-, UKW-Röhrensatz 24.60) zum Marktführer wurden, sie konnten auch mit beachtlichen technischen Leistungen aufwarten. Ausführlich berichtete die „Funk-Technik“ im Heft 4/51 über weitere Verfeinerungen des 495 W in der 1951er Auflage.

 

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Eine stilistische Meisterleistung war das wohl nicht – die Tischkombination 399 W. 1950 brachte Grundig diesen K-M-L-Sechskreissuper mit dem funktional vorteilhaft ein gebautem 78-Touren-Plattenspieler auf den Markt. Einen UKW-Teil dazu gab’s gegen Aufpreis. 

 

Im Rundfunkkatalog 1951 konnte man acht Grundig-Modelle finden – vom Einkreiser mit VEL 11 bis zum Großsuper mit Gegentakt-Endstufe. Die Produktion wurde sprunghaft erweitert. Und trotzdem – Grundig konnte den hohen Bestelleingang nicht bewältigen – musste seine Geräte „zuteilen“.

1951 kaufte Max Grundig die Nürnberger „Lumophon“ mit den Werken Goldbach- und Schloss Straße, sowie der Gehäusefabrik in Georgensgmünd; 1956 das ehemalige Telefunken­ Werk Dachau „AWB“, 1964 „Tonfunk“ Karlsruhe und 1969 mehrheitlich die „Kaiser-Radiowerke“ Kenzingen.

 

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 War’s die Freude über den Erwerb der Nürnberger Lumophon-Werke, die Max Grundig 1951 zu dem Modellnamen Gloria 51 GW inspirierte? Den Herren Bruckner und Stark war 1929 mit ihrem Jubiläumsmodell Gloria „der große Wurf“ gelungen.

 

Grundigs preisgünstiger Einkreiser war von der Berliner Firma Thesing entwickelt worden, die dasselbe Gerät zuvor auf der Exportmesse Hannover (mit rotem Gehäuse) als Modell Ara ausgestellt hatte. 55 DM kostete dieses Einkreisgerät; nur der Jotha-Liliput war 10 DM billiger. Bestückt wurde er mit der VEL 11, welche man samt den sonstigen Eingeweiden durch die transparente Polystyrol-Rückwand betrachten kann. 

1952 kam aus Fürth die Kunde, dass nun insgesamt eine Million Empfänger die Fließbänder der Grundig-Werke verlassen hatten. Die Tagesproduktion von ca. 2.500 Geräten wurde weiter gesteigert. Max Grundig durfte sich rühmen, noch vor der Fernseh ­Epoche zum größten europäischen Hersteller der Branche aufgestiegen zu sein. 1955/56 wurde er auch noch größter Tonbandgeräte ­Hersteller der Welt.

 

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Man konnte auch bei Grundig sein Geld los werden, es gab dort nicht nur Geräte der gemäßigten Preisklasse. 1.340 DM kostete 1952 dieser FM-Vorstufensuper aus der 4000er-Reihe als Tonbandkombination 4009. Der Käufer mag bedauert haben, dass er trotz des beachtlichen Preises einen Empfänger erwarb, der nicht mit der Gegentakt-Endstufe des 5010 ausgestattet war.

 

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Ohne Tonband war‘s billiger: 590 DM betrug der Listenpreis des Spitzensupers 5010 W. Grundig lieferte 1952 zu diesem günstigen Preis den FM-Vorstufenempfänger mit zehn Kreisen im FM- und neun im AM-Teil. Die Gegentakt-Endstufe mit 2 x EL 12 versorgte drei Lautsprecher.

Bei Siemens musste man für den nicht so leistungsfähigen, und mit nur zwei Lautsprechern ausgestatteten Spitzensuper 53 desselben Baujahrs 870 DM bezahlen.

 

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Wie sein erstes Radio aus dem Baukasten und nachfolgende kleinere Empfänger nannte Grundig von 1954 wieder Heinzelmann. Dieser Heinzelmann 1 aber begnügte sich nicht mehr – wie einst sein Vorgänger von 1946 – mit einem Kreis. Sechs AM- und acht FM-Kreise bekam Grundigs Fünfröhren Super für UKW-, Mittel- und Langwellenempfang. Das Besondere an ihm ist die elektrische Synchronschaltuhr mit Leuchtzeigern, das zusätzlich einschaltbare Läutewerk und die Steckdose für den Anschluss elektrischer Geräte.

Auch in den Folgejahren setzten die Fürther ihre Spitzensuper-Serien fort, 1954 mit den Modellen 4040, 5040 und 5050 W/3D. Grundig fürchtete zu Recht, dass die SABA-Automatic-Modelle den ersten Platz einnehmen könnten. Deshalb bekamen auch die großen Grundigs eine Motorabstimmung – nicht aber den Suchlauf, wie er bei SABA verwirklicht wurde.

 

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Der Motor dieses 5040 W/3D von 1954 steuert sieben fest eingestellte Sender an: einen im LW-Bereich und je zwei in den Bereichen Mittel, Kurz und UKW (siehe auch: Funkschau, Heft 7/1955). Mit jeweils 11 AM- und FM-Kreisen ist dieses Hochleistungsgerät ausgestattet.

Von der guten alten EL 12 hatten sich die Fürther auch 1954/55 noch nicht ganz verabschiedet, nur im 5050 arbeiten zwei EL 84 im Gegentakt. „3 D“ – von Grundig propagiert – hatte sich durchgesetzt. Sämtliche größeren Modelle waren nun mit seitlich eingesetzten Lautsprechern ausgestattet. Die Gehäusegestaltung indes blieb bei Grundig konservativ – alle größeren Modelle hatten die selbe Bauform. 1955 aber experimentierten die Stylisten – zunächst mit bescheidenem Erfolg.

 

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Das Modell 3095 WF/3 D. Grundig hatte im selben Jahr auch ein modern gestaltetes "der Ferndirigent" (deshalb 3095 W F) Schrankmodell herausgebracht (siehe Kap. 8.9). Ergänzend dazu gab es den „Ferndirigent“. (Bild: DRM 55 GR 01 H)

 

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Besonders erfolgreich wurde Grundig mit seinen Reisegeräten. 1955 erschienen im Rahmen der „Boy-Serie“: der Micky-Boy, Drucktasten-Boy, UKW-Concert-Boy, Farm-Boy und Mini-Boy.

 

Der schönste, mit seinem Preis von DM 349.50 aber auch der teuerste unter den 1955er Modellen: der UKW-Concert-Boy (Bild rechts). Dieser hochwertige, 5,5 kg schwere Neunröhren Super wurde beim Transport durch eine Jalousie geschützt.

Auf dem deutschen Markt war Grundig alleiniger Hersteller der Taschenradios, welche mit Subminiaturröhren ausgestattet wurden. 1 V 6, 1 AH 4, 1 AJ 5 und 1 AG 4 sind die Typenbezeichnungen der vier Bleistiftröhren, die man in den Mini-Boys von 1954 und 1955 vorfindet. (Die 1 V 6 entspricht der DCF 60 aus der Flachsockel-Subminiator-Röhrenreihe). Heute zählen diese Kleinst-Röhrengeräte mit den Maßen 160 x 90 x 40 mm (inklusive Batterien und Mittelwellen-Ferritantenne) zu den gesuchtesten Sammlerraritäten aus dem Ende des Röhrenzeitalters. Erst 1960 gab es den nächsten MiniBoy, der wurde natürlich mit Transistoren bestückt. 

 

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Für das Modelljahr 1956/57 hatten sich die Grundig-Konstrukteure wieder etwas einfallen lassen: Das „HiFi-Wunschklangregister“, hier verwirklicht im 3028 W. Nicht nur die attraktive Anzeige des Tonfrequenzverlaufs reizte den Käufer – das war wirklich ein Fortschritt. Später nannte man so etwas „Equalizer“.

Mit 19 Fabrikationsbetrieben in aller Welt war Grundig zum Symbol des deutschen Wirtschaftswunders geworden. „Fünf Millionen Geräte“ hatte er in den zehn Jahren von 1947 bis 1957 produziert – eine Million in den ersten fünf und weitere vier in den folgenden fünf Jahren.

 

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Aus einem Bericht in der Funkschau, Heft 22/1957

 

Das Jahrzehnt von 1958 bis 1968 verlief nicht weniger stürmisch als das vorausgegangene. 1958 entstand ein Tonmöbelwerk in Senden und ein Werk für Kunststoffteile. In Nürnberg wurde die „Grundig-Bank“ eröffnet. 1959 gesellte sich zum größten Tonbandgerätewerk der Welt in Bayreuth ein neues Musikschrankwerk. 1960 beschäftigte Grundig in wirt schaftlichen Notgebieten Nordbayerns (an verschiedenen Orten) Hunderte von Arbeitskräften und in Fürth errichtete er ein neues Verwaltungsgebäude.

1961 folgte der Aufbau einer neuen Fabrik für die Elektronik-Fertigung und mit dem Erwerb von 600.000 qm Gelände konnte in Langwasser eine neue „Grundig Stadt“ entstehen.

 

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Max Grundig genoss die Anerkennung, die ihm allseits entgegengebracht wurde. Der „Heuss-Besuch“ zählte zu den Höhepunkten.

 

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Aus: Funkschau, Heft 1/1960

 

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Mit dem 216 B (Vorläufer des Boy) begann 1949/50 bei Grundig die Serie der Koffersuper. Der beliebte Modellname Boy konnte sich über viele Jahre im Grundig-Programm verwurzeln. Im Bild steht hinten der röhrenbestückte Boy Junior von 1952, den es auch im dunkelbraunen Polystyrol-Spritzgussgehäuse gab. Das mit Kunstleder bezogene Gehäuse (vorn) enthält den Musik-Transistor-Boy E 100 von 1959. Mit sechs Transistoren und zwei Germaniumdioden empfängt er Mittel- und Kurzwellen.

 

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Gleichzeitig mit dem Musik-Transistor-Boy erschien 1959 der Micro-Transistorboy mit den Maßen 115 x 75 x 32 mm. Zuhause konnte man ihn mit dem größeren Heimlautsprecher betreiben. „Da drin ist sicher ein Netzversorgungsteil“ – dachte sich der Kaufinteressent, doch dem war nicht so. Auch die Heimlautsprecher-Kombination musste sich mit Batteriebetrieb und 75 mW Ausgangsleistung begnügen.

 

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Stereo-Rundfunksendun gen gab es noch nicht, aber Stereo-Schallplatten konnte man seit 1959 in vorzüglicher HiFi-Qualität genießen. Grundig reagierte schnell und lieferte schon im selben Jahr Steuergeräte ohne eingebaute Lautsprecher. Im Bild steht das Steuergerät 6199 Stereo von 1960, ergänzt durch eine – über zeitverzögern de Spiralfedern wirkende – Raumhall-Einrichtung. Es war das größte Gerät aus der 1960er-Serie – und mit seinem Preis von 498.– DM (ohne Lautsprecher und Halleinrichtung) das teuerste Gerät. Indes – der Käufer bekam dafür ein 14-Röhren-Gerät mit automatischer Scharfabstimmung, fünf Klangtasten und Wunschklangregister. Die beiden Gegentakt-Endstufen wurden mit zwei ELL80 bestückt.

 

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Große Umsätze machte Grundig mit den Kleingeräten. Das Musikgerät 87 (links) kam 1960 auf den Markt, die Type 88 im Folgejahr. Beachtenswert ist, dass beide Geräte keine „ECH“ enthalten, Grundig verwendete in der Eingangs- / Oszillatorstufe für den AM- und FM Empfang eine ECC85, hatte also die Triode mit additiver Mischung auch im Mittelwellenbereich.

 

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1962 offerierte Grundig eine Musikanlage, die sich aus Einbauelementen zusammensetzte. Die links abgebildete Zusammenstellung besteht aus dem Rund- funkempfangsteil HF 1 (rechts), dem HiFi-Stereoverstärker NF 10 (links), der Raumhalleinrichtung mit Hallverstärker HV 1 (Mitte), sowie aus dem Hallsystem HS 1 (oben).

Aber ein Erfolg wurden die zum Festeinbau vorgesehenen Teile nicht. Anspruchsvolle Wohnherren wollten sich offen halten, ihre Empfangsanlage nach ein paar Jahren wieder gegen eine neue auszutauschen und entschieden sich eher für ein Gerät im „Braun-Stil“. 1963, nachdem die ersten Stereosendungen zu empfangen waren, war Grundig auch schon mit dem Stereomeister 10 auf den Markt. Und ein weiteres Gerät aus Fürth machte Furore: Der 1962 erschienene Ocean-Boy 202.

 

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Notiz aus der Funkschau, Heft 22/1960

 

Mit den Ocean-Boys begann eine Erfolgsserie, welche mit den Geräten der Satellit-Modelle fortgesetzt wurde. Wenn auch die Satelliten im Schatten des 1963 erschienenen Braun T-1000 standen (und dies nicht nur des „Braun Designs“ wegen), so erfreuten sie sich doch – insbesondere durch ihre vergleichsweise­ Ocean-Boy 204 moderaten Preise – großer Beliebtheit.

 

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Teil eines Inserats aus der Funkschau, Heft 21/1963

 

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Dieser Grundig-Satellit Transistor 6001 war identisch mit der Type 210 (In- und Auslandsgeräte erhielten verschiedene Typen-Nummern).

 

1969 erschien er als Nachfolger der Typen 208 und 205, die erstmals 1965 auf den Markt gekommen waren. Mit ihren 9/14 AM- und 13 FM-Kreisen, Trommel-Tuner mit 12 Wellenbereichen und spreizbaren KW-Bändern waren die „Satelliten“ Weltempfänger der Spitzenklasse. Ihre Bedeutung wurde 1990 durch die Grundig Final-Edition Typ 650 zum Ausdruck gebracht. In den Jahren zwischen 1965 bis 68 entstanden – obwohl doch Max Grundig laut Aussage aus dem Jahr 1960 „die Expansion vorläufig abgeschlossen“ hatte – weitere Werke zur Produktion von Tonmöbeln, Lautsprecherboxen und Fernsehgeräten; und das von Tonfunk gekaufte Werk in Karlsruhe wurde durch einen Neubau erweitert. Relativ bescheiden ist der Sammlerpreis für das hier abgebildete Gerät, weil es in großen Stückzahlen verkauft wurde. Sehr viel höher im Kurs – etwa Faktor 5 – steht der technisch überlegene Braun Weltempfänger T 1000.

 

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Aus den Presse Besprechungen der Funkschau, Heft 15/1965. Grundig war in Fürth allgegenwärtig – auch an den Stammtischen.

 

In den Sechzigern ging es wiederum aufwärts. Nun bewährte es sich, dass Max Grundig bereits 1954 auf dem amerikanischen Markt hatte Fuß fassen können. Hermann Brunner-Schwer schrieb in seiner SABA-Dokumentation: „Tatsächlich war es Max Grundig, der als erster deutscher Radiofabrikant seinen Arm nach Amerika ausstreckte. In Ashbach, einem cleveren jüdischen Geschäftsmann aus New York, fand er den richtigen Partner. Ashbach organisierte den Vertrieb, stieg groß in die Werbung ein und importierte bereits Mitte der Fünfziger Jahre Grundigs Rundfunk- und Tonbandgeräte in Stückzahlen, von denen andere nur träumen konnten“. Schon 1959 erreichte der Exportanteil sämtlicher Grundigwerke etwa 48 % deren Produktion, und damit ein Drittel des gesamten bundesdeutschen Exports an Rundfunk-, Fernseh-, Tonband- und Diktiergeräten sowie Musikschränken und Kofferempfängern. Natürlich war es nicht nur das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in das schon innerhalb der ersten drei Monate neben 1000 Musikschränken 11000 Heim- und Koffergeräte geliefert wurden – und dies noch vor der ersten Amerika-Reise des Chefs. Verkaufsniederlassungen entstanden auch in London und in Nordirland, in der Schweiz und in Italien, in Warschau, Frankreich und Wien, wo Grundig dann 1968 die Firma Minerva erwarb. Auch in anderen Ländern und Erdteilen wurden Produktionsstätten errichtet – eine der großen Fabriken schon 1965/66 in Braga / Portugal.

 

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Aus der „Funkschau“, Heft 10/1966

 

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Viele Jahre hatte Grundig in der Autoradio-Sparte nicht mitgemischt. Jetzt sollte auch dieser Sektor aufgerollt werden.  (Ein Bericht aus der „Funkschau“, Heft 4/1966)

 

Mit der Bausteinserie von 1962 hatte Grundig nicht viel Glück. Fünf Jahre später enthielt das neue, 7,5 kg schwere Einbau-Chassis mit Holzzarge – im Gegensatz zu dem Tuner HF 1 – auch den Verstärker mit zwei 15 Watt Gegentakt-Endstufen. Das ganzseitige Inserat erschien im „Funkschau“- Heft 4/1967; im Rundfunkkatalog aber sucht man das Gerät vergebens. Erst in der Ausgabe 1968/69 steht es als HiFi - Stereo - Rundfunkempfangsteil HF 500 mit dem Zusatz FET.

 

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Teil eines Berichtes aus der „Funkschau“, Heft 10/1966.

 

Trotz der Inbetriebnahme des neuen Werkes und trotz der Autoradios konnte der Umsatz von 1966 nur um 9 % gesteigert werden.

 

Der Stereo-Hi-Fi-Tuner-Verstärker HF 500 empfängt in den Bereichen: UKW,  (+ 3 Festsendertasten), Kurzwelle I + II, Mittel- und Langwelle. Zur Ergänzung - gab es das Hallgerät HSV 1.

1970 wollte der nun 62 jährige Max Grundig sein Unternehmen „zukunftssicher“ machen und gründete die „Max Grundig-Familien-Stiftung“. Natürlich schwebte er als alleiniger Vorstand über der neuen Holding und dies sogar im wörtlichen Sinne – in seinem zweistrahligen Jet mit dem geheimnisvollen Namen „Mystére“. Nur damit hätte er die vielen Termine in aller Welt wahrnehmen können – schreibt Egon Fein, der Autor des Buches „Sieben Tage im Leben des Max Grundig“. So kam er auch schneller zu seinem neuen, hochherrschaftlichen Wohnsitz an der Côte d’Azur, in dem früher Persönlichkeiten wie die Greta Garbo, Arthur Rubinstein, Onassis, Niarchos, die Begum und das monegassische Fürstenpaar verkehrten.

 

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Teil eines Berichtes aus der „Funkschau“, Heft 5/1970

 

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1971/72, als dieses Hi-Fi Stereo-Steuergerät auf den Markt kam, machte der Wettbewerb auf dem Weltmarkt auch Grundig zu schaffen. Zu viele Hi-Fi Firmen (auch Japaner) offerierten ihre Produkte und sorgten für fallende Preise – auch in dieser Geräteklasse.

 

Mit 50 Transistoren und 32 Halbleiterdioden lag Grundigs Größter – der RTV 900 HIFI 4 D-Stereo – noch nicht an der Spitze, zählte aber doch schon zu den Receivern der Oberklasse (der 1974er RTV 1040 bekam 185 Transistoren und 97 Halbleiterdioden). Mit Endstufenausgängen für zusätzliche Raumton-Lautsprecher war der RTV 900 ausgestattet. Nicht schlecht – deshalb aber „4D-Stereo“ drauf zu schreiben, das war doch etwas verwegen. Reichten Max Grundig drei Dimensionen nicht mehr? Wollte er dem Käufer eine vierte andienen ?

 

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Den erfolgreichen Sechzigern folgte ein wirtschaftlich unerfreuliches Tal – die Unterhaltungselektronik (aus deutscher Produktion) erlebte empfindliche Umsatz- und Ertragsrückgänge, welche jedoch zuerst Grundigs Konkurrenten zu spüren bekamen. Aber – schon im Juni 1971 wurde auch in verschiedenen Grundig-Werken die Produktion gedrosselt – freiwerdende Arbeitsplätze nicht mehr neu besetzt. Max Grundig berichtete auf einer Veranstaltung des Münchener Wirtschaftspresse-Clubs: „Der „Schock der Farbgeräte-Preissenkung und -Preisfreigabe sei noch nicht abgeklungen“, und meinte: mit den Umsätzen sei er ja zufrieden – aber – „er wäre froh gewesen, wenn er den halben Jahresertrag von 1969 hätte erwirtschaften können“ (Quelle. „Funkschau“, Heft 4/1971).

Etwas bescheidener war der Inhalt dieses 1971er Studio 2000, aber natürlich entsprach es ebenfalls der DIN-Norm 45500. Ergänzt wurde das Stereo-Steuergerät durch den Dual-Plattenspieler 1215 mit Shure-Magnetsystem M 75. Dazu gehören zwei passende Lautsprecher des Typs HiFi-Box 306. Fast schien es, als wären die besten Jahre des Strategen Max Grundig schon passé – das Personal-Karussell begann sich zu drehen.

 

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Hans H. Griesmeier kennen wir schon aus der Graetz-Geschichte. Alfred Liebetreu, den Vertrauten Hermann Brunner Schwers (SABA) lockte Grundig mit falschen Versprechungen nach Fürth. Schnell hat Liebetreu diesen Schritt bereut.

 

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Bericht aus der „Funkschau“, Heft 16/1971

 

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Oben: Bericht aus der „Funkschau“, Heft 22/1971, unten Bericht aus der „Funkschau“, Heft 3/1972

 

Am 7. Mai 1973 feierte Max Grundig seinen 65sten Geburtstag, und Karl Tetzner schrieb in der „Funkschau“, Heft 10/1973: „Mit ziemlicher Sicherheit darf man annehmen, dass es am 65. Geburtstag des Firmengründers Max Grundig weitaus ruhiger zugehen wird als vor fünf Jahren an seinem 60. Geburtstag, als sich in der Nürnberger Meistersingerhalle eine stattliche Zahl von Gratulanten einfand, um den Festansprachen zu lauschen. Auch scheint sich das Unternehmen nicht darauf vorzubereiten, das 25jährige Jubiläum der Gründung, das auf Mai 1973 fixiert wird, groß zu feiern“.

 

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Bericht aus der „Funkschau“, Heft 23/1972

 

„Grundig setzte 1,51 Milliarden um“ – stand im „Funkschau“- Heft 10/1973, und „Grundigs bestes Jahr“ – lesen wir im Heft 24. Das Unternehmen mit nun 28.000 Beschäftigten sah sich wieder im Aufwind. Im Geschäftsjahr 1973/74 nahm – wie die Funkschau im Heft 10/1974 berichtete – der Umsatz nochmals um 16 % zu, die Zahl der Beschäftigten stieg auf 31.100. Und innerbetrieblich gab‘s schon wieder Turbulenzen. Na ja – Widerspruch duldete der Chef halt nicht – nur er allein bestimmte die Richtung.

 

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Notiz aus der „Funkschau“, Heft 5/1975

 

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Bericht (Teil) aus der „Funkschau“, Heft 17/1975

 

Noch im Heft 6 vom März 1975 schrieb die „Funkschau“: „Die Grundig AG dürfte im Geschäftsjahr 1974/75 (endend 31.3.) erstmalig deutlich mehr als 2 Mrd. DM umsetzen“. Im September hörte man aus Fürth schon andere Töne – auch an Grundig ging die neuerliche Krise nicht spurlos vorbei. Die Prognosen für 1976 klangen nicht optimistisch.

 

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Bericht aus der „Funkschau“, Heft 18/1975

 

„Aus einem Jahresabschlußbericht 1975 von Grundig geht hervor, daß auch dieses führende Unternehmen mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte […] Insgesamt erwartet Grundig für dieses Jahr kaum eine Umsatzausweitung über 1975 hinaus.“ – so stand‘s in der Funkschau im Heft 2/1976. Indes – „Grundig weiter optimistisch“ – liest man im Funkschau- Heft 11/1976, und im Heft 18 wurde über steigende Umsätze berichtet. Grundig erwartete nun „eine Ausweitung des gesamten HiFi Marktes im Bundesgebiet“. Während andere Firmen schon ums Überleben kämpften, legte Grundig einen ausgeglichenen Jahresabschluss 1975/76 vor, welchen die Funkschau (Heft 24/1976) unter dem Titel „Wem die Sonne scheint“ veröffentlichte. Die miserable Preisentwicklung aber veranlasste nun auch Grundig, in Asien zu produzieren. Die „Funkschau“ schrieb in ihrem Heft 25/1976: „Wie berichtet, ist der Entschluß von Grundig, auf Taiwan eine Fabrik für Fernsehgeräte zu errichten, im Bundesgebiet auf großes Interesse gestoßen.“ (siehe: Heft 1/1977; Bericht im Heft 5/1979). „Die Expansion der Grundig-Gruppe schreitet fort“ – steht in der Funkschau im Heft 3/1977, und im Heft 6 des selben Jahres lesen wir: „Aktion Wachstum 77“ nennt Grundig eine Verkaufsförderungsaktion von hoher Brisanz.

Noch immer ging es scheinbar unaufhaltsam aufwärts. „1976 hat die Grundig AG 2400 neue Arbeitsplätze geschaffen, davon zwei Drittel im Inland“ – das berichtete die Funkschau im Heft 7/1977; und Max Grundig glaubte, Anfang der 80er-Jahre mit einem Konzernumsatz von rund vier Milliarden die Beschäftigtenzahl von 40.000 zu erreichen. Tatsächlich aber waren es in der Spitze ca. 38.500, und der Umsatz kletterte (mit nur noch ca. 20.000 Mitarbeitern) erst 1990 auf gut vier Milliarden.

 

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Bericht aus der „Funkschau“, Heft 10/1977

 

Drei Jahre lang, von 1976 bis 78 stand dieses Musikgerät RF 440 in den Katalogen. In dieser Zeit begann auch Grundig den Preisdruck aus Fernost zu spüren und baute dieses einfache Gerätchen mit geringeren Lohnkosten in Portugal. Auf 2,6 kg wurde sein Gewicht reduziert und man „hört“ die Sparmaßnahmen: Während 50 Jahre zuvor der „Trichter“ für Resonanzschwingungen verantwortlich war, ist‘s beim RF 440 das dünnwandige Thermoplast Gehäuse. Die Empfangsleistung aber ist beachtenswert. Keramikfilter sorgen für gute Trennschärfe und die drei IC’s, einer davon in der 4-Watt-Gegentaktendstufe, verfehlen ist nicht ihre Wirkung.

 

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„Hi-Fi für alle da“ – das war Grundigs Werbespruch auf den Messen in Berlin und Düsseldorf, mit dem die Fürther umsatzmäßig auch auf diesem Gebiet die Nr. 1 wurden. „Hi-Fi ist unsere zweitstärkste Artikelgruppe“ – steht in der Funkschau, Heft 21/1977. Im Heft 1/1978 wird berichtet, dass die „Umsatzausweitung bei Autosupern 50 %, und bei den stark forcierten Hi-Fi-Anlagen nicht weniger als 258 % betrug. Der Jahresabschlussbericht 1976/77 stand in der „Funkschau“ unter dem Titel: „Noch immer scheint die Sonne“.

Max Grundig aber spürte, dass dieselbe über seinem Konzern nicht ewig scheinen würde – nur der Umsatz und die Beschäftigtenzahl war steigerungsfähig – die Gewinnspanne sank kontinuierlich. Da lag die Überlegung nahe, nach einer Branche Umschau zu halten, welche bessere Renditen versprach. Und so vernahm die Fachwelt 1978 mit Erstaunen: Im Handelsregister der Stadt Fürth wurde die „Hotelverwaltung Max Grundig-Stiftung“ eingetragen. Der neue Hotelier Dr. Grundig hatte die Hotels: Schloss Fuschl am See samt Jagdhof, das Grandhotel Quisisana auf Capri, das Hotel Livistraire in Südfrankreich sowie das Hotel Forsthaus in Fürth erworben (Quelle: Funkschau Heft 8/1978). Siebzig Jahre war der Konzernherr im Mai 1978 geworden, als sich die Sonne verdüsterte. Die Funkschau schrieb im Heft 12/1978 unter dem Titel „Grundig zufrieden aber…“: man musste Erlösminderungen von 6 % hinnehmen, und bei weiteren Großprojekten soll kurz getreten werden. Das passte dem Chef überhaupt nicht. „In den kommenden zehn Jahren wollen wir uns in Übersee Märkte wieder holen, die an die Konkurrenz aus Billigpreisländern verloren gegangen sind“ – erklärte Max Grundig einem Vertreter des Pressedienstes vwd. (Quelle: „Funkschau“, Heft 23/1978). Das Ziel war hoch gesteckt, wo doch im Grundig-Jahresabschlussbericht zu lesen stand: „Die deutsche Industrie ist nämlich kaum noch in der Lage, mit den fernöstlichen Anbietern preislich zu konkurrieren“ (Quelle: „Funkschau“, Heft 24/1978).

 

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Vielleicht wollte Herr Stoffels, Vorstandsmitglied und Gesamtvertriebsleiter der Grundig-Gruppe, die Meinung des Chefs wieder mal nicht teilen (was gar nicht gut war) – jedenfalls verließ er das schlingernde Schiff, und übernahm – nachdem er sich von Grundig ausreichend erholt hatte – im Mai 1981 bei der AEG den Vertrieb der „weißen Ware“. Die Funkschau stellte ihn schließlich in ihrem Heft 8/1981 als „Telefunken-Chef“ vor. „Auch Grundig muss sich anpassen“ – war Anfang 1979 in der Fachpresse zu lesen – auch Grundig musste den Personalstand weiter reduzieren und in einzelnen Betrieben Kurzarbeit anmelden. In Sachen Vertriebsbindung aber trug die Grundig AG einen Sieg davon – ein Gerichtsurteil versagte der Metro den Vertrieb unrechtmäßig erworbener Grundig-Erzeugnisse. Und der Umsatz konnte mit ca. 38.500 Mitarbeitern noch um 7 % gesteigert werden. 

Was lange als Gerücht kursierte, kam nun ans Licht der Öffentlichkeit: Grundig tat sich mit Philips zusammen. Die Holländer konnten – zunächst mit einer Beteiligung von 24,5 % – in das Grundig Imperium einsteigen (Bericht aus der „Funkschau“, Heft 20 / 1979). „Grundig – für die 80er Jahre gerüstet“ steht im Heft 23, denn – nur so könnte man in dem „gnadenlosen Wettbewerb“, der sich auf den Weltmärktenabspielt, bestehen. Aber – schon forderten die Grenzen des Wachstums ihren Tribut: im Werk Vohenstrauß musste rund ein Drittel der Belegschaft freigesetzt werden. (Funkschau: Heft 10/1980). Auch der Grundig Vorstand konnte nun die Krise nicht mehr verbergen. Die Funkschau berichtete im Heft 16/1980, dass die Belegschaft weiter reduziert wird, und dass die Werke Neuenburg und Nordirland geschlossen werden. In zwei italienischen Grundig-Werken wurde zunächst kurzgearbeitet, danach erhielten 400 Arbeiter ihre Papiere. 1981 war es das Werk Ascha, welches stillgelegt wurde; später das Werk bei Mailand. Indes – nach unten zeigende Kurven ertrug Max Grundig nicht.

 

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Der alternde Chef, zunehmend von gesundheitlichen Problemen gepeinigt, sprach jetzt von einem Überlebenskampf. 1978 wollte er noch gegen die japanische Konkurrenz antreten, hatte aber inzwischen erkannt, dass dafür hierzulande die Voraussetzungen fehlten. Grundig würde auf dem Weltmarkt nie mehr eine große Rolle spielen können. Seine Felle wegschwimmen zu sehen, machte ihn wütend. Die Japaner waren an allem schuld – sie allein spielten die erste Geige und – sie waren dabei, sein Lebenswerk anzugreifen. Das bekam die Fachwelt auf der „CEBIT 1982“ ungeschminkt zu hören (siehe Kapitel 8.20).

Max Grundigs Gedanken kreisten jetzt nur noch um den Erhalt des Unternehmens; und die Chance dazu sah er in einer Kooperation der größten europäischen Elektronik-Firmen. Nachdem ein Zusammenschluss mit Thomson­Brandt, Frankreich, vom Kartellamt untersagt wurde, hielt Grundig bzw. die Max Grundig Stiftung weiterhin die Mehrheit des Unternehmens.

1984 jedoch dehnte Philips seine Beteiligung um weitere 7 % auf 31,5 % aus – und  übernahm die unternehmeri­sche Verantwortung. 1983 hätte Max Grundig einen solchen Schritt noch von sich gewiesen.

 

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Links steht das Modell Sono-Clock 670 SP aus den Achtzigern – der „sprechende Radiowecker“. Es war noch ein Grundig Fabrikat, aber auch Made by Grundig in Portugal“. Ein ausgefallen gestaltetes Uhrenradio war das rechts abgebildete Sono Clock 500 von 1976. Sechs UKW Sender waren auf Stationstasten programmiert, es konnte aber auch von Hand abgestimmt werden.

 

„GRUNDIG HEUTE“ das Schlusswort: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“. Erleuchtete ihn nun die innere Einsicht, dass es doch noch größere und lebensfähigere gab als ihn – dass er (mit der Zeit) gehen sollte? Dann musste dieser Schritt zu einem Zeitpunkt getan werden, zu dem das Unternehmen trotz geringer Renditen noch gesund war. Und so geschah es. In den ersten fünf „Philips-Jahren“ ging es ja auch recht gut – die Umsatz- und Beschäftigtenzahlen stiegen bis 1990 an. Dann aber verkehrte sich die bisherige Aufstiegskurve ins Gegenteil. Und noch schlimmer war, dass 1991 auch die Gewinnkurve in den roten Bereich eintauchte. Diesen Abstieg hat Max Grundig sicher nicht vorausgesehen, baute er doch auf den Erfolg des mit Philips initiierten Systems „Video 2000“. Er blieb aus, der erhoffte Erfolg. Die „VHS“­ Gewaltigen – mächtiger als Grundig und Philips zusammen – konnten das technisch bessere, jedoch auch etwas teurere japanische VHS Video System strategisch besiegen.

Viel hatte Max Grundig im Leben erreicht. Dass aber seine Vision von den „Vereinigten europäischen Rundfunk- und Elektronikwerken“ zum Scheitern verurteilt war, und er die Führung seines Imperiums aus der Hand gegeben hatte, machte ihn zum gebrochenen Mann. Den Verfall seines Lebenswerkes jedoch musste der inzwischen Schwerkranke nicht mehr mit ansehen – er war 1989 verstorben. So erlebte er auch nicht mehr das 50-jährige Firmenjubiläum, welches 1995 mit gewaltigem Aufwand gefeiert wurde – dies mitten in der tiefsten Krise, als der Konzernverlust bereits dreistellige Millionenbeträge auswies. Die Firmenleitung gewann Dr. Edmund Stoiber als Festredner, und dieser sagte: „Wir müssen auf dem Weg in eine Informationsgesellschaft einen Spitzenplatz einnehmen“ – fürwahr ein frommer Wunsch.....

Es bedurfte schon eines gehörigen Quantums Verwegenheit, das marode Unternehmen so darzustellen, als ob es sich geradewegs auf der Startbahn in eine verheißungsvolle Zukunft befände – als ob es auf dem Weg sei, unter den Weltfirmen eine Spitzenposition einzunehmen.

 

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Titelseite der Broschüre „50 Jahre Grundig“.

 

Das Gerät im Bild: „Grundig Space Fidelity – die Revolution des Raumklangs“. Nun – es gibt kühne, und gute DesignEntwürfe. Die Gestaltung dieses „Sound-Systems ohne die üblichen Lautsprecherboxen“ dürfte wohl der Kategorie äußerst kühner Entwürfe zuzuordnen sein. Die Grundig-Leute waren erstaunt, dass sich die Auftragsbücher nicht füllen wollten. Wie konnte in fünf Jahren das einst gesunde Unternehmen in eine solche Krise geführt werden – das fragten sich nicht nur Außenstehende. Fehlende Innovationen seien es – meinten die Fachleute und mit Hilfe neuer Produkte gelang 1996 noch eine Trendwende. Die aber konnte das in vielen Bereichen unwirtschaftlich arbeitende Unternehmen auch nicht mehr retten. Zunehmend kam das Philips-Management ins Visier der Kritiker, und für die Betriebsangehörigen gab es nur eine Erklärung: es hat versagt. Lautstark wurde im Januar 1997 die Ablösung des glücklosen Generaldirektors gefordert, der dann das heruntergewirtschaftete Unternehmen nicht ungern verließ. Indes – nachdem sich Philips wieder von der Firma getrennt hatte, gelang auch den nachfolgenden Vorstandschefs die fast aussichtslose Sanierung nicht. Und für die verbliebenen Mitarbeiter (es waren – wie einst vor 40 Jahren – nur noch 8000) gab es kaum mehr Hoffnung.

 

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Den Verlauf des Abstiegs konnte jedermann in den Presseberichten der Tageszeitungen verfolgen – die Überschriften derselben sollen in dieser Chronik längere Abhandlungen über das Geschehen in den Jahren von 1993 bis 2005 ersetzen.

 

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1995/96 Demonstration anlässlich der „50jährigen“ Feierlichkeiten

 

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Für Philips bendete das Grundig Abenteuer nicht nur mit einem Verlust an der Glaubwürdigkeit der in Fürth handelnden Manager, es wurden auch erhebliche Zweifel an der Führungskompetenz der Konzernspitze geäußert. Und nicht zuletzt musste Philips Zahlungen in einer Höhe leisten, welche zwar die Grundfesten des Unternehmens nicht erschüttern konnten, die aber recht schmerzhaft in den Bilanzen zu Buche schlugen.

 

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Die große Hoffnung im Herbst 1997: Der renommierte Bericht aus der Stuttgarter Zeitung vom 5. Juni 1997 über den schon seit den Rosenheimer Fabrikant Anton Kathrein sollte zum rettenden Engel werden.

 

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Wie oft schon hofften die Grundig-Insolvenzverwalter auf Investoren.

 

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Die Presse begleitete das Schicksal des einstigen deutschen „Wirtschaftswunder Unternehmens“ mit großer Anteilnahme. Nach der Zerschlagung des Konzerns aber konnte man in den Wirtschaftsnachrichten nur noch kurze Notizen lesen – die Zeit der dicken Überschriften war vorbei.

 

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Eigentlich ist es doch zu bewundern, dass es noch solche Optimisten gab...

 

Ein letztes Inserat vom Oktober 2006: „Deutsche Gastarbeiter in einem türkischen Radiowerk - warum denn nicht ?“

 

Die Autoradiosparte hatte – mit dem portugisischen Werk – die amerikanische Firma Delphi übernommen, das türkisch-britische Konsortium Beko / Alba-Elektronik erwarb die Fernsehsparte und eine Beteiligungsgesellschaft den Diktiergerätebereich. Und woran waren die Käufer in erster Linie interessiert: bestimmt nicht am Produktionsstandort Deutschland – dem Markennamen „Grundig“ vor allem galt ihr Interesse. Von zuletzt 1150 Arbeitsplätzen blieben 200.

Für den Radiosammler ist Grundig heute ein abgeschlossenes Kapitel. Bei den meisten jedoch steht das Fürther Fabrikat (zu Unrecht) nicht hoch im Kurs. Die Gründe:

– es gibt keine „alten“ Grundigs
– es war Massenware
– Grundig war der Preisbrecher
– Grundig galt nie als Edelmarke

Und auch in Kreisen der alteingesessenen Rundfunkfirmen war der Ruf des mit Ehrungen überhäuften Dr. h.c. Max Grundig nicht der beste. Nicht von ungefähr war er gefürchtet – und er genoss das sogar! Man denke z.B. an seinen hinterhältigen Aktionismus mit der Absicht, von den SABA Werken Besitz zu ergreifen. Dass es nicht dazu kam, das hat ihn getroffen. Hatte er doch schon Jahre zuvor etwa 3 Km westlich des SABA-Firmengeländes das Hotel Kirneck als Arbeitererholungsheim erworben und auf dem Dach eine weithin sichtbare Leuchtreklame installieren lassen. „Um euch Sabanesen zu ärgern“ – sagten schmunzelnd die Grundig- Erholungssuchenden, wenn sie sich mit ihren Villinger Kollegen bei einem Schwarzwälder Kirsch trafen... Max Grundig kaufte das in einem feuchten Winkel gelegene Anwesen nicht nur seinen Leuten zuliebe.

 

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Abwertende Einschätzungen mögen also durchaus ihre Berechtigung haben. Sie schmälern aber nicht die unternehmerischen Leistungen des eigenwilligen Konsuls. Selbst seine Konkurrenten schwankten zwischen Verachtung und neidvoller Bewunderung. Die wurde ihm auch noch zuteil, als die Auswirkungen seiner Nachlassregelungen bekannt wurden. Auch hier agierte er wieder clever. Seine persönlichen Erben mussten nicht am Hungertuch nagen – Grundigs Witwe Chantal zählt zu den reichsten Frauen Deutschlands. Mag auch der Name „Grundig“ mit subjektiven Gefühlen verbunden sein, Geräte dieser Marke gehören ebenso zur Sammlung, wie etwa solche von Körting, welche schließlich schon ab 1955 auch als „Neckermann-Niedrigpreiserzeugnisse“ verkauft wurden. Und es darf nicht vergessen werden, dass im Zeichen des Kleeblatts hochwertige Empfänger auf den Markt kamen, die sich in aller Welt, nicht zuletzt in Amerika größter Beliebtheit erfreuten.

Auch unter den „Grundigs“ findet man begehrte Sammlerstücke: nicht nur den Heinzelmann oder einen Weltklang. Weitaus interessanter sind die Großen aus Anfang bis Mitte der Fünfziger: 495 W/UKW, 5005 W, 5010 W, 5050 W/3D mit Motor-Senderwahl und als letztes Glanzstück dieser Reihe das 1956er Konzertgerät 5080 mit HiFi-Wunschklangregister und Fern-Dirigent. Zur Abrundung wäre noch ein besonders wertvoller Musikschrank nicht fehl am Platze, sofern derselbe vorhanden ist.

 

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Aus einem Bericht der Illustrierten „BUNTE“

 

Auch in den Staaten gibt es Grundig-Fans. Die vielen importierten Tisch- und Schrank-Modelle waren in Amerika so beliebt, dass in den Neunzigern unter dem Titel „The sounds of the Nineties from the radio of the Fifties“ wieder „Grundig Classic Fifties Radios“ angeboten wurden. Über einen Grundig-Boy von 1950/51 (1949/50 hieß das stabiler ausgeführte und mit HF-Vorstufe versehene Freizeit-Radio noch 216 B) freut sich nicht nur der „Henkelware-Sammler“. Spezialisten suchen noch mehr den seltenen Miniboy mit Subminiaturröhren, der 1954 und 55 im Lieferprogramm war. Vergessen sollte man auch nicht den Yacht-Boy und einen Satellit­ Weltempfänger. Als würdiges Schlusslicht vielleicht das Modell „Final­ Edition“ Typ 650 (mit Sennheiser-Kopfhörer), von dem 1990 nur 1000 einzeln nummerierte Exemplare gefertigt wurden, die – teils vorbestellt – sofort vergriffen waren. Ob man sich auch mit dem „Heinzelmann“ ­Nachbau anfreunden sollte, welcher 1995, anlässlich des 50jährigen Grundig-Radio-Jubiläums an glorreiche Zeiten erinnern sollte? Eine Laudatio für diesen Anlass (und auf das Gerät) wäre wohl unangebracht, eher vielleicht ein paar Wehmuts­-Tränen.

 

Der „Heinzelmann“ von 1946 und das „Jubiläumsmodell“ 1995 (unten).

 

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Schön wär’s ja gewesen, wenn Grundig mit diesem „Pseudo-Heinzelmann“, dem „Heinzelmann Spezial Edition“, wie 50 Jahre zuvor wieder am Beginn eines kometenhaften Aufstiegs gestanden hätte. Leider kam es wie befürchtet – das Firmenschicksal passte sich der farbschwachen Skala dieses Fernost-Erzeugnisses an. Das Eis, auf dem sich Grundigs verbliebene Fertigungsbetriebe bewegten, wurde so dünn wie das „echte“ Eichenholzfurnier des Gehäuses. Äußerlich erkennt man ihn ja – den guten alten Heinzelmann. „Doch wie’s da drinnen aussieht...“

 

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Immerhin – mit den ersten Bausatzgeräten, die im Oktober 1946 den RVF verließen, hat er schließlich noch etwas gemeinsam: damals wurden keine Röhren mitgeliefert, und auch im Jubiläumsmodell sucht man sie vergebens. Stolze 369 DM kostete einer der „5.000 Limitierten“ – im März 1996 wurde die Nr. 6.806! gesichtet... Der unschlüssige Sammler wundert sich auch über das Erscheinungsdatum 1995. Wäre nicht der Oktober 1996 passender gewesen? Wurde etwa in Erwägung gezogen, dass bis dorthin im Hause Grundig die musikalische Unterhaltung bzw. der Begriff „Radio“ vollends hätte in Vergessenheit geraten sein können ?

Wie sagte doch Ephraim Kishon in seiner Geburtstagslaudatio vom Juni 1995 so feinsinnig: „Wie wir alle wissen, erzeugt die Grundig AG ausschließlich Unterhaltungs-Elektronik, wie zum Beispiel Alarmanlagen...“

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9.67 Kathrein Receiver, Rosenheim

 

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9.70 Klein & Hummel, Stuttgart / Kemnat

 

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